Shanty

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Ein Shanty [ˈʃæntɪ] ist ein Seemannslied mit Refrain. Diese Liedgattung gehört zum Seemannsbrauchtum.

Geschichte[Bearbeiten]

Das englische Wort shanty ist erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Es stammt wahrscheinlich von frz. chanter „singen“ ab.[1]

Shantys sind Lieder der Matrosen zu gemeinschaftlicher harter Arbeit auf Segelschiffen vor dem Mast und lassen sich in ihrem Ursprung von zirka 1450 (im sogenannten „Complayant of Scotland“) bis etwa 1875 mit dem Aufkommen der Dampfschiffe zurückverfolgen. Ein vom Shantyman gesungener Solopart, der oft auch improvisiert ist, wird von Kehrreimzeilen der Mannschaft abgelöst.

Bedingt durch die Art der Arbeit und der unterschiedlichen Herkunft (Sklavenschiffe, Walfänger, Piraten, Kriegsschiffe etc.), haben sich auch unterschiedliche Arten von Shantys gebildet. Zum Beispiel zum Lichten des Ankers (Capstan-Shanty) oder zum Setzen der Segel (Halyard-Shanty). Das Singen half der Mannschaft dabei, die Arbeiten synchron auszuführen. So wurde z.B. bei einem Halyard-Shanty während der vom Shantyman gesungenen Strophe geruht und während dem von der Mannschaft gesungenen Kehrreim im Takt das Segel eingeholt bzw. gesetzt. Der bekannte Shanty What shall we do with a drunken Sailor (ursprünglich Early in the morning) wurde beim Auswechseln der Mannschaft im Marschrhythmus gesungen. Andere Tätigkeiten bedurften dementsprechend anderer Rhythmen. Natürlich wurden Shantys auch am Abend in der geselligen Runde gesungen. Wie auch andere Lieder z. B. aus der Country-Musik, konnten mit den Texten sofort aktuelle Tagesereignisse reflektiert werden.

Durch die Internationalität der Seefahrt machten die Shantys schnell die Runde und vermischten sich mit Seemanns- und Volksliedern. Häufig finden sich so deutsche Texte zu englischen Shantys. Bekannt ist hier die Version von The Banks of Sacramento (die Musik entstammt einer christlichen Weise und entstand 1849 bei der sogenannten „Great Immigration“ nach Kalifornien und ist somit streng genommen kein Shanty). In einer Abwandlung wird er auf niederdeutsch als De Hamborger Veermaster gesungen.

Chöre und Interpreten[Bearbeiten]

Das traditionelle Liedgut der Shantys wird heutzutage von „Shanty-Chören“ gepflegt, die sich vor allem in oder in der Nähe von Hafen- oder Küstenstädten bildeten und die meistens vollständig oder überwiegend aus Männern bestehen. In Norddeutschland und insbesondere an der Waterkant gehört der Auftritt von „Shanty-Chören“ zum Kulturgut, gilt inzwischen aber auch als Bestandteil des dortigen touristischen Angebots. Verschiedene neuere Shantys wurden erstmals in dem Dokumentarfilm Windjammer (1958) aufgeführt und gingen eingedeutscht in das Repertoire der Chöre ein.

Als Solisten sind ausschließliche Shanty-Interpreten eher selten anzutreffen; hierzu zählen zum Beispiel der Bremerhavener Günther Bockelmann oder der in Polen sehr bekannte Shanty-Sänger und -Texter Jerzy Porebski. Shantys gehören jedoch mit zum Repertoire von einigen Liedermachern, wie beispielsweise Achim Reichel oder Hannes Wader, und teils auch von Schlagersängern, wie zum Beispiel Sven Jenssen oder Peter Petrel.

Seit 2012 feiert die Band Santiano mit einer Mischung aus Irish Folk und Seemannsliedern in Deutschland Erfolge.

Hörbeispiele[Bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gilbert Obermair (Hrsg.): Shanties. Die rauen Gesänge der alten Fahrensleute. Heyne, München 1983, ISBN 3-453-41528-0.
  • Stan Hugill: Shanties from the Seven Seas. Shipboard Work-Songs and Songs Used from the Great Days of Sail. Mystic Seaport Museum Publications, Mystic, Conn. 2003, ISBN 0-913372-70-6 (Nachdr. d. Ausg. Routledge, London 1984).[2]
  • Stan Hugill: Windjammerlieder. Das rauhe Leben und die lustigen Lieder der alten Fahrensleute. Claassen Verlag, Düsseldorf 1978, ISBN 3-546-44893-6.
  • Hermann Strobach, Jens Gerlach: Shanties. Nachdichtungen englischer und skandinavischer Lieder. Delius Klaing, Bielefeld 1978, ISBN 3-7688-0084-9 (Nachdr. d. Ausg. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt/M. 1971).
  • Konrad Tegtmeier: Alte Seemannslieder und Shanties. E. Hauswedell & Co., Hamburg 1951.
  • Richard R. Terry: Sailor Shanties. II. In: Music & Letters, Bd. 1 (1920), Heft 3, S. 256–268, ISSN 0027-4224

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Shanty bei Duden online
  2. Die Bibel des Shanty, Erstauflage 1961, Nachdruck 1966, 1979, 1984; zweite Auflage (gekürzt) 1984, 1987, 1994!

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shanty-Chöre und -Sänger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Shanty – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen