Sesostris-I.-Pyramide

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Sesostris-I.-Pyramide
Licht-senwsPyramids 01.jpg
Ägyptischer Name
Hiero Ca1.svg
F12 S29 D21
X1
O34
N35
Hiero Ca2.svg
Q3 X1
D21

Hiero D10 mirrored.png

D10 N16
N16
O24
Seostris (Senwosret)-peter-taui
S-n-Wsrt-ptr-t3wj
Seostris (Senwosret) schaut die beiden Länder
Daten
Ort el-Lischt
Erbauer Sesostris I.
Bauzeit 12. Dynastie
Basismaß 105 m (200 Ellen)
Höhe (ursprünglich) 61,25 m
Neigung 49° 24'
Kultpyramide 1
Königinnenpyramiden 9

Die Sesostris I.-Pyramide (altägyptisch Senwosret-peter-taui) wird Sesostris I. aus der 12. Dynastie zugeordnet und wurde etwa 1,6 km südlich der Pyramide seines Vaters Amenemhet I. errichtet.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Ansicht der Pyramiden von Lischt (oben) und Schnitt durch die Sesostris-I.-Pyramide (unten) nach Perring

Eine erste Dokumentation der Pyramide führte 1839 John Shae Perring durch. Die Publikation erfolgte 1842 durch ihn selbst und durch Richard William Howard Vyse.[1][2] Carl Richard Lepsius besuchte Lischt während seiner Ägypten-Expedition 1842–1846 und dokumentierte zwischen März und Mai 1843 die dortigen Ruinen. Die Sesostris-I.-Pyramide nahm er unter der Nummer LXI in seine Pyramiden-Liste auf.[3]

Blick von der Sesostris-I.-Pyramide auf die Amenemhet-I.-Pyramide während der Grabungen des Metropolitan Museum of Art (ca. 1908)

Erste systematische Ausgrabungen fanden 1894/95 unter Joseph-Étiennte Gautier und Gustave Jéquier statt.[4] Zwischen 1906 und 1934 grub hier ein Forschungsteam des Metropolitan Museum of Art unter der Leitung von Albert M. Lythgoe, Arthur C. Mace und Ambrose Lansing, wobei damals außer Vorberichten keine Publikationen erschienen. Nachgrabungen gab es dann zwischen 1984 und 1987 unter Dieter Arnold. Bereits 1988 legte er die erste vollständige Grabungspublikation der königlichen Pyramidenanlage vor.[5] 1992 folgte unter Mitarbeit seiner Ehefrau Dorothea Arnold und seines Sohnes Felix Arnold ein weiterer Band zum Pyramidenkomplex.[6]

Baudetails[Bearbeiten]

Plan der Pyramidenanlage

Auch Sesostris I. nahm die Grabbezirke des Alten Reichs als Vorbilder für seine Anlage. Vor allem der Pyramidentempel ist eine genaue Kopie eines solchen Tempels aus der 6. Dynastie. Die Pyramidenerbauer verbesserten die Bauweise der Pyramide gegenüber der von Amenemhet I., doch jahrhundertelanger Steinraub setzte auch diesem Bauwerk stark zu. Die Folge war eine nahezu gänzliche Freilegung des Mauerkerns.

Bei archäologischen Untersuchungen fanden sich an mehreren dieser Kernblöcke Kontrollmarken der antiken Handwerker. Das früheste Datum stammt aus dem zehnten, das späteste aus dem 24. Regierungsjahr des Königs. Hieraus kann auf eine ungefähr 14 bis 15 Jahre dauernde Bautätigkeit geschlossen werden. Die Grabkammer im Inneren der Pyramide ist nie freigelegt worden, und heute vom Grundwasser überflutet.

Die Pyramide hatte eine Nebenpyramide und neun Pyramiden für Königinnen und Königstöchter. Die meisten dieser Nebenpyramiden sind jedoch so stark beraubt, dass heute nicht einmal die Namen der Besitzerinnen bekannt sind. Nur die Pyramide der Gemahlin des Herrschers Neferu und der Tochter Itaykat konnten mit Sicherheit identifiziert werden.

Der Pyramidenkomplex[Bearbeiten]

Die Kultpyramide[Bearbeiten]

Die Kultpyramide hat eine ursprüngliche Seitenlänge von 15,75 m (30 Ellen) und eine ursprüngliche Höhe 15,75 m (30 Ellen) bei einem Neigungswinkel von 63,435°. In einer späteren Bauphase wurde sie vergrößert auf eine Seitenlänge von 18,375 m (35 Ellen) und eine Höhe von 18,375 m (35 Ellen).[7]

Die Königinnenpyramiden[Bearbeiten]

Zwischen innerer und äußerer Umfassungsmauer sind um die Königspyramide herum neun Königinnenpyramiden angeordnet. Von Südosten beginnend sind sie entgegen dem Uhrzeigersinn durchnummeriert. Die Pyramiden 1, 4, 8 und 9 wurden bereits von Gauthier und Jéquier bei ihrer Grabung 1894/95 entdeckt, jedoch mit Ausnahme von Nummer 1 irrtümlich als Mastabas angesehen. Diese Ansicht wurde durch die Grabungen des Metropolitan Museum korrigiert. Zwischen 1917 und 1934 wurden zudem fünf weitere Königinnenpyramiden entdeckt.[8] Nur bei zwei Bauwerken ist der Name der Besitzerin bekannt: In Nummer 1 sollte Neferu (III.) bestattet werden, eine Tochter von Amenemhet I und Gemahlin von Sesostris I.,[9] in Nummer 2 Itakayt (I.), eine Gemahlin[10] oder Tochter[11] von Sesostris I.

Die Königinnenpyramide der Neferu[Bearbeiten]

Die Pyramide der Neferu ist die größte Königinnenpyramide des Komplexes. Sie hat eine Seitenlänge von 21 m (40 Ellen) und eine ursprüngliche Höhe von 18,9 m (36 Ellen) bei einem Neigungswinkel von 62,5°.[12]

Die Königinnenpyramide der Itakayt[Bearbeiten]

Die Pyramide der Itakayt hat eine Seitenlänge von 16,8 m (32 Ellen) und eine ursprüngliche Höhe von 16,8 m (36 Ellen) bei einem Neigungswinkel von 63,6°.[12]

Die Königinnenpyramide 3[Bearbeiten]

Pyramide 3 hat eine Seitenlänge von 16,8 m (32 Ellen) und eine ursprüngliche Höhe von 16,8 m (36 Ellen) bei einem Neigungswinkel von 63,25°.[12]

Die Königinnenpyramide 4[Bearbeiten]

Pyramide 4 hat eine Seitenlänge von 16,8 m (32 Ellen). Die ursprüngliche Höhe und der Neigungswinkel sind aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes unbekannt.[12]

Die Königinnenpyramide 5[Bearbeiten]

Pyramide 5 hat eine Seitenlänge von 16,275 m (31 Ellen) und eine ursprüngliche Höhe von 16,275 m (31 Ellen) bei einem Neigungswinkel von 63,917°.[12]

Die Königinnenpyramide 6[Bearbeiten]

Pyramide 6 hat eine Seitenlänge von 15,75 m (30 Ellen). Die ursprüngliche Höhe und der Neigungswinkel sind aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes unbekannt.[12]

Die Königinnenpyramide 7[Bearbeiten]

Pyramide 7 hat eine Seitenlänge von 15,75 m (30 Ellen). Die ursprüngliche Höhe und der Neigungswinkel sind aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes unbekannt.[12]

Die Königinnenpyramide 8[Bearbeiten]

Pyramide 8 hat eine Seitenlänge von 15,75 m (30 Ellen). Die ursprüngliche Höhe und der Neigungswinkel sind aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes unbekannt.[12]

Die Königinnenpyramide 9[Bearbeiten]

Pyramide 9 hat eine Seitenlänge von 15,75 m (30 Ellen). Die ursprüngliche Höhe und der Neigungswinkel sind aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes unbekannt.[12]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemeiner Überblick

Grabungspublikationen

  • Dieter Arnold: The Pyramid of Senwosret I (= The Metropolitan Museum of Art Egyptian Expedition. Band 22). Metropolitan Museum of Art, New York 1988, ISBN 0-87099-506-5 (Online).
  • Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret I (= The Metropolitan Museum of Art Egyptian Expedition. Band 25). Metropolitan Museum of Art, New York 1992, ISBN 0-87099-612-6 (Online).
  • Joseph-Étiennte Gautier, Gustave Jequier: Fouilles de Lisht. In: Revue archéologique. Ser. 3, Band 29, 1896, S. 39–70 (Online).
  • Joseph-Étiennte Gautier, Gustave Jequier: Memoires sur les Fouilles de Lisht (= Memoires de l’Institut français d'archéologie orientale du Caire. Band 6). Kairo 1902 (Online).
  • Ambrose Lansing: The Egyptian Expedition 1916-1919: I. Excavations on the Pyramid of Sesostris I at Lisht. Seasons of 1916-17 and 1917-18. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band. 15, No. 7, Juli 1920, S. 3–11 (Online).
  • Ambrose Lansing: The Museum's Excavations at Lisht. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band. 19, No. 12, Dezember 1924, S. 33–43 (Online).
  • Ambrose Lansing: The Museum's Excavations at Lisht. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band. 21, No. 3, März 1926, S. 33–40 (Online).
  • Ambrose Lansing: The Egyptian Expedition 1931-1932: The Museum's Excavations at Lisht. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band. 28 , No. 4, April 1933, S. 3–22 (Online).
  • Ambrose Lansing: The Egyptian Expedition: The Excavations at Lisht. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band. 29 , No. 11, November 1934, S. 4–41 (Online).
  • Albert M. Lythgoe: The Egyptian Expedition: II. The Season's Work at the Pyramids of Lisht. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band. 3, No. 9, September 1908, S. 170–173 (Online).

Detailfragen

  • Hartwig Altenmüller: Die Pyramidennamen der frühen 12. Dynastie. In: Ulrich Luft (Hrsg.): The Intellectual Heritage of Egypt. Studies Presented to László Kákosy (= Studia Aegyptiaca. Band 14). Budapest 1992, ISBN 963-462-542-8, S. 33–42 (Online).
  • Peter Jánosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen. Untersuchungen zu einem Grabtyp des Alten und Mittleren Reiches (= Österreichische Akademie der Wissenschaften. Denkschriften der Gesamtakademie. Bd. 13 = Untersuchungen der Zweigstelle Kairo des Österreichischen Archäologischen Institutes. Bd. 13). Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996, ISBN 3-7001-2207-1, S. 54–59, 116–120.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sesostris-I.-Pyramide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Shae Perring, E. J. Andrews: The Pyramids of Gizeh. From Actual Survey and Admeasurement. Band 3, Fraser, London 1843, S. 19, Taf 17 (Online).
  2. John Shae Perring, Richard William Howard Vyse: Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837: With an Account of a Voyage into Upper Egypt, and Appendix. Band 3, Fraser, London 1842, S. 77–78 (Online).
  3. Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Text. Erster Band. Unteraegypten und Memphis. Hrsg. von Eduard Naville und Ludwig Borchardt, bearbeitet von Kurt Sethe. Hinrichs, Leipzig 1897, S. 212 (Online).
  4. Joseph-Étiennte Gautier, Gustave Jequier: Fouilles de Lisht. In: Revue archéologique. Ser. 3, Band 29, 1896, S. 39–70 (Online).
  5. Dieter Arnold: The Pyramid of Senwosret I. Metropolitan Museum of Art, New York 1988 (Online).
  6. Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret I. Metropolitan Museum of Art, New York 1992 (Online).
  7. Dieter Arnold: The Pyramid of Senwosret I. Metropolitan Museum of Art, New York 1988, S. 72–73.
  8. Peter Jánosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996, S. 54.
  9. Peter Jánosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996, S. 54–55.
  10. Peter Jánosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996, S. 56.
  11. Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. The American University in Cairo Press, London 2004, ISBN 977-424-878-3, S. 92, 96.
  12. a b c d e f g h i Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret I. Metropolitan Museum of Art, New York 1992, S. 19.

29.5631.221111111111Koordinaten: 29° 33′ 36″ N, 31° 13′ 16″ O