Shenyang J-11

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Dieser Artikel behandelt das moderne Jagdflugzeug Shenyang J-11. Zum historischen Versuchsflugzeug J 11, siehe Junkers J 11.
Shenyang J-11
Chinese Su-27.JPG
Eine Jian-11 bei einer Flugvorführung, 2007
Typ: Luftüberlegenheitsjäger
Entwurfsland: China VolksrepublikChina Volksrepublik China
Hersteller: Shenyang Aircraft Corporation
Erstflug: 1998
Indienststellung: 1998
Produktionszeit: Seit 1998 in Serienproduktion
Stückzahl: 120 (Stand: Februar 2011)[1]

Die Shenyang J-11 oder Jian-11; 歼-11 (NATO-Codename: „Flanker-B+“) ist ein einsitziges, zweistrahliges Jagdflugzeug der chinesischen Volksbefreiungsarmee, das als Luftüberlegenheitsjäger eingesetzt wird. Es handelte sich ursprünglich um eine reine Lizenzvariante der russischen Su-27SK, allerdings stellt die neuere J-11B praktisch gesehen eine komplette Neuentwicklung dar.

Im Jahr 1995 sicherte sich China für 2,5 Mrd. US-$ die Lizenzrechte zum Bau von 200 Su-27SK-Jagdflugzeuge.[2][3] Der Lizenzvertrag enthielt die Bedingung, dass die Maschinen mit russischer Avionik, Radar und Triebwerken ausgestattet werden müssen, die auch in Russland produziert wird. Russland lieferte genügend Systemkomponenten für 95 Flugzeuge, als 2004 die Entwicklung einer einheimischen Version, der J-11B, bekannt wurde. Dies löste einen Rechtsstreit beider Staaten aus, da Russland in der Eigenentwicklung einen Bruch der Vereinbarungen sah.[4][3] China vertrat dagegen die Ansicht, dass die von Russland gelieferten Systemkomponenten nicht mehr den Anforderungen der PLAAF entsprach, da moderne Flugkörper inkompatibel zu J-11 gewesen sein sollen und deshalb eine Eigenentwicklung notwendig gewesen sei.[2] Vermutlich kündigte Russland daraufhin den Lizenzvertrag 2006. Nach chinesischen Angaben ist die J-11B zu 90 % neu entwickelt worden.

Die Bezeichnung „J-11“ wurde in den 1970er Jahren schon einmal für ein Jagdflugzeug verwendet. Dabei handelte es sich um eine geplante Lizenzversion der MiG-19, die mit britischen Rolls-Royce-Spey-512-Triebwerken ausgestattet werden sollte.[3] Das Projekt wurde allerdings nie realisiert, die MiG-19 wurde letztendlich in China unter der Kennung J-6 produziert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der J-11 gehen ins Jahr 1995 zurück, als China sich die Lizenzrechte für die Su-27SK erwarb. Die Vereinbarung umfasst die Produktion von insgesamt 200 Jagdmaschinen, wobei vorgesehen war, dass die Avionik, das Radar und die Triebwerke in Russland produziert werden sollte.[3] Die Flugzelle wurde dagegen in China hergestellt wo auch die Endfertigung stattfand. Diese Maschinen erhielten die Kennung J-11 bzw. Jian-11. Diese Maschinen stellten für die chinesische Luftwaffe (PLAAF) ein erheblicher Fortschritt dar, da zu diesem Zeitpunkt ein Großteil der Jagdgeschwader noch mit den veralteten J-7- und J-8-Maschinen ausgestattet war.

2004 stellte Russland die Koproduktion mit Shenyang plötzlich ein, nachdem 95 Flugzeuge hergestellt worden waren.[3] Als Grund dafür stellte sich heraus, dass die PLAAF 2002 mit der Entwicklung einer eigenen Variante der Jian-11, die J-11B, begonnen hatte. Dies stellte einen Bruch der Lizenzvereinbarungen da, den China damit begründete, dass die Avionik und das Radar veraltet gewesen sein soll. Bei einem von der PLAAF präsentiertem Mock-up der J-11B waren chinesische Anti-Schiffs- und PL-12-Luft-Luft-Raketen angebracht worden. Daher wird vermutet, dass die J-11B eine stärkere Multi-Rollen-Auslegung hat oder eventuell auch maritime Einsätze gedacht ist. Der Bruch der Lizenzvereinbarung führt vermutlich zur Kündigung des Vertrages durch Russland.

Nach der Vertragsauflösung beschloss die PLAAF die 95 produzierten Jagdmaschinen zu modernisieren. Dabei sollen die Avionik und das Radar wie bei J-11B durch heimische Modelle ersetzt werden. Gleichzeitig begann man mit der Suche nach alternativen Herstellungsverfahren zur Materialoptimierung um die Lebensdauer der Flugzellen zu erhöhen. Die modernisierten Maschinen werden unter der Kennung J-11A geführt.

Für die Zukunft ist vor allen Dingen der Austausch der AL-31-Triebwerke durch das einheimische WS-10-Taihang-Mantelstromtriebwerk geplant. Auf der Zhuhai Airshow 2002 wurde ein Foto von der PLAAF veröffentlicht, dass angeblich eine für die Flugerprobung eines WS-10A modifizierten Jian-11 zeigt. Dazu berichtete Andrei Chang, eine militärische Analyst für China, dass sowohl die J-11A, als auch die J-11B mit dem WS-10A-Triebwerk ausgerüstet werden soll. Dem gegenüber stehen russische Medienberichte, dass China am Kauf von Saturn-117S- und AL-31F-M1-Triebwerken interessiert sei.

Wie bereits im Bereich der Triebwerke traten seit 2002 zunehmend russische Berichte auf, das China mit der Leistung des NIIP-N001-Radar unzufrieden sei und auch dieses durch eine Eigenentwicklung ersetzten möchte. Erst 2007, als China die Existenz der J-11B offiziell bestätigte, wurde auch bekannt, dass diese mit einem Feuerleitradar der Typ 147X/KLJ-X Familie ausgestattet ist. Neben der politisch motivierten Umstellung der Systemkomponenten aus einheimischer Produktion, um eine unabhängige Rüstungsindustrie aufzubauen, war das neue Radar auch für den Einsatz der PL-12-Langstrecken-Luft-Luft-Rakete notwendig.

Im Frühjahr 2011 verfügte die chinesischen Luftwaffe über ca. 120 J-11, wobei die Anschaffung von 90 weiteren Maschinen geplant ist.[1]

Varianten[Bearbeiten]

J-11
Initialversion der chinesischen Lizenzvariante der Su-27SK. Ausgestattet mit dem N001V-Radar samt TS101M-Prozessoren, kann ein Ziel bekämpfen und gleichzeitig zehn weitere verfolgen.
J-11A
Modernisierte Variante der Intialversion. Diese umfasst die Verbesserung des N001V-Radar auf den N001VE-Standard.[5] Dafür wurden eine Serie BCVM-486-6-Prozessoren verbaut, die es dem Radar nun ermöglichen, simultan zwei Ziele zu bekämpfen. Auch die Fluginstrumente wurde im Rahmen der Modernisierung verbessert, wobei nun erstmals ein neues Helmvisier zum Einsatz kommt. Das EFIS ersetzt die bisherigen analogen Ziffernanzeigen, wozu vier neue Multifunktions-Displays (MFD) im Cockpit verbaut wurden.
J-11B
Komplette Neuentwicklung der J-11 als Mehrzweckkampfflugzeug aus chinesischer Produktion. Um den Einsatz neuer Flugkörper zu ermöglichen wurde die Avionik neu entwickelt, ein IRST-System installiert (wobei es sich um eine Kopie des russischen OEPS-27 handeln soll)[5] und ein Radar der Typ 147X/KLJ-X verbaut. Es wurden zahlreiche Änderungen an der Flugzelle vorgenommen um die Radarsignatur und das Gewicht der Maschinen zu reduzieren. Durch die Verwendung von Verbundwerkstoffen soll die J-11B ungefähr 700 kg leichter sein. Nach Angaben der PLAAF sei die J-11B zu 90 % neu entwickelt worden, wobei diese auch behauptet, dass die Performance der Maschine mit der des Eurofighter Typhoon, der F-15SE Silent Eagle und der Su-35S Flanker-E vergleichbar sei. Für spätere Bauserien ist die Verwendung eines bisher noch unbekannten AESA-Radars geplant.
J-11BS
Eine in der Entwicklung befindliche zweisitzige Variante der J-11B.
J-11BH
Marineversion der J-11B.
J-11WS
Alternative Bezeichnung für die J-11B.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten der J-11
Typ: Luftüberlegenheitsjäger
Crew: 1
Länge: 21,94 m
Breite: 14,70 m
Höhe: 5,92 m
Tragflügelfläche: 62,04 m²
Tragflächenbelastung: 371 kg/m² [Anm. 1]
Leergewicht: 16.380 kg
Normales Startgewicht: 23.926 kg
Maximales Startgewicht: ca. 33.000 kg
Höchstgeschwindigkeit: Mach 2,35 (auf optimaler Flughöhe)
Dienstgipfelhöhe: 18.500 m
Flugreichweite: 3.530 km
Triebwerke: zwei Saturn AL-31F-Mantelstromtriebwerke
Schubkraft:
  • ohne Nachbrenner: 2× 75,22 kN
  • mit Nachbrenner: 2× 122,58 kN
Schub-Gewicht-Verhältnis: 1,07 [Anm. 1]
  1. a b Angabe wurde bei normalem Startgewicht errechnet.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Festinstallierte Bewaffnung im Bug
Waffenzuladung von 6.000 kg an zehn Aufhängepunkten
Luft-Luft-Lenkflugkörper
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen
  • 4 × B-8-O-Raketen-Rohrstartbehälter für je 20 × ungelenkte S-8-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 80 mm

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b The Amr Regional Air Force Directory 2011 - Asian Military Review. Adam Baddeley, abgerufen am 26. Dezember 2011 (englisch).
  2. a b China copies Su-27 fighter, may compete with Russia paper. RIA Novosti, 21. Februar 2008, abgerufen am 26. Dezember 2011 (englisch).
  3. a b c d e Chinese Aircraft - J-11 (Sukhoi Su-27). Global Security, 11. Juli 2011, abgerufen am 26. Dezember 2011 (englisch).
  4. Russia Admits China Illegally Copied Its Fighter. DefenceNews, abgerufen am 26. Dezember 2011 (englisch).
  5. a b Jian-11 Multirole Fighter Aircraft. Sino Defence, 20. Februar 2009, abgerufen am 26. Dezember 2011 (englisch).
  6. Yefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons Since World War Two. Midland Publishing, 2004, S. 45.


Dieser Artikel beruht auf einer Übersetzung des Artikels Shenyang J-11 aus der englischsprachigen Wikipedia in der Version vom 26. Dezember 2011.