Severinsbrücke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.93086.9678805555556Koordinaten: 50° 55′ 50,9″ N, 6° 58′ 4,4″ O

f1

B55 Severinsbrücke
 Severinsbrücke
Unterführt

Rhein

Ort Köln
Gesamtlänge 691 m
Breite 29,50 m
Längste Stützweite 302 m
Baukosten 25,3 Millionen DM
Baubeginn 1958
Fertigstellung 1959
Eröffnung 7. November 1959
Planer Fischer (GHH) u. Fritz Leonhardt, Architekt Gerd Lohmer
Lage
Severinsbrücke (Nordrhein-Westfalen)
Severinsbrücke

Die 1959 eröffnete Severinsbrücke war der erste vollständige Brückenneubau in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Schrägseilbrücke verbindet das Severinsviertel über den Rhein und den Rheinauhafen mit dem rechtsrheinischen Stadtteil Köln-Deutz sowie den innerstädtischen Autoverkehr mit den rechtsrheinischen Ringstraßen (zuerst Gotenring) und Fernverkehrsstraßen, vor allem der B 55 und der A 59. Den Stadtbahnlinien 3 und 4 steht ein besonderer Bahnkörper mit den beiderseitigen Haltestellen Severinstraße und Suevenstraße zur Verfügung.

Planung und Bau[Bearbeiten]

Severinsbrücke, 1961
Severinsbrücke bei Nacht, 2006
Panoramablick von der Severinsbrücke, 2007

Der 1956 von der Stadt beschlossene Generalverkehrsplan sah aufbauend auf den Plänen zum schon vor dem Kriege begonnenen Nord-Süd-Durchbruch, der heutigen Nord-Süd-Fahrt, zwei neu zu bauende Rheinbrücken vor. Die Severinsbrücke war nach dem Wiederaufbau oder Neubau von fünf Kölner Rheinbrücken der erste neue Brückenstandort. Bei der Bauvorbereitung geschah am 26. September 1956 ein Unfall, als der Senkkasten für die Gründung des Brückenpfeilers in Schieflage geriet und fünf Arbeiter dabei tödlich verletzt wurden.[1]

Die Brücke wurde ab 1958/1959 nach den Plänen der Gutehoffnungshütte und des Kölner Brückenbau-Architekten Gerd Lohmer gebaut, die aufgrund der Vorschläge des renommierten Brückenbau-Ingenieurs Fritz Leonhardt geändert worden waren.[2] Am 7. November 1959 wurde sie in Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer eingeweiht. Das besondere an der Brücke ist, dass sie mit nur einem asymmetrisch gestellten A-förmigen Pylon auskommt, an dem der Brückenkörper mit Stahlseilen aufgehängt ist. Nur so blieb der Deutzer Hafen auch weiterhin für Küstenmotorschiffe nutzbar. Wie die anderen städtischen Brücken ist sie im Kölner Brückengrün gestrichen.

Das Bauwerk erhielt 1967 nicht zuletzt wegen der innovativen Konstruktion den Kölner Architekturpreis.

Konstruktion[Bearbeiten]

Oktober-Brücke in Tscherepowez, Russland
Kölner Architekturpreis 1967

Die Severinsbrücke ist eine seilverspannte Balkenbrücke mit 691 Metern Länge und 29,50 Metern Breite. Die größte Stützweite ist 302 m lang. Der Pylon ragt 77,2 m über das Brückenfundament hinaus. Insgesamt wurden 8.300 Tonnen Stahl verbaut. Die Baukosten betrugen 25,3 Millionen D-Mark. Bei ihrer Eröffnung war sie die Schrägseilbrücke mit der längsten Hauptspannweite der Welt[3] und die erste mit einem A-förmigen Pylon.

Durch die besondere Steifigkeit der Konstruktion konnten auch Straßenbahnen auf Rillenschienen über die Brücke fahren. Seit dem Umbau von 1979/1980 fahren die Stadtbahnen vom Neumarkt nach Deutz/Messe auf einem eigenen Gleiskörper über die Brücke. Die Oktober-Brücke (Октябрьский мост (Череповец)) in Tscherepowez(Череповец), (Russland) ist eine Kopie der Severinsbrücke.

Kunst auf der Brücke[Bearbeiten]

Zur Jahreswende 1996/1997 wurde auf dem Pylon der Severinsbrücke eine Kunstinstallation des Kölner Aktionskünstlers HA Schult aus Neonleuchten montiert. Diese war eine Weltkugel, welche aber nicht massiv, sondern nach den Mustern von Längen- und Breitengraden nur eine filigrane Gitterkonstruktion war, auf welcher eben genannte Neonleuchten in Form der Kontinente in verschiedenen Farben angebracht waren. Zusätzlich ragte aus dem Standort Kölns auf der Weltkugel als einziger Auswuchs der Kugel eine rot leuchtende Neonfigur in einer euphorischen Pose hervor.

Die für wenige Monate geplante Kunstinstallation wurde trotz kontroverser öffentlicher Diskussion verlängert. Am 15. Oktober 2000[4] wurde die konstruktiv überarbeitete Weltkugel mit einem Hubschrauber von der Severinsbrücke zum heutigen Standort auf dem Dach des linksrheinisch neben der Zoobrücke gelegenen Gebäudes der DEVK-Zentrale geflogen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Foto vom Unfall durch Ulrich Hermanns
  2. Fritz Leonhardt: Baumeister in einer umwälzenden Zeit. Erinnerungen. 2. Aufl. Dt. Verl.-Anst., Stuttgart 1998, ISBN 3-421-02815-X, S. 130
  3. Google-books Sven Ewert: Brücken: die Entwicklung der Spannweiten und Systeme, Ernst und Sohn, Berlin 2003 S. 167
  4. "Weltkugel des Kölner Künstlers HA Schult zieht zur Zentrale der DEVK" Pressemitteilung vom 22. September 2000