Sexuelle Aufklärung

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Eine Postkarte aus dem frühen 20. Jahrhundert illustriert das Problem ungewollter Schwangerschaft
Obelisk in Buenos Aires (Argentinien), anlässlich des Welt-AIDS-Tags 2005 als Kondom dekoriert.

Sexuelle Aufklärung oderSexualaufklärung ist die Weitergabe von Informationen über Sexualität an Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, die in eine zum jeweiligen Zeitpunkt als hinreichend empfundene Sicht auf die menschliche Sexualität mündet. Geschieht sexuelle Aufklärung aktiv und zielgerichtet, dann meist mit der Absicht, ihren Empfänger zu einer Form der Ausübung des angeborenen Sexualtriebs zu führen, die in dem jeweiligen Kulturkreis und in dessen vorherrschenden Sexualmoral als richtig empfunden wird.

Inhalte[Bearbeiten]

Die Sexualaufklärung bezieht sich im Wesentlichen auf folgende Themen:

Jugendliche brauchen Platz für ihre sexuelle Entwicklung und durchleben einen konfliktreichen Ablösungsprozess in der Familie. Sie streiten mit den Eltern um die sexuellen Freiheiten und Entwicklungen, die sie gegenseitig akzeptieren können. Die Kindheit im Elternhaus geht zu Ende und sie suchen ihre neue Frauen- oder Männerrolle. Im Verlauf der Pubertät empfinden beinahe alle Jugendlichen eine körperliche Anziehung zum eigenen Geschlecht, ohne deshalb homosexuell zu sein. Es ist bedeutsam, wie sie mit all den Verunsicherungen umgehen, den neuen und verunsichernden Erfahrungen und Empfindungen, Aufregungen, Ängsten, Wünschen und Sehnsüchten, erster Verliebtheit mit vorsichtigen Annäherungen, Zärtlichkeiten, den ersten sexuellen Berührungen. Mädchen und Jungen erleben die Veränderungen ihres Körpers in der Pubertät, die erste Regel, das Auf und Ab der Gefühle zwischen Euphorie und Depression, die vorsichtigen Schwärmereien und die Entdeckung der Lust am eigenen Körper, sexuellen Phantasien und Masturbation. Ohne eine altersentsprechende Aufklärung stellt all das eine große Verunsicherung dar.[1]

Sexualaufklärung findet in Grundschulen in der Regel im Rahmen des Sachkundeunterrichts, in höheren Schulen in der Regel im Rahmen des Biologie-Unterrichts statt.

Kulturelle Entwicklung[Bearbeiten]

Noch in den 1950er Jahren war die menschliche Sexualität ein öffentliches Tabuthema. Abbildungen in Schulbüchern zeigten den Menschen meist als geschlechtsloses Wesen. Sexualität von Frauen wurde unmittelbar mit Ehe, Schwangerschaft und Mutterschaft verknüpft. Frauen, die schwanger wurden, ohne verheiratet zu sein, wurden gesellschaftlich geächtet.

In den 1960er Jahren kam es unter anderem durch die Antibabypille zu einer Gegenbewegung, der so genannten Sexwelle. Die Studentenbewegung propagierte die freie Liebe nach dem Motto: „Make love not war!“.

Bundesgesundheitsministerin Käte Strobel brachte den ersten Sexualkunde-Atlas heraus, befürwortete die Einnahme der Antibabypille und zeichnete auch für den ersten Aufklärungsfilm Helga (1967) mitverantwortlich. Es folgten die Aufklärungsfilme des selbsternannten Aufklärers der Nation Oswalt Kolle. Nach und nach zog auch die Sexualkunde als Fach in die Schulen ein. Auch Jugendzeitschriften wie BRAVO mit ihrer Dr.-Sommer-Redaktion und andere Magazine beantworteten Fragen zur Sexualität. Bekannte Personen der sexuellen Aufklärung im 20. Jahrhundert waren weiterhin Beate Uhse, Shere Hite (mit dem Hite Report), Masters und Johnson und Alfred Charles Kinsey mit dem Kinsey-Report.

Situation heute[Bearbeiten]

Heute ist die sexuelle Aufklärung kein Tabuthema mehr. Der Aufklärungsunterricht im Rahmen der Menschenkunde ist sozialpädagogisch ein obligatorischer und wesentlicher Bestandteil des Schulfaches Biologie.

Bei der Aufklärung stehen oft Gefahren, wie ungewollte Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten und sexuelle Übergriffe im Vordergrund.

HIV/AIDS[Bearbeiten]

Sexualaufklärung ist ein wesentliches Element im Kampf gegen HIV/AIDS, ganz besonders unter Analphabeten in den Entwicklungsländern. Total Control of the Epidemic ist eine länderweite Kampagne der Nichtregierungsorganisation Humana People to People zur Aufklärung vor allem der ländlichen Bevölkerung in unentwickelten Gebieten. In Besuchen von ausgebildeten Einheimischen, „field officers“, von Haus zu Haus und Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz während jeweils dreier Jahre wurden seit Anfang 2000 bisher 300.000 Menschen in Simbabwe, 200.000 in Mosambik, 900.000 in Botswana und 100.000 in Südafrika erreicht, Ende 2006 insgesamt 4,8 Millionen Menschen in 50 Gebieten des südlichen Afrika. Weitere Gebiete in Namibia, Angola, Sambia und Indien sind in Arbeit.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schule.de
  2. Einführung in TCE (Englisch)