Setra

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Setra ist seit 1995 eine Marke der Daimler AG, die im Geschäftsbereich Daimler Buses durch die 100-prozentige Konzerntochter EvoBus GmbH in Europa vertrieben wird. Die Kässbohrer Fahrzeugwerke bauten in Ulm Busse unter dem Markennamen Kässbohrer Setra, bis das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und die Omnibussparte an Daimler-Benz verkaufen musste. Der Name Setra leitet sich von dem Wort „selbsttragend“ ab.

Geschichte[Bearbeiten]

Busse von Kässbohrer[Bearbeiten]

Kässbohrer Setra S 11 (1958)

Einen der ersten Omnibusse mit einer selbst tragenden, in sich stabilen und hinreichend verwindungssteifen Karosserie entwickelte Otto Kässbohrer im Jahre 1951. Bei dieser Bauweise konnte auf einen Grundrahmen (Fahrgestell) verzichtet werden. Während bis zu diesem Zeitpunkt andere Konstrukteure von Bussen mit selbsttragender Bauweise noch nicht den Durchbruch geschafft hatten, wurde die Konstruktionsweise des Setra S 8 der Grundstein von Kässbohrers späteren Erfolg mit der Marke Setra.

In den 1950er Jahren exportierte Kässbohrer 200 Setra-Busse mit der Bezeichnung Golden Eagle oder Silver Eagle in die USA. Die Fahrzeuge hatten ein für Europa noch nicht übliches Ausstattungsniveau.

Kässbohrer Setra S 110 H (1972)

Die erste Baureihe S 6 bis S 15 wurde bis 1967 gebaut. Die Ziffern geben jeweils die Anzahl der Sitzreihen an. 1967 folgte die Baureihe 100 mit einem deutlich kantigeren Äußeren, von der die Modelle S 80 bis S 150 und neben weiteren der Gelenkbus SG 180 auf den Markt kamen. Zum Start hatten die Fahrzeuge einzeln aufgehängte Vorderräder in Doppelquerlenkerbauweise. 1973 kamen Scheibenbremsen auf der Vorderachse in Serie, Trommelbremsen waren optional. Die Baureihe 100 wurde, wie ihre Vorgänger, mit Henschel-Dieselmotoren ausgestattet.

1972 kam der S 200 als erster der weiter entwickelten Serie auf den Markt, ausgestattet mit einem Dieselmotor 235 kW von Daimler-Benz. WC, Küche und Klimaanlage waren möglich. Die bis heute Setra-übliche Raumlüftung kam auf den Markt. Diese nutzt die natürliche Druckverteilung, die sich um einen fahrenden Bus ergibt. Oberhalb der Seitenfenster tritt die Frischluft ein. In der Höhe der Fahrertür und der vorderen Einstiegstür herrscht Unterdruck und dort wird die Luft wieder aus dem Fahrzeug geleitet. Dies ergibt einen hohen Luftdurchsatz, ohne dass es den Fahrgästen zieht.

Kässbohrer Setra S 215 HD (1981)

Ab 1976 wurde die Baureihe 200 produziert. Sie war etwas glatter gestaltet als die Vorgänger-Baureihe 100 und bekam eine ungeteilte Windschutzscheibe (außer Exportmodelle nach Übersee). Bei der Markteinführung gab es die zwei Baumuster Hochboden- und Hochdeckerbusse (als Setra Optimal) in den Ausführungen S 211 H, S 212 H, S 213 H und S 215 H sowie S 213 HD und S 215 HD. Die Hochbodenfahrzeuge (790 mm Fußbodenhöhe) waren zunächst mit Türen vor der Vorder- und hinter der Hinterachse, die Hochdecker (1040 mm Fußbodenhöhe) mit Vorder- und Mitteltür ausgestattet. Später gab es beide (längere) Versionen mit Vordertür und wahlweise mit Mittel- oder Hecktür. Später kamen noch sogenannte Superhochdecker (1360 mm Fußbodenhöhe) mit Unterflur-Cockpit (als Setra Royal) hinzu, die noch höher sind als der gewöhnliche Hochdecker und so einen großen Stauraum unter dem Fußboden bieten, der über Klappen von links und recht zugängig ist. Diese Superhochdecker haben den Namensanhang HDH oder HDS und sind Dreiachser. Der kleinste aus dieser Baureihe war der S 208 HM, der größte der Doppeldecker S 228 DT (Setra Imperial).

Kässbohrer führte als erster Nutzfahrzeughersteller 1984 serienmäßig das ABS bei Reisebussen ein. Einige Zeit konnte man Setra-Busse auch noch ohne ABS bekommen, Kässbohrer formulierte es so: „… auf Wunsch gegen Minderpreis“. Die Baureihe 200 war die variantenreichste Setra-Baureihe. Der S 215 HD wurde zu dem typischsten SETRA der ganzen Baureihe 200. Dieser Fahrzeugtyp war auch die Messlatte aller anderen Reisebusse auf dem europäischen Markt. Angetrieben wurden die 200er überwiegend mit V6-, V8- und V10-Dieselmotoren von Daimler-Benz, später mit Abgasturbolader und auch Motoren von MAN wurden angeboten. Mit der Baureihe 200 gab es wieder Fahrzeugvarianten für den US-amerikanischen Markt, erkennbar der geteilten Windschutzscheibe, ausgestattet mit Motoren von Detroit Diesel und Automatikgetrieben von Allison.

Bei der 200er Baureihe gab es auch eine einfacher ausgestattete Version als Kombibus (Setra Rational) für den Einsatz auf Linie und bei kürzeren Reisen als S 213 / 215 HR oder RL mit Linienanzeigen. Von den Reisebussen der Baureihe 200 abgeleitet wurde auch der Überlandbus S 215 UL, den es als SG 221 UL auch als Gelenkbus gab (als Setra Regional), und den Stadtbus SL 215 und SG 219 (Setra Communal). Später gab es den S 215 NR als ersten Niederflur-Regionalbus. Diese Bauweise ist heute als „Low-Entry“ bekannt (niedriger Einstieg, aber im Heck konventionell gebaut).

(Kässbohrer) Setra S 315 HD

Ein nicht zur 200er Baureihe gehörender Bus war der Ende der 1980er Jahre entwickelte dreitürige Niederflur-Stadtbus Kässbohrer Setra S 300 N mit querstehendem Heckmotor und ZF-Antriebskomponenten, der 1989 vorgestellt wurde, und die Konstruktion des fast zehn Jahre später erscheinenden Mercedes-Benz Citaro vorweg nahm. Der S 300 NC erhielt keine große Verbreitung, lediglich die EVAG in Essen und das Verkehrsunternehmen Transpole in Lille erhielten eine nennenswerte Anzahl dieser fortschrittlichen Stadtbusse. 1994 wurde die Produktion eingestellt.

Ein weiterer außergewöhnlicher Typ ist der S 216 HDS, ein Superhochdecker mit Unterflurcockpit. Wegen der geringen Stückzahlen wurde dieser Typ nur geringfügig modifiziert als S 316 HDS angeboten, während neue Baureihe 300 verkauft wurde. Der S 216 HDS war der Nachfolger des SG 221 HDS, einem Superhochdecker-Gelenkbus, mit „Wespentaille“ zwischen Vorderwagen und Nachläufer, der ein Einzelstück blieb.

Ab 1991 wurde die Baureihe 300 entwickelt. Die typischen Außenspiegel der Baureihe waren ein durchdachtes Überwachungsmerkmal: außer unmittelbar hinter dem Bus befindliches war mit dem toten Winkel vor der vorderen Stoßstange im Blick der Fahrers. Seit dem Zusammenschluss mit Daimler-Benz wurden Stadtbusse eingestellt und Setra das Segment der Überland- und Reisebusse zugewiesen. Bei Überlandbussen setzte sich die Niederflurtechnik (Typbezeichnungen „NF“) immer mehr durch.

Busse von Evobus Setra[Bearbeiten]

Setra TopClass 400 Facelift an der Nase sichtbar

Die ersten Busse der Baureihe 400 kamen 2001 auf den Markt. Sie sind in die Produktreihen MultiClass (Kombibusse), ComfortClass (Reisebusse) und TopClass (komfortablere Reisebusse, einschließlich des Doppeldeckerbusses S 431 DT) eingeteilt. Die TopClass 400 würde 2007 überarbeit.

2012 wurden die Reisebusse der ComfortClass 500 vorgestellt (S 515 HD, S 516 HD, S 517 HD), deren Karosserien für die ab 2017 geltende Norm ECE R66/01 verlängert und aerodynamisch verbessert wurden. Scheinwerfer und Scheibenwischer wurden neu entwickelt.[1]

2013 wurde mit Hochdeckern in drei Längen (S 515 HDH, S 516 HDH, S 517 HDH) der Generationswechsel auch in der TopClass begonnen und für zukünftige Festigkeits- und Abgasnormen angepasst und aerodynamisch optimiert, der Geräuschpegel im Innenraum gesenkt und die Rohbaumasse reduziert.[2]

Im türkischen Evobus-Werk wurde die Produktion der 2013 vorgestellten MultiClass 400 business aufgenommen. Dies sind einfacher ausgestattete Überlandbusse in drei Längen.[3] Das Konzept ähnelt dem im gleichen Werk gebauten Mercedes-Benz Intouro.

Produktion[Bearbeiten]

Früheres Kässbohrer-Setra-Logo

Das gesamte Spektrum an Omnibussen der Marke Setra wird in Neu-Ulm produziert. Die Karosserien und Fahrwerke werden im EvoBus-Werk Mannheim hergestellt, per Eisenbahn nach Neu-Ulm transportiert und dort montiert, lackiert und fertiggestellt. Das Werk Neu-Ulm nahm 1992 den Betrieb auf. Seit 2006 sind dort die Produktionstätigkeiten angesiedelt, die zuvor in Ulm stattfanden. Seit 2009 ist die Verwaltung in Neu-Ulm untergebracht.

Neben Setra gehört auch die Omnibussparte von Mercedes-Benz zu EvoBus, einer hundertprozentigen Tochter des Daimler-Konzerns. Die Modellreihen Integro und Travego der Marke Mercedes-Benz sind Schwesterprodukte, die in Fahrwerk und Antrieb eine Vielzahl gleicher Komponenten verwenden und ebenfalls in Neu-Ulm gefertigt werden. Die seit 2004 an das US-amerikanische Unternehmen Academy Bus ausgelieferten S 417 tragen neben dem Setra-Logo den Mercedes-Stern.

Typenbezeichnungen[Bearbeiten]

Setra-Bus S 431 DT der Autokraft im Hamburger Zentralen Omnibusbahnhof im Auftrag der Berlin Linien Bus auf dem Weg nach Berlin

Anhand der Typenbezeichnung ist die maximale Anzahl der Sitzreihen erkennbar. Bei der ersten Setra-Baureihe stand die Zahl der Sitzreihen allein. Bei der zweiten Baureihe (Baureihe 100) wurde eine 0 oder 5 angehängt, bei den folgenden Baureihen (Baureihen 200, 300 und 400) jeweils eine Ziffer vorangestellt. Beispiel: S 8 (= 8 Sitzreihen), S 140 (= 14 Sitzreihen), S 215 (= 15 Sitzreihen), S 417 (= 17 Sitzreihen) oder S 319 UL (= 19 Sitzreihen). Durch Komforteinbauten oder eine bestimmte Sterne-Klassifizierung vermindern sich die Sitzreihen; die Typenbezeichnung bleibt aber erhalten. Ab der Baureihe 200 gaben Zusätze nach der Zahl die Ausstattung an: aktuell (Baureihe 400/500) sind dies H für Hochbodenbauweise (keine Radkästen im Fahrgastraum), HD für Hochdecker, HDH für Hochdecker hoch, DT für Doppelstock-Touristikbus, GT für Reisebus (Grand Tourisme), UL für Überlandlinienbus und NF für Niederflurbus. Früher wurden außerdem HDS für Superhochdecker, SL für Stadtlinienbusse und NR (Niederflur Rational) für die ersten Überland-Niederflurbusse (200er-Reihe) verwendet. Nur wenige Typen erhielten abweichende Bezeichnungen, beispielsweise der S 250 Special (ein modifizierter S 215 HD, der auch nach Vorstellung der Baureihe 300 als Einsteigermodell weiter angeboten wurde) und der S 300 NC (ein früher Niederflur-Stadtlinienbus als ein Vorgänger des Mercedes-Benz Citaro).

Die verschiedenen Modelle der 200er Reihe trugen zu den Typbezeichnungen noch Namenszusätze, wobei zunächst die Bezeichnung „International“ (mit Zusatzbuchstaben I in der Typbezeichnung) für Reise- und Kombibusse mit vereinfachter Heizung/Lüftung verwendet wurde. Für den Linienverkehr gab es die Bezeichnungen „Communal“ und „Regional“, für Reise-Kombimodelle die Bezeichnung „Rational“. Das kurzzeitig angebotene Clubbusmodell auf Basis des S 210 H trug abweichend den Namenszusatz „Real“. Klimatisierte Hochdeckerbusse wurden standardmäßig „Optimal“, der Superhochdecker S 216 HDS „Royal“ und der Doppelstockbus S 228 DT „Imperial“ genannt. Die Exportversion des 215 HDH für den US-Markt (daran wurde später das HDH-Modell für den hiesigen Markt angelehnt) wurde als „Transcontinental“ bezeichnet. Teilweise hielten sich diese Bezeichnungen noch bei Einführung der 300er Reihe, wie für den S 328 DT, spätestens mit Einführung der 400er Reihe wurden diese Namenszusätze mit der Aufteilung in „Multi-“, „Comfort-“ und „TopClass“ aufgegeben. Die Zusatzbezeichnung „business“ tragen in der Türkei seit 2013 gefertigte Modelle mit einfacherer Ausstattung.

Aktuelle Modelle (Deutschland)[Bearbeiten]

MultiClass 400

S 412 UL, S 415 UL, S 416 UL, S 417 UL, S 419 UL

S 415 H, S 416 H

S 415 UL business, S 416 UL business, S 417 UL business

ComfortClass 500

S 515 HD, S 516 HD, S 516 HD/2, S 517 HD

TopClass 400

S 431 DT (Doppelstock)

TopClass 500

S 515 HDH, S 516 HDH, S 517 HDH

Baureihenchronik[Bearbeiten]

Jahr Typ Anmerkung
1951 Setra S 8 Eine selbsttragende Karosserie, Heckmotor und direkter Antrieb auf die Hinterachse.
1953 Setra S 10 Wurde auch als Stadtlinienbus eingesetzt
1954 Setra SP Pekol-Linienbus
1955 Setra S 6,

Setra S 10, Setra S 11, Setra Golden Eagle, Setra Silver Eagle

1958 Setra ST 110
1959 Setra S 9 / S 10 / S 12

Setra SG 165

1961 Setra S 14
1962 Setra S 12 11 Meter langer Reisebus
1963 Setra S 125
1964 5000. Setra ausgeliefert
1965 Setra S 7 und Setra S 15 S 7 ist der Nachfolger vom S 6
1967 Setra S 100, S 110, S 120, S 130 und S 150 werden vorgestellt
1968 Setra S 80 Nachfolger von S 7
1969 10000. Setra wird ausgeliefert
1971 Setra S 130 S und Setra S 140
1972 Setra S 200 erster Bus der 200er Reihe
1973 Setra SG 180 S, Setra SG 180 Ü und Setra S 140 ES Linienbusse
1975 Setra S 80 B Weiterentwicklung des S 80
1976 Setra S 211 H, S 212 H, S 213 H, S 215 H, S 213 HD und S 215 HD
1977 Setra S 209 H
1979 Setra S 208 H kurze Version der Baureihe 200
1980 Setra S 215 HDS und S 216 HDS
1981 Setra S 228 DT, S 213 HR, S 215 HR, S 213 RL, S 215 RL
1983 Setra S 215 UL, SG 221
1984 Setra S 215 SL, SG 219, S 215 HDH
1988 Setra S 215 HDH
1989 Setra S 300 NC
1991 Präsentation der 300er Baureihe, Setra S 215 NR
1992 Setra S 315, S 328 DT S 315 Bus Of The Year 1993
1993 Setra S 217 HDH
1994 Setra S 315 UL, S 315 H, S 315 GT und S 250 Special
1995 Setra S 315 NF, S 313 UL und SG 321 UL
1996 Setra S 217 HDH, S 315 NF, S 315 GT-HD
1997 Setra S 319 UL, S 315 HDH/3, S 317 HDH/3, S 316 HDS, S 319 NF
1999 Setra S 317 GT-HD
2001 Präsentation der 400er Reihe
2007 Überarbeitung der 400er TopClass
2009 Überarbeitung der 400er ComfortClass,
Einführung der Hochboden-Überlandbusse S 415 H und S 416 H
S 415 NF Bus Of The Year 2009
2010 Präsentation der neuen Sitze „Voyage“ für die TopClass und Nachfolger-Baureihe
2012 S 515 HD, S 516 HD/2, S 516 HD, S 517 HD Präsentation ComfortClass 500
2013 S 515 HDH, S 516 HDH, S 517 HDH Präsentation TopClass 500

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Mutard, Stefan Loeffler: Setra. Omnibusse seit 1951. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2001

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Setra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weltpremiere der neuen Setra Reisebusse, ATZ Online, 10. Juli 2012
  2. Einfach elegant – die Setra TopClass 500, Pressemeldung Setra, 19. August 2013
  3. SETRA: »Weniger ist mehr«, Der Rote Renner, 28. November 2013