Shimmy (Tanz)

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Shimmy ist ein aus dem Foxtrott entstandener Gesellschaftstanz, der etwa um 1918 in den USA kreiert wurde und 1920 nach Europa kam.[1]

Stil[Bearbeiten]

Mit der Verbreitung des Jazz entwickelte sich dieser auch als Shimmy-sha-wabble oder Hootchy-Kootchy (von „to cooch“ = mit dem Hintern wackeln) genannte, alle Glieder des Leibes schüttelnde Tanzstil, der zunächst auf Rummelplätzen und bei Volksfesten vorgeführt wurde. Im Shimmy sind afrikanische Tanzrelikte enthalten. So kommt das Schütteln der Schultern, das Beugen des gesamten Körpers und die X-Beine aus den Tänzen ehemaliger Sklavenarbeiter in den USA und Südamerika. Der Shimmy, bei dem der Körper von Kopf bis Fuß mit Hilfe der Bauchmuskeln geschüttelt wird, der Bumb, bei dem der Unterleib abrupt nach vorn gestoßen wird, der Grind, das Kreisen der Hüften, das Muskelzucken und das Stolzieren – sie alle gingen aus den Tänzen hervor, die die Amerikaner auf der Weltausstellung in Chicago 1893 gesehen hatten.

Als der Tanz etwa 1920 nach Europa gelangte, gaben ihm französische Tanzlehrer sittsamere Tanzfiguren. Hier verdrängte der Shimmy dann den bis dahin seit 1918 beliebten Modetanz Jazz. Er ist ein sogenannter „Platztanz“, die Schritte werden auf kleinstem Raum ausgeführt.

Beispiele für Shimmymusik[Bearbeiten]

  • Ausgerechnet Bananen (Silver & Cohn) [1] Kapelle Bernard Etté 1924
  • Tutankhamen-Shimmy (Jara Benes) Efim Schachmeister mit seinem Künstler-Ensemble 1924
  • Bubikopf-Shimmy (Kollo) [2] Tanz-Orchester "Sascha Elmo" [d.i. Efim Schachmeister] 1924

Es gab auch Kombinationen wie Shimmy-Fox oder den Shimmy-Blues:

Bei der Hindemith-Suite (1922) gibt es einen Shimmy. Auch bei Martinu („Marionetten“) und bei Ervín Schulhoffs Partity pro klavír ("Shimmy-Jazz").

Um den Shimmy entwickelte sich ein regelrechter Modestil. Beliebt bei den Tänzern waren auch die weißen und beigen spitzen Shimmyschuhe[2].

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Merighi: Wandel des Musikgeschmacks der österreichischen Jugend von 1900 bis 1950, Grin Verlag, 2007, ISBN 3638685209[3]
  • Astrid Eichstedt, Bernd Polster: Wie die Wilden. Tänze auf der Höhe ihrer Zeit 144 Seiten, Rotbuch-Verlag, Berlin 1985.
  • Fred Ritzel : Hätte der Kaiser Jazz getanzt ..., US-Tanzmusik in Deutschland vor und nach dem Ersten Weltkrieg, in: Sabine Schutte (Hrsg.): Ich will aber gerade vom Leben singen ... / über populäre Musik vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ende der Weimarer Republik, rororo-Sachbuch 7793, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1987. ISBN 3-499-17793-5

Weblink[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.return2style.de/tanz.htm#shi
  2. http://shimmy-royal.de/was-zieh-ich-blos-an/
  3. Andreas Merighi:Wandel des Musikgeschmacks der österreichischen Jugend von 1900 bis 1950, Grin Verlag, 2007, ISBN 3638685209, Seite 50f