Sexindustrie

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Sexshop in Paris

Die Sexindustrie ist ein Geschäftsbereich, in dem Waren und Dienstleistungen für den Bereich der Sexualität produziert und angeboten werden. Eine genaue Definition dieses Industriezweiges ist nur schwer vorzunehmen[1] und der Begriff wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich genutzt. Zu den Beschäftigten in diesen Bereichen zählen die Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter.

Definition[Bearbeiten]

Der Ausschuss für die Rechte der Frau und Chancengleichheit des Europäischen Parlaments definiert in seinem „Bericht über die Konsequenzen der Sexindustrie in der Europäischen Union die Sexindustrie“ aus dem Jahre 2004 als „Tätigkeiten, die darauf abzielen auf legale oder illegale Weise sexuelle Dienste/Produkte in organisierter Form zu vermarkten und/oder zu verkaufen und Menschen – ob Kinder, Frauen oder Männer – zu Profitzwecken sexuell auszubeuten“; dazu wird auch die organisierte Prostitution – beispielsweise Eskortservice, Call-Girls, das Betreiben von Bordellen, Straßenprostitution, Internetprostitution, Massageinstitute, Stripklubs, Telefonsex, Ehevermittlungen, Sextourismus, Pornografie und Erotikmessen gezählt.[2]

Umfang[Bearbeiten]

Die Sexindustrie mit ihren Angeboten war eine der treibendsten Kräfte bei der Entwicklung des Internets und macht weiterhin einen großen Teil des weltweiten Übertragungsvolumens aus.[3] Von 252 Millionen £, die im Jahr 2001 durch europäische Internetbenutzer ausgegeben wurden, gingen 70% an Seiten mit pornografischem Inhalt.[2]

Deutschland[Bearbeiten]

Die Bundesregierung schätzt die Zahl der Menschen, die in Deutschland in der Prostitution arbeiten auf etwa 400.000. Ihre Dienstleistungen werden täglich von bis zu 1,2 Millionen Kunden in Anspruch genommen. Der Umsatz im Bereich der Prostitution beläuft sich auf geschätzte 14,5 Milliarden Euro jährlich.[4]

In Deutschland erscheinen monatlich mehr als tausend Porno-DVDs; der Umsatz mit Pornofilmen wurde 2007 auf etwa 800 Millionen Euro jährlich geschätzt.[5]

Über das Gesamtausmaß und die Gewinne der Sexindustrie in Deutschland existieren jedoch keine offiziellen bundesdeutschen Zahlen.[1]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten werden insbesondere im San Fernando Valley Pornos erstellt, die pro Jahr 12 Mrd. Euro einbringen.[6]

Kritik[Bearbeiten]

Inna Shevchenko, Sprecherin der ukrainischen Frauenrechtsbewegung Femen, kritisierte vor dem Hintergrund der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine:[7] „Die Sexindustrie funktioniert nach dem Vorbild der Fast Food-Industrie, es ist billig, leicht verfügbar und überall erhältlich.“

Problematisch sind sexuelle Ausbeutung, Pornografie, Prostitution von und der Handel mit Kindern, Heranwachsenden und jungen Erwachsenen. Der Europarat verabschiedete 2007 ein Übereinkommen zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch.[8] Der Menschenhandel zur Zwangsprostitution bringt jährlich 32 Milliarden US-Dollar Profit ein und umfasst 2,4 Millionen geschleppte Personen, davon 140.000 Fälle in Europa.[9] Die Welt-Aids-Konferenz kritisierte, dass ungeschützter Geschlechtsverkehr in der Sexindustrie die Zahl der Aids-Erkrankungen erhöhe.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Rahel Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz - eine rechtspolitische Untersuchung. 2010 (online).
  2. a b Ausschuss für die Rechte der Frau und Chancengleichheit des Europäischen Parlaments: Bericht über die Konsequenzen der Sexindustrie in der Europäischen Union, online
  3. MailOnline, 2012 (online)
  4. http://www.sw.fh-jena.de/dat/publikationen/Schriftenreihe_2_Prostitution.pdf
  5. Spiegel (online)
  6. Wo die US-Sexindustrie Milliarden verdient
  7. euraktiv.de (online)
  8. Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch. (online)
  9. Zwangsprostitution: Sexindustrie boomt
  10. Weltaidskonferenz in Washington beschäftigt sich mit Sexindustrie