Shin Dong-hyuk

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Shin Dong-hyuk (2014)
Koreanische Schreibweise
Chosŏn’gŭl 신동혁
Hancha 申東赫
Revidierte Romanisierung Sin Dong-hyeok
McCune-Reischauer Sin Tonghyŏk
siehe auch: Koreanischer Name

Shin Dong-hyuk (* 1982 im Internierungslager Kaech’ŏn in Nordkorea) ist ein koreanischer Menschenrechts-Aktivist.[1][2] Er ist der einzige Flüchtling, der aus einem vollkommen von der Außenwelt isolierten Lager für politische Gefangene entkommen konnte.[3] Er hat gegenüber Menschenrechtsorganisationen ausgesagt,[4] um auf die Situation der Menschen im Internierungslager Kaech'ŏn[5] und zahlreichen ähnlichen Lagern in Nordkorea aufmerksam zu machen.

Biografie[Bearbeiten]

Diese Version entspricht der, die Shin Dong-hyuk nach seiner Flucht berichtet hat. Im Januar 2015 räumte Shin ein, dass er einige Aspekte und Details seiner Lebensgeschichte falsch dargestellt hatte.[6][7]

Shin Dong-hyuk wurde im Internierungslager Kaech’ŏn geboren, in dem Gefangene zur lebenslangen Zwangsarbeit festgesetzt werden und durchschnittlich im Alter von 45 Jahren sterben.[2][3] Shins Eltern wurden nach einem Arrangement verheiratet und durften als Belohnung für gute Arbeit mehrmals pro Jahr Geschlechtsverkehr haben.[2][3] Shin, der bis zum Alter von 12 Jahren bei seiner Mutter lebte, hatte nur wenige Kontakte zu seinem Vater, der in einem anderen Teil des Lagers lebte.[2] Er sah seine Mutter als Konkurrentin um die geringen Nahrungsrationen[3] und hatte keine Bindung zu seinen Eltern oder seinem Bruder.[8] Das Wachpersonal erklärte Shin, dass er eingesperrt sei, da seine Eltern Verbrechen gegen den Staat begangen hätten und dass er hart arbeiten und stets den Wächtern folgen müsste, andernfalls würde er bestraft oder hingerichtet werden.[1] Shin erlebte regelmäßige Gewalt im Lager[9] und beobachtete dutzende Hinrichtungen pro Jahr.[1] Ein Aufseher schnitt Shin einen Teil eines Fingers als Strafe für das Fallenlassen einer Nähmaschine ab.[10] Er beobachtete regelmäßige Übergriffe auf erwachsene und minderjährige Gefangene.[11][12] Shin gab an, dass er versuchte, einerseits durch das Essen von Ratten, Fröschen und Insekten, andererseits durch die Denunziation anderer Gefangener in der Hoffnung auf Belohnungen zu überleben.

Im Alter von 14 Jahren hörte Shin ein Gespräch zwischen seiner Mutter und seinem Bruder, die einen Fluchtversuch planten. Gemäß den ihm erteilten Instruktionen meldete er dies der Lageraufsicht.[2] Die Denunziation wurde nicht honoriert, Shin wurde mehrere Tage von Wächtern gefoltert, um weitere Informationen zu erhalten.[2][3] Im Rahmen der Folterungen wurde ein Holzkohlenfeuer unter seinem Rücken entzündet, während ein Wächter einen Haken in seinen Rücken trieb, um ihn an der Bewegung zu hindern.[13] Diese Maßnahmen fügten Shin dauerhafte Gesundheitsschäden zu.[14] Am 29. November 1996 wurde Shin dazu gezwungen, der öffentlichen Exekution seiner Mutter und seines Bruders beizuwohnen.[3][15][16] Shin war zum damaligen Zeitpunkt überzeugt, dass seine Mutter zu Recht getötet würde und erkannte die ganze Tragweite seines Handelns erst zu einem späteren Zeitpunkt.[2][3]

2005 gelang Shin die Flucht.[1]

Am 29. März 2012 erschien das Buch Escape from Camp 14: One Man's Remarkable Odyssey from North Korea to Freedom in the West des Journalisten Blaine Harden über Shins Leben in Gefangenschaft, seine Flucht und seine Zeit danach.[17] Am 14. September 2012 erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel Flucht aus Lager 14 bei der Deutschen Verlags-Anstalt.[18] Im November 2012 lief der Film Camp 14 – Total Control Zone in den Kinos an.[19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Blaine Harden: How one man escaped from a North Korean prison camp. In: The Guardian. 16. März 2012, archiviert vom Original am 29. März 2012, abgerufen am 29. März 2012.
  2. a b c d e f g  Blaine Harden: Escape from Camp 14: One Man’s Remarkable Odyssey from North Korea to Freedom in the West. 29. März 2012, ISBN 978-1-101-56126-3, S. 224.
  3. a b c d e f g Blaine Harden discussed his historical narrative Escape From Camp 14: One Man's Remarkable Odyssey from North Korea to Freedom in the West. Q&A with Blaine Harden, 11. April 2012. C-SPAN video library.
  4. UNHCR Refworld: Korean gulag escapee speaks out
  5. Life Funds for North Korean Refugees (NGO): I was a Political Prisoner at Birth in North Korea
  6. Choe Sang-hun: Prominent North Korean Defector Recants Parts of His Story of Captivity. In: The New York Times. 18. Januar 2015, abgerufen am 25. Januar 2015.
  7. [1]
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe Hidden Gulag – Exposing Crimes against Humanity in North Korea’s Vast Prison System. In: The Committee for Human Rights in North Korea. S. 48–51, abgerufen am 20. September 2012 (PDF; 5,5 MB).
  9. Political Prison Camps in North Korea Today. 3.3.3 Penalty System for Prisoners. In: Database Center for North Korean Human Rights. 15. Juli 2011, S. 261, abgerufen am 30. Mai 2012 (PDF; 3,8 MB).
  10. Political Prison Camps in North Korea Today. 3.3.3 Penalty System for Prisoners. In: Database Center for North Korean Human Rights. 15. Juli 2011, S. 289, abgerufen am 30. Mai 2012 (PDF; 3,8 MB).
  11. Political Prison Camps in North Korea Today. 4.4.4 Minimum Age for Labor and Labor for the Old and the Weak. In: Database Center for North Korean Human Rights. 15. Juli 2011, S. 422, abgerufen am 30. Mai 2012 (PDF; 3,8 MB).
  12. Political Prison Camps in North Korea Today. 4.4.5 Supervision of Labor. In: Database Center for North Korean Human Rights. 15. Juli 2011, S. 425, abgerufen am 30. Mai 2012 (PDF; 3,8 MB).
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBorn and Raised in a North Korean Prison Camps. In: ABC News. 30. Oktober 2007, abgerufen am 26. März 2012.
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMedical Report and History of Shin Dong-hyuk. In: Life Funds for North Korean Refugees. 9. Juli 2007, abgerufen am 26 März 2012.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChoe Sang-Hun: Born and raised in a North Korean gulag. In: The New York Times. 9. Juli 2007, archiviert vom Original am 29. März 2012, abgerufen am 29. März 2012.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEscapee Tells of Horrors in North Korean Prison Camp. In: Washington Post. 11. Dezember 2008, abgerufen am 18.01.13.
  17. Escape from Camp 14 – Reviews auf der offiziellen Webseite des Autors
  18. Flucht aus Lager 14 auf der offiziellen Webseite des Verlages
  19. Camp 14
Koreanischer Name Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Vornamen der Person gesetzt. Dies ist die übliche Reihenfolge im Koreanischen. Shin ist hier somit der Familienname, Dong-hyuk ist der Vorname.