Shangri-La

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert den mythischen Ort Shangri-La; zu weiteren Bedeutungen siehe Shangri-La (Begriffsklärung).

Shangri-La (auch Shangri-la, Shangrila) ist ein paradiesischer, fiktiver Ort, der im weitesten Sinne im Himalaya, und zwar in Tibet, liegen soll. Der Begriff wurde durch den Schriftsteller James Hilton in die westliche Kulturgeschichte eingeführt. Sein 1933 erschienener Roman Lost Horizon (Der verlorene Horizont, deutsch auch als „Irgendwo in Tibet“ verlegt) beschreibt ein abgelegenes Lama-Kloster am Shangri-Gebirgspass im Himalaya. Die Klosterbewohner, zum großen Teil aus westlichen Ländern und westlichen Kulturkreisen stammend, leben in einer frei gewählten Weltabkehr und erreichen zuweilen biblisches Alter. Ihre Lebensweise und ihr gewählter Tagesablauf sind eine Abkehr von der Hast der Zivilisation, ohne auf gewohnte Annehmlichkeiten völlig zu verzichten. Sie erwarten für die Menschheit ein apokalyptisches Ereignis und verstehen sich selbst als letzte Verteidiger von Wissen und Kultur.

Vorlagen[Bearbeiten]

Als Quelle der antiken Weisheit wird ein Chang Shambala bereits in frühen buddhistischen Schriften erwähnt. Hiltons Roman Lost Horizon basiert auf diesen alten östlichen Legenden von einem verborgenen Paradies. Auch in dem Roman von James Redfield Das Geheimnis von Shambhala (1999) wird die Idee aufgegriffen. In Russland existiert die Sage, man müsse den Weg der Tataren in die Mongolei zurückverfolgen, dann fände sich Belowodje – ein Ort (im Land der weißen Wasser), an dem heilige Menschen vom Rest der Welt getrennt leben. Das mythologische Reich Shambala ist von großer Bedeutung im buddhistischen Kalachakra-Tantra, da Buddha Shakyamuni nach der Überlieferung das Kalachakra-Tantra zuerst an Suchandra, den König von Shambala, übertragen haben soll. Eine ausführliche Darstellung des Shambala-Mythos ist im Buch Der Weg nach Shambala von E. Bernbaum, Hamburg 1982, beschrieben.

Shangri-La steht jedoch – als Erfindung des Autors James Hilton – auch in der Tradition der europäischen utopischen Literatur (vgl. Utopie). Thomas MorusUtopia gehört zweifellos zu den wichtigen Bezugspunkten für die Darstellung und Konzeption von Shangri-La; nicht umsonst besitzt die Bibliothek des Klosters die Werke von Morus (und sicherheitshalber auch alle Werke von Autoren mit ähnlich klingenden Namen). Hiltons Auseinandersetzung mit Morus ist insofern beachtlich, als sie nicht (wie sonst häufig) den Aspekt des Politischen in den Vordergrund rückt, sondern das Problem der menschlichen Affekte: Wie die Insel Utopia ist auch Shangri-La ein Ort, in dem eine „Leidenschaftslosigkeit“ herrscht, deren Bedingungen und Möglichkeiten von Morus und Hilton durchaus kritisch gesehen werden.

Nach Recherchen der chinesischen Regierung soll es sich bei der in dem Roman beschriebenen Gegend angeblich um den Kreis Shangri-La in der chinesischen Provinz Yunnan handeln. Der Kreis, der zuvor „Zhongdian“ geheißen hatte, wurde 2001 zur Förderung des Tourismus offiziell in „Shangri-La“ (chinesisch 香格里拉Pinyin Xiānggélǐlā) umbenannt.

Verwendung bis heute[Bearbeiten]

Lost Horizon (dt. Titel Der verlorene Horizont) war ein 1933 erschienener Weltbestseller von James Hilton, der 1937 von Frank Capra auch verfilmt wurde (deutscher Titel des Films: In den Fesseln von Shangri-La). Hiltons fiktive Beschreibung von Shangri-La hat den westlichen Blick auf Tibet und den Lamaismus bis heute nachhaltig geprägt. In westlichen Ländern entwickelte der nahezu mystische Begriff Shangri-La – getrennt vom Roman – ein reelles Eigenleben, das bis heute anhält. Sogar ein paar Nationalsozialisten, darunter Heinrich Himmler, befassten sich mit Asien und Shangri-La als einem angeblichen Paradies von Übermenschen, noch unverdorben durch die angebliche buddhistische Dekadenz. Sie sandten insgesamt sieben Expeditionen nach Tibet. Die bekannteste fand 1938 unter Leitung von Ernst Schäfer statt.

Die Villa (Quinta) Shangri-La in Indio (Kalifornien) wurde 1939 angeblich für die Familie von Präsident Roosevelt erbaut.[1]

1937 kaufte Doris Duke ein Grundstück in Kāhala, östlich von Waikīkī auf der Insel Oʻahu (Hawaiʻi) und errichtete dort ihr Anwesen Shangri La. Es ist für das Publikum geöffnet und gehört heute der Doris Duke Foundation for Islamic Art.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.accarchives.org/pw/1-21.pdf Zugriff 22. Januar 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bishop: The Myth of Shangri-La. Tibet, Travel Writing and the Western Creation of Sacred Landscape. University of California Press, Berkeley 1989, ISBN 0-520-06686-3
  • Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Thierry Dodin, Heinz Räther (Hrsg.): Mythos Tibet. Wahrnehmungen, Projektionen, Phantasien. DuMont, Köln 1997, ISBN 3-7701-4044-3
  • Martin Brauen: Traumwelt Tibet: westliche Trugbilder. Verlag Paul Haupt Berne, Bern; Stuttgart; Wien 2000, ISBN 3-258-05639-0

Weblinks[Bearbeiten]