Shandong

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Dieser Artikel behandelt die chinesische Provinz Shandong, zum nach ihr benannten Asteroiden siehe (2510) Shandong.
山东省
Shāndōng Shěng
Abkürzung: (Pinyin: Lǔ)
Hauptstadt Jinan
Fläche

 - Gesamt
 - Anteil an der
VR China

Rang 20 von 33

156.700 km²
1,63 %
 

Bevölkerung

 - Gesamt 2004
 - Dichte

Rang 2 von 33

95.790.000 Einwohner
591 Einwohner/km²

Verwaltungstyp Provinz
Gouverneur Jiang Daming
Bangladesch Bhutan Nepal Myanmar Laos Vietnam Thailand Philippinen Japan Nordkorea Südkorea Kirgisistan Kasachstan Mongolei Afghanistan Usbekistan Tadschikistan Pakistan Indien Russland de-facto Pakistan (von Indien beansprucht) de-facto Indien (von Pakistan beansprucht) de-facto Indien (von China als Teil Tibets beansprucht) Republik China (von China beansprucht) de-facto Provinz Xinjiang, China (von Pakistan beansprucht) de-facto Provinz Tibet, China (von Pakistan beansprucht) Macau Hongkong Hainan Guangdong Guangxi Hunan Yunnan Fujian Shanghai Jiangxi Zhejiang Jiangsu Hubei Anhui Guizhou Chongqing Shaanxi Henan Shanxi Shandong Hebei Peking Tianjin Ningxia Liaoning Jilin Sichuan Tibet Heilongjiang Gansu Qinghai Xinjiang Innere MongoleiLage von Shāndōng Shěng in China
Über dieses Bild
ISO-3166-2-Code CN-37
Bezirksebene 17 Städte
Kreisebene 60 Kreise, 48 Stadtbezirke, 30 Städte
Gemeindeebene 1.094 Großgemeinden, 617 Straßenviertel, 113 Gemeinden

Shāndōng (chinesisch 山東 / 山东), im Deutschen Schantung oder Schandong genannt, ist eine Provinz an der chinesischen Ostküste. Shandong liegt am Unterlauf des Gelben Flusses (Huang He). Von 1898 bis 1914 gehörte ein Teil der Provinz, und zwar das Gebiet Kiautschou als Kolonie zum Deutschen Reich. Nachbarprovinzen sind Anhui, Hebei, Henan und Jiangsu.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Den Osten der Provinz bildet die Shandong-Halbinsel zwischen dem Golf von Bohai und dem Gelben Meer. Die Küste von Shandong ist 3000 km lang. Der Huang He mündet in Shandong in den Bohai-Golf. Es gehören auch einige Inseln, insbesondere die Miaodao-Inseln zum Gebiet Shandongs. Westlich der Provinz befindet sich das Gebirge Taihang, wodurch Shandong seinen heutigen Namen erhielt, den man mit östlich der Berge übersetzen kann.

Topographie[Bearbeiten]

Man kann das Gebiet der Provinz in vier Teile einteilen:

  1. Die Ebene in Nordwest-Shandong wurde durch Ablagerungen des Gelben Flusses gebildet und ist ein Teil der Nordchinesischen Ebene. Durch die Ebene verlaufen der Gelbe Fluss und der Kaiserkanal. Sie ist ein wichtiges Landwirtschaftsgebiet.
  2. Die Jiaolai-Ebene reicht bis an die Küste und liegt zwischen den hügeligen Gebieten in Süd- und Zentral-Shandong. Die Flüsse Jiaolai He, Wei He und Dage He fließen durch diese Ebene.
  3. Die Gebirge in Zentral- und Süd-Shandong bestehen aus mehreren über 1000 Meter hohen Bergen, wie zum Beispiel dem Tai Shan, Lu Shan, Yi Shan und Meng Shan. Hier befindet sich auch der höchste Punkt der Provinz, der 1545 m hohe Tai Shan.
  4. Das Jiaodong-Hügelland besteht aus den weniger als 1000 Meter hohen Daze Shan und Kunzu Shan. Es macht einen großen Teil der Shandong-Halbinsel aus.

Klima[Bearbeiten]

Shandong hat ein Monsunklima der warmgemäßigten Zone mit heißen, regnerischen Sommern und trockenen, sonnigen Wintern. Es gibt deutliche klimatische Unterschiede zwischen den Küstenregionen und dem Landesinneren. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt bei 11 °C an der nordöstlichen Küste und 14,5 °C im Westen und Süden. Der Jahresniederschlag beträgt im Nordwesten 560 mm und im Südosten 1170 mm. Da 60 bis 70 % der Niederschläge im Sommer fallen, kann es zu Überschwemmungen und in anderen Jahreszeiten zu Dürre kommen.

Gewässer[Bearbeiten]

Der Gelbe Fluss drückt der Provinz Shandong seinen Stempel auf, denn er ist einerseits für die Schwemmebene, auf welcher der Großteil der Provinz liegt, verantwortlich, andererseits hat er seinen Lauf mehrmals gewechselt, wobei die Bevölkerung der Provinz in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. verlief der Gelbe Fluss in mehreren Armen durch die heutige Provinz, wobei die meisten dieser Arme nördlich seines heutigen Laufes lagen. Bereits vor etwa 2000 Jahren begann man mit dem Bau von Deichen entlang des Flusses, wobei diese Deiche die Änderung des Flusslaufes etwas begrenzt haben, andererseits jedoch die Überschwemmungen verschlimmern, wenn der Fluss über die Deiche tritt. In den 3000 Jahren der Geschichtsschreibung in China wurden die Unterläufe des Gelben Flusses mehr als 1500 Mal überschwemmt. Eine bedeutende Änderung des Flusslaufes geschah im Jahre 1128, als nach einer großen Überschwemmung der Gelbe Fluss im nördlichen heutigen Jiangsu in das Gelbe Meer zu münden begann. Im Jahre 1855, wiederum nach einer katastrophalen Überschwemmung, bewegte sich das Flussbett wieder in Richtung Norden, wo es sich bis in das 12. Jahrhundert befand und wo es sich auch heute befindet. Eine Folge dieser schlimmen Überschwemmung war auch, dass der Kaiserkanal seine Schiffbarkeit einbüßte.

Wichtige Städte[Bearbeiten]

Die Hauptstadt der Provinz Shandong ist Jinan, weitere wichtige Städte sind: Jining, Tai'an, Qingdao, Weifang, Yantai und Zibo.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Wegen seiner Lage am Rande der nordchinesischen Ebene war Shandong schon sehr früh dem Einfluss der chinesischen Zivilisation ausgesetzt. Schon die frühesten Dynastien (Shang-Dynastie und Zhou-Dynastie) kontrollierten West- und Zentralshandong. Die Shandong-Halbinsel lag dagegen zunächst außerhalb der chinesischen Einflusssphäre. Dort lebte das Volk Laiyi, das als barbarisch angesehen wurde und schnell sinisiert wurde.

Zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen und zur Zeit der streitenden Reiche gab es in Shandong zwei Staaten: Qi im Gebiet des heutigen Linzi und Lu im Gebiet des heutigen Qufu. Lu war die Heimat von Konfuzius. Es war jedoch relativ klein und unterlag schließlich dem im Süden gelegenen Chu. Der Staat Qi dagegen war die ganze Epoche über eine größere Macht.

Zur Zeit der Qin-Dynastie gab es erstmals einen zentralisierten chinesischen Staat. Während der darauffolgenden Han-Dynastie gab es im Gebiet des heutigen Shandong zwei Provinzen: Qingzhou und Yanzhou.

Zur Zeit der drei Reiche gehörte Shandong zum Königreich Wei.

Nach einer kurzen Zeit der Einheit wurde Shandong zusammen mit dem Rest Nordchinas von Nomaden aus dem Norden erobert. Im nächsten Jahrhundert wechselten die Herrscher Shandongs schnell.

Mittelalter[Bearbeiten]

Nachdem die Song-Dynastie China zunächst wiedervereinigt hatte, war sie gezwungen, Nordchina 1142 an die Jin-Dynastie der Jurchen abzutreten. Unter der Jin-Dynastie wurde der Name Shandong erstmals benutzt.

Unter der Ming-Dynastie umfasste die Provinz ungefähr dasselbe Gebiet wie heute, dazu einige Gebiete Liaonings (im Süden der Mandschurei).

Die Mandschu eroberten ganz China, 1644 Shandong, und gründeten die Qing-Dynastie. Unter dieser Dynastie nahm Shandong mehr oder weniger seine heutigen Grenzen an. Shandong war eine der Regionen Chinas mit den meisten Rebellionen gegen die Qing. Nennenswert sind etwa die Aufstände der Weißer-Lotus-Sekte, die Gruppe der Acht Trigramme, die im Jahr 1780 rebellierte, oder die Nian-Rebellion; auch der Boxeraufstand hatte seine Wurzeln in Shandong.

19. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Laufe des 19. Jahrhunderts geriet China zunehmend unter westlichen Einfluss und Bedrohung. Shandong war durch seine Lage an der Küste besonders betroffen. Das Gebiet Kiautschou in der Provinz Shandong war deutsche Kolonie. Durch den Versailler Vertrag ging das Gebiet 1919 an Japan, was die Bewegung des vierten Mai auslöste.

In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaft Shandongs - vor allem des Ostens - sehr schnell entwickelt, und Shandong ist zu einer der reichsten Provinzen Chinas geworden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 2013 war die Wirtschaft Shandongs ist mit einem BIP in Höhe von 5,47 Billionen Yuán (892 Milliarden US-Dollar) die drittgrößte Chinas. Das BIP pro Kopf betrug 56.508 Yuán (9.218 US-Dollar) pro Jahr (Rang 9 unter den chinesischen Provinzen).[1]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die Landwirtschaft erwirtschaftet etwa 15 % des BIP, beschäftigt jedoch mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte Shandongs. Zu den wichtigsten Anbauprodukten gehören Weizen, Mais, Sorghum, Hirse, Kartoffeln und Bohnen. Weitere wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Baumwolle, Erdnüsse, Tabak und Flachs. Shandong ist eines der drei wichtigsten Baumwollanbaugebiete in Nordchina, außerdem gehört es zu den bedeutendsten Anbaugebieten von Obst und Gemüse. Etwa 40 % der Erdnüsse Chinas werden in Shandong angebaut. In zwei Jahren werden normalerweise drei Ernten eingebracht. In manchen Gebieten mit guter Bewässerung kann man sogar zwei Ernten pro Jahr erzielen.

Die Viehzucht ist ebenfalls bedeutend, Shandong ist der wichtigste Produzent von Geflügelfleisch in China, daneben gehört es zu den führenden Provinzen in der Rinder-, Schweine- und Schafzucht. Die Küstenregionen sind reich an Fischen, Krebsen und Seetang; trotzdem stammt der überwiegende Teil des Fischfanges aus Zuchtbetrieben.

Bergbau[Bearbeiten]

Die abbauwürdigen Ressourcen sind Gas, Öl, Kohle, Eisen, Bauxit, Diamanten, Saphir und Gold. Der Goldabbau in Shandong (Yantai) ist führend in China. Im Nordwesten Shandongs, in der Nähe von Dongying, liegt das Shengli-Ölfeld, das zu Chinas größten Ölfeldern gehört.

Industrie[Bearbeiten]

Die Industrie erwirtschaftet die Hälfte des BIP und beschäftigt etwa ein Viertel der Arbeitskräfte. Das Zentrum der Industrie liegt in Qingdao, in geringerem Ausmaß in Jinan und Gaomi, daneben ist Zibo und Umgebung ein neues Zentrum der petrochemischen Industrie. Wichtige Industriezweige sind die Nahrungsmittelindustrie, Papier, Haushaltsgeräte, Baustoffe, Textilien, die Eisen- und Stahlindustrie, der Maschinenbau und die Gummi-Industrie. Im Jahr 2000 war ein Viertel der Unternehmen in Staatsbesitz, das jedoch 40 % des Umsatzes generierte. Generell dominieren die Großunternehmen, die Hälfte des BIP wird von nur 1000 Firmen erwirtschaftet.

Dienstleistungen[Bearbeiten]

Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet 35 % des BIP und beschäftigt 25 % der Arbeitskräfte. Handel, Gastgewerbe und Transport spielen die wichtigsten Rollen; der Außenhandel und der internationale Tourismus spielen eine untergeordnete Rolle.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Eisenbahnstrecken von Beijing nach Shanghai und von Beijing nach Hongkong durchqueren den Westen Shandongs. Weitere Eisenbahnlinie verlaufen von Qingdao nach Jinan und von Qingdao nach Yantai. Daneben gibt es noch mehrere kleinere Eisenbahnlinien, insgesamt umfasste das Eisenbahnnetz im Jahr 2000 mehr als 2400 km.

In Shandong gibt es ein dichtes und gleichmäßig über die Provinz verteiltes Straßennetz. Es gibt mehr als 71.000 km Straßen, davon mehr als 2000 km Autobahn.

Wichtige Häfen gibt es in Qingdao, Yantai, Rizhao und Weihai; Qingdao ist, gemessen am Frachtumschlag, der siebentgrößte Hafen Chinas. Der wichtigste Binnenschifffahrtsweg ist der Xiaoqing; insgesamt sind mehr als 2500 km Wasserstraßen schiffbar.

Größere Flughäfen gibt es in Jinan und Qingdao. Von Yantai nach Dalian, das an der anderen Seite des Bohai-Golfes in der Provinz Liaoning liegt, gibt es seit kurzem die erste kommerzielle Wasserflugzeugstrecke.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung Shandongs ist mit 95,79 Mio. Menschen nach der von Guangdong die zweitgrößte in China.[2] 7,06 % der Bevölkerung der Volksrepublik lebt in dieser Provinz. Die Bevölkerungsdichte beträgt 582 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit die zweithöchste unter den chinesischen Provinzen beziehungsweise die fünfthöchste, wenn man die regierungsunmittelbaren Städte mit einbezieht. Das Bevölkerungswachstum ist jedoch im nationalen Vergleich niedrig, trotz der Zuwanderung in die wohlhabenden Städte. Auch herrscht in Shandong ein sehr hohes Gleichgewicht zwischen männlicher und weiblicher Bevölkerung (etwa 102 Männer auf 100 Frauen im Jahr 2000). Die Urbanisierungsrate für 2000 wurde mit 38 % angegeben.

99,3 % der Bevölkerung sind Han-Chinesen. Größere ethnische Minderheiten sind die Hui (0,6 %) und die Mandschu.

Administrative Gliederung[Bearbeiten]

Shandong ist in 17 bezirksfreie Städte unterteilt:

  • Jinan (濟南市 / 济南市Jǐnán Shì)
  • Liaocheng (聊城市Liáochéng Shì)
  • Dezhou (德州市Dézhōu Shì)
  • Dongying (東營市 / 东营市Dōngyíng Shì)
  • Zibo (淄博市Zībó Shì)
  • Weifang (濰坊市 / 潍坊市Wéifāng Shì)
  • Yantai (煙台市 / 烟台市Yāntái Shì)
  • Weihai (威海市Wēihǎi Shì)
  • Qingdao (青島市 / 青岛市Qīngdǎo Shì)
  • Rizhao (日照市Rìzhào Shì)
  • Linyi (臨沂市 / 临沂市Línyí Shì)
  • Zaozhuang (棗莊市 / 枣庄市Zǎozhuāng Shì)
  • Jining (濟寧市 / 济宁市Jǐníng Shì)
  • Tai’an (泰安市Tài’ān Shì)
  • Laiwu (萊蕪市 / 莱芜市Láiwú Shì)
  • Binzhou (濱洲市 / 滨洲市Bīnzhōu Shì)
  • Heze (荷澤市 / 荷泽市Hézé Shì)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Von den fünf heiligen Bergen des Taoismus in China ist der Tai Shan der berühmteste, wenn auch mit einer Höhe von 1.545 m keineswegs der höchste. Im alten chinesischen Weltbild, das das Reich der Mitte als Quadrat betrachtete, verkörpert der Tai Shan den östlichen Eckberg.

Qufu, der Geburtsort des Konfuzius, gehört zu den Nationalschätzen erster Ordnung.

Bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Aus Shandong stammen neben Konfuzius auch Mengzi, der, geboren im Staat Zhou im südlichen heutigen Shandong, zu den bedeutendsten Schülern des Konfuzius gehört und dessen Erbe erhielt. Ein weiterer bedeutender Philosoph aus Shandong war Zou Yan, der im 3. Jh. v. Chr. die Theorie der fünf Elemente entwickelte. Aus der Region um Jinan stammte Bian Que, der als Erfinder der traditionellen chinesischen Medizin gilt. Zhou Yongnian, ebenfalls aus Jinan, war der Gründer des chinesischen Bibliothekswesens. Im 12. Jahrhundert war Li Qingzhao eine der bedeutendsten Dichterinnen des Landes. Eine weitere Persönlichkeit aus Shandong ist der moderne Künstler Liu Bolin, der mit seinen "Invisible Man" Bildern berühmt wurde.

Bildung[Bearbeiten]

Die Analphabetenrate in Shandong ist mit 8,5 % (2000) relativ hoch und die zweithöchste in Ostchina.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shandong – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.chinadaily.com.cn/business/2011-02/14/content_12004550.htm
  2. Willy Lam: 2010 Census Exposes Fault Lines in China's Demographic Shifts, 6. Mai 2011.

36.315125117.839355Koordinaten: 36° N, 118° O