Sexualethik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die Sexualethik ist ein Teilbereich der Ethik, der sich mit dem Geschlechtsverhalten des Menschen und dessen Beurteilung beschäftigt. Dabei erfolgt die Beurteilung anhand von sozialen Normen und Wertvorstellungen, die ebenso vom Volk und von der Kultur wie auch von der Gesellschaft und ihrer Epoche abhängig sind. Als Folge des vermehrten kulturellen Austauschs in der Neuzeit gibt es eine neue Vielfalt von Wertvorstellungen gegenüber der menschlichen Sexualität.

Wichtige Themen der Sexualethik sind Leihmutterschaft, Adoption und Konkubinat, Sexualtherapie sowie Auto-, Hetero- und Homosexualität.

Religiöse Sexualethik[Bearbeiten]

Christliche Sexualethik[Bearbeiten]

Im Allgemeinen beansprucht das Christentum in seinen unterschiedlichen Strömungen, dass die Moral der westlichen Gesellschaft durch den christlichen Glauben auf Grundlage des neutestamentarischen Verständnisses des Alten Testaments heraus geprägt sei; dies gilt aber nur sehr eingeschränkt für die westliche Sexualethik.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Das Christentum bediente sich in neutestamentarischer Zeit im Bereich der moralischen Verbote an seinem Verständnis des so genannten mosaischen Gesetzes. Geschlechtsverkehr von Unverheirateten, Ehebruch, Inzest und Homosexualität galten für Christen als nicht akzeptables Verhalten. Die Gebote bezüglich kultischer Reinheit spielten für Christen jedoch keine Rolle mehr. Neu war im Heidenchristentum schon früh eine Wertschätzung der Ehelosigkeit, um sich Gott besonders zur Verfügung stellen zu können, etwas, das im Urchristentum oder im Judenchristentum so nicht bekannt war. Ebenso war neu, dass nicht nur die tatsächliche sexuelle Handlung, sondern auch das gezielte Denken an eine verbotene sexuelle Handlung als Fehlverhalten gewertet wurde. Ebenso wurde Wiederheirat nach einer Scheidung als Ehebruch angesehen.

Abtreibung ist im Neuen Testament nicht erwähnt, wurde aber von den Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte durchgehend abgelehnt. Im Verlauf der Kirchengeschichte wurden die alt- und neutestamentlichen Gebote unterschiedlich stark betont und Verstöße unterschiedlich konsequent verurteilt. In der römisch-katholischen Kirche entwickelten sich zusätzliche Regeln, die nicht direkt in der Bibel aufgeführt sind, z. B. der Zölibat von Priestern und das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung.

Heute[Bearbeiten]

Praktisch alle evangelischen sowie orthodox-christlichen Kirchen lehnen Ehebruch, Promiskuität und Pornographie ab. Bei manchen Fragen der Sexualethik liegen die Meinungen bzw. Überzeugungen dagegen weit auseinander.

Konservative Christen aller Konfessionen halten sich auch heute noch weitgehend an die Sexualethik, die in der Zeit des Neuen Testaments herrschte, und lesen das Neue Testament nicht bloß als beschreibendes, sondern als ein vorschreibendes Werk. Dies betrifft sowohl die Ehe (Eph 5,21–33 EU) als auch die Ehelosigkeit (1 Kor 7,32–35 EU), die durch die Beziehung zu Christus eine tiefere, religiöse Bedeutung erlangen; aber auch die Rolle der Frau, die dadurch von einem patriarchalen Frauenbild geprägt ist (1 Tim 2,8–15 EU). Liberale Christen berücksichtigen in ihrer Sexualethik stärker die Motivationen der Handelnden und lassen diese im Hinblick auf Evangelische Freiheit gegenüber das Liebesgebot wiegen. Einen Gesetzeskodex sehen sie im Neuen Testament nicht. In diesem Zusammenhang ist auch die feministische Theologie zu sehen, die eine wörtliche Auslegung/Exegese der biblischen Sexualethik als patriarchal ablehnt.

Sexualethik im Judentum[Bearbeiten]

Der Sexualität wird im Judentum seit Alters her gänzlich ohne die sündhafte Anhaftung christlicher Sexualmoral ethischer ganzheitlicher Ausdruck verliehen. Sexualität wird im Judentum eindeutig bejaht und positiv konnotiert, dies gilt heute, mit Einschränkungen, auch für homosexuelle Juden. Dies ist positiv für die psychische Sexualhygiene.

Rituelle Unreinheit[Bearbeiten]

Die jüdische Religion geht vom Gebot der kultischen oder rituellen Reinheit aus. Rituelle Unreinheit im religiösen jüdischen Sinne ist weder mit Sünde, im jüdischen Verständnis, noch mit physikalischer Verschmutzung gleichzusetzen. Die kultische Reinheit kann auch ohne bewusstes Handeln verlorengehen, etwa durch Samenerguss, Geburt, Berührung eines Toten oder durch Menstruation. Ebenso wird jemand im religiösen rituellen jüdischen Sinne unrein, der z. B. eine menstruierende Frau berührt, da in ihr ein Absterbeprozess stattgefunden hat. Daher führt auch der Geschlechtsakt während der Menstruation zum Zustand der Unreinheit.[1] Sie können durch Akte der rituellen Reinigung, etwa in einer Mikwe, aufgehoben werden.

Sexualethische Gebote[Bearbeiten]

Neben dem Aspekt der rituellen Reinheit gibt es sexualethische Gebote im Judentum. Einerseits gibt es negative sexualethische Gebote, z. B. Verbote sexueller Handlungen, die in jüdischen Schriften eindeutig als Fehlverhalten bezeichnet werden, wie z. B. Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe.[2] Aufgrund ihrer Interpretation dieser Schriften werten orthodoxe Juden praktizierte sexuelle männliche Homosexualität als schwere Unreinheit. Im konservativen und im liberalen Judentum werden die Mitzwot im Gegensatz zum orthodoxen Judentum freier, moderner und erleichtert ausgelegt und beachtet. So sind beispielsweise im Reformjudentum Segnung gleichgeschlechtlicher Paare für Homosexuelle generell zugelassen, im konservativen Judentum teilweise. Andererseits gibt es positive sexualethische Gebote, Aufforderungen zum Sex in der Ehe und besonders die Pflicht zur Beachtung und Befriedigung der weiblichen Sexualität durch den Ehemann.

Sexualhygiene[Bearbeiten]

Das gezielte Denken an eine verbotene sexuelle Handlung wird nicht als sündig angesehen, sondern nur das eventuell praktizierte tatsächliche sexuelle Fehlverhalten. Dies kommt der psychischen Sexualhygiene der jüdischen Männer, Frauen und Jugendlichen zugute.

Muslimische Sexualethik[Bearbeiten]

Die Handhabung von Themen im Bereich der Sexualethik variiert im Islam sehr stark nach Geographie und Gesellschaftsschicht. Im Allgemeinen gilt die Ehe als Manifestation des Göttlichen Willens. Die islamische Tradition bezeichnet sie als essenziell und erachtet Ehelosigkeit als eine üble Gegebenheit, die voll Bösem ist. Im Islam ist der Oralverkehr grundsätzlich explizit nicht verboten, wird jedoch von vielen Islamischen Gelehrten als dem Naturell des Menschen zuwider betrachtet. Daher ist das Ejakulieren in den Mund verboten (haram). Analverkehr ist bei den Sunniten verboten (haram), bei den Schiiten dagegen makruh (erlaubt, aber verpönt).

Buddhistische Sexualethik[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den meisten anderen Glaubensrichtungen, spielt die Sexualethik im Buddhismus keine so wichtige Rolle in der Vermittlung von Werten. Trotzdem gibt es auch hier klare moralische Vorstellungen. Sie ergeben sich aus den fünf Grundsätzen:

  1. Vermeide es, anderen Lebensformen zu schaden – sei liebevoll und freundlich
  2. Vermeide es, das nicht Gegebene zu nehmen – praktiziere Großzügigkeit
  3. Vermeide es, sexuellen Ehebruch zu begehen – sei zufrieden
  4. Vermeide es, zu lügen – sei ehrlich
  5. Vermeide es, Dich zu berauschen – sei aufmerksam

Obzwar der Buddha in den Pali Schriften nur Ehebruch als sexuelles Fehlverhalten definierte, haben spätere buddhistische Kommentatoren, wie Vasubandhu und Tsongkhapa, sexuelles Fehlverhalten u.a. damit definiert, dass auch Geschlechtsverkehr durch Anus und Mund "sexuelles Fehlverhalten" seien. Der Dalai Lama hatte in seinem Buch Jenseits des Dogmas buddhistische Regeln zitiert, denengemäß homosexuelle Sexualpraktiken als unkorrektes Verhalten eingestuft werden. Der Dalai Lama bezieht sich in seinen Aussagen zur Homosexualität auf diese beiden Autoren. Allerdings sieht er "die Möglichkeit, diese Regeln im Kontext von Zeit, Kultur und Gesellschaft zu verstehen. […] Wenn Homosexualität zu den (heute) akzeptierten Normen gehört, ist es möglich, dass es akzeptabel sein könnte.“ Diese Aussagen traf er bei einem Treffen zu diesem Thema mit einer Gruppe homosexueller Buddhisten am 11. Juni 1997 in San Francisco.[3] Steve Blame berichtet über die Ansicht des Dalai Lama: "Er fände nichts Schlimmes an Homosexualität, sagte er. Es ginge doch um die Qualität der Liebe, nicht um ihre Orientierung. Außerdem sei es für ihn eine Grundregel, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Egal, um was es dabei geht."[4]

Für buddhistische Mönche und Nonnen wird durch die Vinaya jegliche Form von Geschlechtsverkehr untersagt.

Entwicklung der Sexualethik in Europa[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Im westeuropäischen Raum hat die Sexualethik der katholischen, später auch anderer christlicher Kirchen weite Bereiche des Zusammenlebens seit dem Beginn des Mittelalters über Jahrhunderte dominiert. Freude an der Sexualität galt als Sünde; lediglich Heterosexualität, ausgelebt zum Zwecke der Zeugung und Fortpflanzung und eingebunden in die Institution der christlichen Ehe, wurde moralisch befürwortet und gefördert. Die Menge an entsprechenden Predigten, Aufrufen, Schriften etc. legt allerdings nahe, dass die Praxis anders ausgesehen haben mag.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Bis ins 17. Jahrhundert herrschte in Mitteleuropa eine bejahende Einstellung zur Sexualität vor, erste große Einschnitte gab es durch die Pestepidemien und die Syphilis. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Wahrnehmung der Sexualität zum einen durch die sich immer stärker durchsetzende bürgerliche und protestantische Sexualmoral, und zum anderen die sich verändernde Beurteilung verschiedener Verhaltensweisen, auch sexueller Art, als „krank“ im Gegensatz zu „sündig“. So setzte sich zum Beispiel in der Medizin die Ansicht durch, Selbstbefriedigung sei schädlich. Dieses Argument griffen die Kirchen wiederum auf, um diese (und andere) Formen der Sexualität zu bekämpfen. Auch kindliche Sexualität wurde nicht mehr geduldet.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die fortschreitende Säkularisierung der westlichen Welt verdrängte die Kirche als Moralinstanz. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich auch in der Medizin zunehmend die Sichtweise durch, dass nicht jedes „andere“ Ausleben von Sexualität, also alles, was nicht direkt zur Fortpflanzung beitrug, zwangsläufig schädlich sein müsse. Sexuelle Identitäten und Verhaltensweisen, die einst abgelehnt wurden, finden seither zunehmend Akzeptanz:

Derartige Veränderungen in der gesellschaftlichen Moral bis hin zur sexuellen Revolution lassen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Tabuisierung des Sexuellen oft noch bis heute wirksam geblieben ist. Ein Indiz hierfür ist der öffentlich „zelebrierte“ sexuelle Tabubruch in westlichen Massenmedien, wie z. B. im Fernsehen. Ein weiteres typisches Phänomen des Umbruchs im Wertesystem ist die Doppelmoral, also das Auseinanderklaffen der allgemein eingeforderten Normen und Werte mit dem, was im nichtöffentlichen Raum toleriert wird.

Moderne Sexualethik[Bearbeiten]

Die wissenschaftlichen Errungenschaften im Bereich der Empfängnisverhütung (Kondom, Diaphragma, Spirale, Anti-Baby-Pille) gab den Menschen die Möglichkeit, bewusst ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Aufgrund der Bevölkerungsexplosion vor allem in den Entwicklungsländern und der drohenden Überbevölkerung wurde die gezielte Verhütung vielerorts gutgeheißen und gefördert.

John Stuart Mill formulierte 1859 einen Satz, der die moderne Sexualethik wesentlich mitgestaltete: „Der einzige Grund, aus dem Gewalt gegen ein Mitglied der Gesellschaft gegen dessen Willen und Recht ausgeübt werden kann, ist der Schutz anderer vor Schaden. Sein eigenes – körperliches oder moralisches – Wohlergehen ist keine hinreichende Rechtfertigung. Jeder Mensch ist treuer Hüter seiner eigenen – körperlichen, geistigen oder seelischen – Gesundheit.“ Dies stand in starkem Widerspruch zur damals geltenden, westlichen Moral, in der auch die Entscheidungen über das eigene Wohlergehen in die Hände religiöser und politischer Obrigkeiten gegeben worden waren.

Generell gibt es drei moralische „Mindestregeln“ für die Sexualität, die in weiten Bereichen westlicher Gesellschaften toleriert beziehungsweise akzeptiert sind:

  • Die sexuellen Handlungen werden von den Sexualpartnern einvernehmlich vorgenommen, das heißt jeder Partner stimmt diesen Handlungen in freier Entscheidung (ohne Zwang) und im vollen Bewusstsein der Konsequenzen zu.
  • Durch die sexuelle Betätigung sollten keine bleibenden körperlichen oder seelischen Schäden hervorgerufen werden.
  • Durch die sexuelle Betätigung sollten nur dann Kinder gezeugt werden, wenn man für sie die Verantwortung bis zur Selbständigkeit zu übernehmen im Stande ist.

Sexualethik im Kulturvergleich[Bearbeiten]

Im Vergleich verschiedener Kulturen und Gesellschaften offeriert die allgemein anerkannte Sexualmoral einen offeneren Umgang mit Sexualität, in anderen ist sie dagegen deutlich strenger als im europäischen Raum.

So gibt es normative Unterschiede, beispielsweise zu folgenden Teilaspekten:

„Universelle Normen“, die für alle Gesellschaften und Kulturen gelten, gibt es nicht. Einige Normen gelten kultur- und gesellschaftsübergreifend weitgehend übereinstimmend:

Diese Normen werden manchmal unter speziellen Riten (Religion) oder gegenüber Menschen, die als niederer oder nicht als Teil der Gesellschaft angesehen werden (Geächtete, Kriegsgegner), missachtet.

BDSM[Bearbeiten]

Eine widersprüchliche Sonderrolle spielt BDSM, das auf Einvernehmlichkeit der beteiligten Partner basiert. Hierbei nimmt einerseits die gesellschaftliche Akzeptanz sadomasochistischer Verhaltensweisen in westlichen und einigen asiatischen Gesellschaften seit einigen Jahrzehnten zu und sadomasochistische Symbole werden verstärkt von Künstlern, Film, Literatur, Musik und Werbung aufgenommen. Andererseits geraten Menschen, die BDSM praktizieren, in vielen Ländern nach wie vor in den Blickpunkt unterschiedlichster Gesetzgebungen, Boulevardmedien und „anti-pornografischer“ Feministinnen.

Seitens der Religionsgemeinschaften gibt es gegenwärtig keine klaren Aussagen zu sadomasochistischen Praktiken, die in Einvernehmlichkeit praktiziert werden.

Die rechtliche Beurteilung von BDSM unterscheidet sich international sehr stark. In Deutschland, den Niederlanden, in Japan und in den skandinavischen Ländern stellen diese Praktiken grundsätzlich keine Straftat dar. In Österreich gibt es keine gefestigte Rechtslage, während in der Schweiz BDSM-Praktiken teilweise strafbar sein können. Im Rahmen des Spanner Case urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte jedoch am 19. Februar 1997 in Case of Laskey, Jaggard and Brown v. The United Kingdom; (109/1995/615/703-705) February 1997, dass jeder Staat der EU eigene Gesetze gegen Körperverletzung erlassen darf, unabhängig davon, ob die Körperverletzung einvernehmlich ist oder nicht.

In der Schweiz ist der Besitz von „Gegenständen oder Vorführungen […], die sexuelle Handlungen mit Gewalttätigkeiten zum Inhalt haben“ seit der Verschärfung des Schweizerischen Strafgesetzbuches Art. 135 und 197 am 1. April 2002 strafbar. Dieses Gesetz kommt einer pauschalen Kriminalisierung von Sadomasochisten nahe, da bei fast jedem Sadomasochisten Medien zu finden sind, die diesen Kriterien entsprechen.

In Deutschland setzt die von der Feministin Alice Schwarzer herausgegebene Zeitschrift EMMA ihre „PorNO-Kampagne gegen Frauenhass und Gewaltpornographie“ fort. In ihr vertritt Schwarzer unter anderem die Auffassung, dass sado-masochistische Praktiken generell mit verurteilenswerter Gewalt gegenüber Frauen gleichzusetzen sind und Pornographie generell der „Propagierung und Realisierung von Frauenerniedrigung und Frauenverachtung“ dient.

Generell wird die ideengeschichtlich aus den 1960er Jahren stammende Vorstellung, dass der Hauptzweck jeder Pornografie nicht die sexuelle Erregung des Betrachters, sondern die Unterdrückung der Frau sei, von Kritikern der Kampagne, unter anderem unter Hinweis auf homosexuelle Pornografie im Allgemeinen und lesbische BDSM-Pornographie im Besonderen in Frage gestellt. Schwarzers Argumentation folgt einer Entwicklung, die vor mehreren Jahrzehnten in den USA begann (vgl. Samois) und dort seitdem zwischen verschiedenen Feministinnen unter der Bezeichnung „Feminist Sex Wars“ erbittert um die Legitimität von Pornografie und BDSM ausgefochten wird.

Schwarzers bekannteste Aussage in diesem Zusammenhang wurde erstmals in EMMA Heft 2, 1991 veröffentlicht:

„Weiblicher Masochismus ist Kollaboration!“

Die Existenz weiblich-dominanter Sadomasochisten wird durch die Thesen Schwarzers genauso wenig aufgegriffen und anerkannt wie der auch bei der Herstellung sadomasochistischer Materialien essentielle Grundsatz des „Safe, Sane, Consensual“.

Befürworterinnen aus den Reihen des Sex-positiven Feminismus wie Pat Califia und Gayle Rubin argumentieren, dass dieser Typ feministischer Kritik an Pornografie traditionelle normative Vorstellungen von Sexualität reproduziere, nach denen – gleich einem Dominoeffekt – jegliche Toleranz gegenüber mehr oder weniger von der Norm abweichenden Sexualitätsformen zu katastrophalen gesellschaftlichen Wirkungen führe. Gayle Rubin fasste den zugrundeliegenden Konflikt über das Thema „Sex“ innerhalb des Feminismus später wie folgt zusammen:

„Es gab zwei Richtungen feministischen Gedankengutes zu dem Thema. Die eine kritisierte die Beschränkung des weiblichen Sexualverhaltens und verwies auf den hohen Preis für das sexuelle Aktivsein. Diese Tradition feministischer Gedanken zum Thema Sex forderte eine sexuelle Befreiung die sowohl für Frauen als auch für Männer funktionieren sollte.
Die zweite Richtung betrachtete die sexuelle Befreiung als inhärent bloße Ausweitung männlicher Vorrechte. In dieser Tradition schwingt der konservative antisexuelle Diskurs mit.“[5]

Seit 1987 sind in Deutschland mehrere Anläufe zu einer entsprechenden Gesetzesinitiative gescheitert.

Nichteinvernehmliche Praktiken[Bearbeiten]

Weitgehende Übereinstimmung gibt es bei der Ablehnung von Kindesmissbrauch, Inzest und nichteinvernehmlichem Sadismus. Diese Sexualformen sind oft gesellschaftlich geächtet, mit einem Tabu belegt und werden nicht als Teil einer akzeptierten Sexualität, sondern als Devianz betrachtet.

Strafrechtlich verfolgt werden in vielen Gesellschaften sexuelle Handlungen gegen den Willen eines Beteiligten, also Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Gleiches gilt für sexuelle Handlungen mit Partnern wie Kindern (sexueller Missbrauch von Kindern) und Tieren (siehe Zoophilie, „Sodomie“), von denen man annimmt, dass sie nicht wissentlich einwilligen können. In (West-)Deutschland wurde das Verbot sexueller Handlungen mit Tieren 1969 durch die Große Strafrechtsreform aufgehoben.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Levitikus 15 EU
  2. Levitikus 18 EU
  3. Die buddhistische Sexual-Ethik überdenken von José Ignacio Cabezón, Tibet und Buddhismus Nr. 107, 4/2013, S. 36–40
  4. Treffen mit dem Dalai Lama "Er hat die ganze Zeit gekichert" MTV-Moderator Steve Blame
  5. Übersetzt nach: Gayle Rubin: Thinking Sex: Notes for a Radical Theory of the Politics of Sexuality; in Carole S. Vance (Hrsg.): Pleasure and Danger: exploring female sexuality; Boston: Routledge & Kegan Paul, 1984; ISBN 0-04-440867-6; S. 267–319.