Share Economy

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Der Begriff Share Economy wurde von dem Harvard-Ökonomen Martin Weitzman geprägt und besagt im Kern, dass sich der Wohlstand für alle erhöht, je mehr unter allen Marktteilnehmern geteilt wird.[1] In der jüngeren Vergangenheit gewann das Konzept insbesondere in Hinblick auf das WWW an Bedeutung, weil Inhalte und Wissen zunehmend nicht mehr nur konsumiert, sondern mit Hilfe von Web-2.0-Technologien weiterverbreitet werden.[2] Im deutschsprachigen Raum wird auch der Begriff Kokonsum (Abkürzung aus Kollaborativer Konsum) verwendet. Darüber hinaus entwickeln sich auch verstärkt die Begriffe Collaborative Consumption und Collaborative Economy im englischsprachigen Raum. Der Begriff kollaborative Wirtschaft ist im Deutschen jedoch noch nicht verbreitet und wird erstmals in Anlehnung an die Definition von OuiShare beschrieben und umfasst die Bereiche KoKonsum, kollaborative Produktion, kollaboratives Finanzwesen, offen und frei zugängliches Wissen sowie horizontale und offene Verwaltungsstrukturen.[3]

Bedeutung nach Weitzman[Bearbeiten]

In seiner ursprünglichen Definition bezieht sich der Begriff Share Economy auf Martin Weitzmans Untersuchungen zur Frage, ob innerhalb eines Unternehmens feste oder erfolgsbezogene Vergütungen zu einer höheren Wohlfahrt führen.[4] In diesem Gebiet hat bereits 1976 der US-Ökonom Michael Jensen geforscht, besondere Berücksichtigung bei Weitzmann finden aber im Gegensatz zu Jensens Ansatz konjunkturelle Aspekte. Demzufolge sei eine Wirtschaft, in der erfolgsabhängige Vergütungen gezahlt werden, bei einem Konjunkturabschwung besser in der Lage, Arbeitslosigkeit zu verhindern, da sich die Arbeitskosten dynamisch der wirtschaftlichen Situation des Arbeitgebers anpassen. Es entstehe nicht die Schwierigkeit, dass bei fixen Personalkosten und sinkenden Umsätzen Personal abgebaut werden müsse, um den Umsatzrückgang auszugleichen. So verbessere sich auch die Allokation von Arbeitskräften, da Mitarbeiter bei sinkender Vergütung infolge sinkender Gewinne ihres Arbeitgebers aus Eigeninteresse das Unternehmen verlassen, wenn sie in einem Unternehmen mit höherem Gewinn und daher besserer Vergütung einen Arbeitsplatz erhalten können.

Bedeutung im World Wide Web[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurde im Zusammenhang mit der von Sinnerschrader veranstalteten "next09"-Konferenz der Begriff Share Economy zunehmend auch in Bezug auf das World Wide Web verwendet. Dabei bedeutet Share Economy hier, dass Inhalte und Wissen nicht mehr ausschließlich durch den Rezipienten konsumiert werden, sondern Rezipienten zunehmend auch zu Distributoren werden.[2] Dabei ist sowohl ein one-to-one Teilprozess denkbar, zum Beispiel durch das Versenden eines Artikels per E-Mail, ein one-to-many Teilprozess, in dem ein Einzelner via Twitter oder Facebook einen Artikel oder Wissen teilt oder ein many-to-many-Prozess, bei dem viele mit vielen ihr Wissen teilen. Dies geschieht zum Beispiel im Rahmen von Wikipedia. Dieser Vorgang wurde bereits mit dem Begriff Wikinomics von Don Tapscott beschrieben.[5] Share Economy gilt inzwischen als elementarer Bestandteil des Web 2.0 und als wichtiger Trend für alle, die im World Wide Web Wissen und Inhalte erstellen.

Bedeutung in der Wirtschaft[Bearbeiten]

Gebrauchsgüter werden nicht mehr nur gekauft und genutzt sondern gemeinsam gekauft oder gemeinsam benutzt oder verliehen (Sharing). Dies betrifft z. B. Formen der Mobilität (Carsharing) oder Musikportale, wo es um die zeitlich begrenzte Nutzung von Musikstücken geht, nicht um das Besitzen. Seit 2005 gibt es Trends beim Teilen von Land (Gardensharing als Form des Landsharing) und auch bei Software (wo es von umfassenden Paketen zu Teillösungen aus der Cloud geht). Offen ist die Diskussion um ein internationales Nutzungsrecht. Bisher gibt es nur nationale Insellösungen, die für die globalisierte Wirtschaft nicht förderlich sein können. Neue Plattformen ermöglichen beispielsweise auch die kollaborative Entwicklung von Produkten oder auch Projekten. Der Reiz an der Teilnahme ist, dass alle Kontributoren am Erfolg beteiligt werden können. Daneben haben sich Projekte wie das Küchensurfen oder Wohnzimmerkonzerte etabliert, die in erster Linie darauf ausgerichtet sind soziale Kontakte zu schaffen und Menschen im realen (Offline-)Leben zusammenzubringen.

Bedeutung in der Landwirtschaft[Bearbeiten]

In der Landwirtschaft, im Speziellen bei kleinstrukturierten Betrieben, hat sich der gemeinsame Ankauf von Maschinen seit langem bewährt und durchgesetzt. Maschinen wie Mähdrescher, Miststreuer oder Seilwinde werden nicht ganzjährig eingesetzt. Die hohen Ankaufspreise der Maschinen sind für diese kleinen Betriebe nicht finanzierbar. Daher werden Kooperationen zwischen zwei oder mehreren Landwirten geschaffen, die Nutzung erfolgt meist nach dem Prinzip wer zuerst die Nutzung anmeldet der nutzt zuerst. Wer eine Maschine alleine ankauft, diese aber verborgen möchte, kann sich einem Maschinenring anschließen. Über einen Maschinenring kann der Besitzer die Maschine verleihen oder gleich als Maschinenführer auftreten, also die Maschine und seine eigene Leistung als Maschinenführer anbieten.

Shareconomy als Hip-Thema[Bearbeiten]

Die CeBIT machte „Shareconomy“ 2013 zu ihrem Leitthema und unterstreicht die Zunahme der Bedeutung von Sharing das sich über Internetplattformen organisiert.[6] Dieses gemeinsame Nutzen, Tauschen und Verleihen hat seit 2005 stark zugenommen. Mittlerweile gibt es im Sharing-Bereich viele neue Formen, die immer weiter wachsen. Größere Bereiche sind: Wohnungssharing, Booksharing, Tauschbörsen, Verleih- und Verschenkbörsen, Coworking oder das Sharing von Finanzen & Versicherungen.[7]

Der Begriff "Shareconomy" wurde von der Deutsche Messe AG kreiert.[8]

Crowdsourcing[Bearbeiten]

Im Bereich des Crowdsourcing entwickelt sich neben der gemeinschaftlichen Nutzung von Gebrauchsgütern ein neuer Zweig der Sharing Economy, bei der im Vordergrund die Nutzung freier personeller Ressourcen - meist im Rahmen von "Microjobs" - steht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Weitzman: The share economy: Conquering Stagflation, reprint, Harvard Publication Press, Boston 1984, ISBN 0-674-80583-6.
  • Don Tapscott, Anthony D. Williams: Wikinomics: die Revolution im Netz. 1. Auflage. Hanser, München 2007, ISBN 978-3-446-41219-4.
  • Clay Shirky: Here comes everybody: The Power of Organizing without Organizations. 1. Auflage. Penguin Press, New York 2008, ISBN 978-1-59420-153-0.
  • Rachel Botsman: What’s Mine is Yours: The Rise of Collaborative Consumption. 1. Auflage. Harpercollins, UK 2011, ISBN 978-0-00-739591-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Weitzman: The share economy: conquering stagflation. Harvard University Press, 1984.
  2. a b Definition im SinnerSchrader-Blog "Fischmarkt"
  3. Definition der kollaborativen Wirtschaft nach OuiShare
  4. Vgl. Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligung
  5. Website zum Buch & Begriff "Wikinomics"
  6. Leitthema der CeBIT 2013
  7. Shareconomy Landschaft 2013
  8. Thema der CeBIT 2013