Shahtoosh

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Tuch aus Shahtoosh
Shahtoosh wird von der gefährdeten Tibetantilope gewonnen; für das Fell, aus dem der Shahtoosh hergestellt wird, werden die Tiere getötet

Shahtoosh, auch als Shatush oder im deutschsprachigen Bereich gelegentlich als Königswolle bezeichnet, ist eine Wolle, die aus dem Fell des gefährdeten Tschiru (Pantholops hodgsonii), auch Tibetantilope genannt, illegal gewonnen wird. Dabei werden die Tiere getötet.

Die Wolle wird meist zu luxuriösen Schals verarbeitet, die – als Ersatz für die mittlerweile verpönten Pelze – als Statussymbole gelten, obwohl die Produktion, der Verkauf und Erwerb von Shatush illegal sind.

Herstellung[Bearbeiten]

Die unter Artenschutz stehenden wild lebenden Tiere werden für die illegale Herstellung von Textilien getötet, um an das besonders feine wärmende Wollhaar des Unterfells zu gelangen. Der durchschnittliche Faserdurchmesser beträgt 11,45 Mikrometer mit einer Standardabweichung von 1,78 Mikrometern und einem Variationskoeffizient von 15,55 %.[1] Somit ist das Wollhaar des Tschiru das feinste aller tierischen Haare. Allein für einen Schal wird die Wolle von drei bis fünf Tieren benötigt, da jedes Tschiru nur etwa 150 Gramm der rohen Wolle produziert. Deshalb sank die Population von etwa einer Million in den 1950er Jahren drastisch auf geschätzte 75.000 heutzutage. Tschirus zählen zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. Der Handel ist zwar bereits seit 1977 verboten, doch es verdienen noch immer ca 30.000 Menschen – darunter auch Kinder in den Webereien – mit der illegalen Herstellung ihren Lebensunterhalt. So werden geschätzte 20.000 Tiere jährlich gejagt und getötet.

Obwohl es seit 1975 illegal ist, Shatush zu verkaufen oder zu besitzen, gab es einen umfangreichen Schwarzmarkthandel mit Shahtoosh während der gesamten 1990er Jahre, und die Schals wurden pro Stück für umgerechnet € 12.000 verkauft.

Strafverfolgung[Bearbeiten]

Eine Razzia bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung 1994 in New York durch den United States Fish and Wildlife Service führte zur Vorladung von Supermodels und Prominenten, die die Schals kauften, sowie zu ersten Strafverfahren für den Verkauf dieses „Stoffes“. Im April 2000 verfolgten britische Behörden eine Handelsfirma aus London strafrechtlich wegen des illegalen Besitzes von 138 Schals – was 1000 Antilopenhäuten entspricht. Trotz einiger erfolgreicher Festnahmen von illegalen Händlerringen kommt eine Vielzahl „Kleinkrimineller“ ungestraft davon, da meist behauptet wird, es handele sich um Pashmina oder ähnliche legale Stoffe. Eine eindeutige gerichtsverwertbare Klärung erhält man erst nach einer Laboruntersuchung (DNA-Test,[2] Vermessung unter einem Lichtmikroskop oder einem Rasterelektronenmikroskop).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kenneth D. Langley: Shahtoosh Fibres, The James Hutton Institute (englisch). Abgerufen am 24. Januar 2013.
  2. J. C. Lee, L. C. Tsai, C. Y. Yang, C. L. Liu, L. H. Huang, A. Linacre, H. M. Hsieh: DNA profiling of shahtoosh. In: Electrophoresis (2006), Band 27(17), S. 3359–3362. PMID 16888711.