Shi (Lyrik)

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Shi (詩) ist das chinesische Wort für „Gedicht“. Es steht aber insbesondere auch für eine klassische Lyrik-Gattung, die in der Han-Dynastie entstand, in der Tang-Dynastie ihren Höhepunkt erreichte und vor allem von dem älteren Ci-Gedicht abzugrenzen ist.

Ursprünge[Bearbeiten]

Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. begann sich das Yuefu (樂府) zum Shi weiterzuentwickeln – die Gedichtform, die die chinesische Lyrik bis in die Moderne beherrschen sollte. Die Autoren dieser Gedichte übernahmen die Fünf-Zeichen-Zeile des Yuefu, drückten damit aber komplexere Ideen aus. Shi-Gedichte verleihen im Allgemeinen mehr der eigenen Person des Dichters Ausdruck als, wie beim Yuefu, der eines fiktiven Charakters. Häufig waren sie romantischer Natur und insbesondere von taoistischem Gedankengut beeinflusst. Durch eine neuere Variante, die Sieben-Zeichen-Zeiler, wurden die der Form immanenten Möglichkeiten noch weiter fortentwickelt. In jedem Fall befindet sich vor den letzten drei Zeichen einer Zeile eine Zäsur, die die Zeile in Gruppen von zwei und drei oder vier und drei Zeichen untergliedert.

Gushi[Bearbeiten]

Als Gushi (古詩) „Gedichte im klassischen Stil“, werden teilweise die oben genannten, meist anonymen Shi-Gedichte bezeichnet. Daneben steht der Begriff für die in derselben Form abgefassten Schöpfungen späterer Dichter.

Die Form des Gushi ist verglichen mit dem späteren Jintishi noch weitgehend frei; es gibt nur zwei Beschränkungen: Die Zeilenlänge von fünf bzw. sieben Schriftzeichen (五言古詩 Wuyan Gushi bzw. 七言古詩 Qiyan Gushi) und das Erfordernis eines Reims in jeder zweiten Zeile.

Das Gushi fand vor allem in der erzählenden Dichtung Anklang, sowie bei Autoren, die einen entspannten und phantasievollen Stil anstrebten. Li Bai ist der berühmteste von ihnen, aber die meisten großen Lyriker schrieben bedeutende Gushi.

Jintishi[Bearbeiten]

Jintishi (chinesisch 近體詩 / 近体诗Pinyin jìntǐshī ‚Gedichte im neueren Stil‘), entstanden ab dem 5. Jahrhundert und erreichten ihren Höhepunkt in der Tang-Dynastie.

Gegenüber dem Gushi unterliegen sie erheblich strengeren metrischen Regeln: Auch ihre acht paarweise angeordneten Zeilen bestehen stets einheitlich aus fünf oder sieben Schriftzeichen. Daneben verlangen Jintishi ein Gleichgewicht zwischen den vier Tönen des klassischen Chinesisch (eben, steigend, eingehend, fallend) sowie je nach Untertyp eine bestimmte Versstruktur, bei der das dritte und das vierte Paar sowohl grammatikalisch als auch inhaltlich exakte Parallelen zu bilden haben. Grundformen des Jintishi sind:

  • Lüshi (律詩 / 律诗lǜshī ‚strenger Reim‘) Eine Strophe besteht aus zwei Strophen à vier Versen. Es sind paarweise Parallelismen erforderlich.
  • Jueju (絕詩 / 绝诗juéshī ‚kurzer Reim‘) Eine Strophe umfasst nur vier Versen.
  • Pailü (排律páilǜ ‚aufgereiter, strenger (Reim)‘) Eine bestimmte Verszahl pro Strophe ist nicht vorgeschrieben. Die Tonmuster und Parallelismen des zweiten und dritten Reimpaars werden in beliebiger Anzahl wiederholt. Das erste und letzte Reimpaar erfordert jeweils keinen Parallelismus.

Zu den bedeutendsten Jintishi-Dichtern gehören Wang Wei, Cui Hao, vor allem aber Du Fu.

Literatur[Bearbeiten]

  • Schmidt-Glintzer, Helwig: Geschichte der chinesischen Literatur, Bern 1990, ISBN 3406453376