Shock and Awe
Shock and Awe (S&A) (auf dt. „Schrecken und Ehrfurcht“) bezeichnet eine Taktik, deren Ziel es ist, durch eine oder mehrere auf Schockwirkung ausgelegte militärische Maßnahme(n) den Gegner so zu verunsichern, dass es zu keinen nennenswerten Verteidigungsmaßnahmen kommt. Die Massenmedien verbreiteten den Terminus vor allem aufgrund seiner Verwendung durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten im Irakkrieg.
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[Bearbeiten] Als militärische Taktik
S&A dient als militärische Taktik stets der Vorbereitung eines Bodenangriffs, als strategisches Konzept (wie z. B. im Irak-Krieg durch die US-Armee) ist der Zweck eine allgemeine Demoralisierung der gesamten Verteidigungsbereitschaft (z. B. Flächenbombardierung, Sperrfeuer, Flammenwerfereinsatz oder Druckbomben).
Der Begriff selbst wurde im Irak-Krieg durch den Generalstab geprägt, die Anwendung der Taktik ist aber deutlich älter. Die Vorbereitung eines Sturmangriffs im Ersten Weltkrieg wurde stets durch ein massives Trommelfeuer eingeleitet. Dieses sollte primär den Gegner aus den eigentlichen Verteidigungsstellungen der Gräben, in die Schutz gebenden Unterstände vertreiben und demoralisieren. Des Weiteren wurden Flammenwerfer eingesetzt, um gezielt Bunkerbesatzungen einzuschüchtern und zur Aufgabe zu zwingen.
Ein Beispiel für ein Versagen des strategischen Ansatzes ist in der Bombardierung Englands durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg zu finden. Die englische Zivilbevölkerung sollte durch diese Angriffe demoralisiert werden. Von Einzelfällen abgesehen, ist dies nicht gelungen, sondern hat den Widerstandswillen nur noch gestärkt. Genauso hatte das Moral Bombing der Engländer keinen Erfolg, sie sollte auch die deutsche Zivilbevölkerung demoralisieren, sie wurde aber auch nur gestärkt.
Schon früher wurden ähnliche Methoden angewendet, um den Gegner in Schrecken zu versetzen und seinen Kampfeswillen zu schwächen, allerdings waren diese limitiert durch die damaligen Möglichkeiten. Germanen und Gallier trommelten auf ihre Schilde, Samurai trugen Masken und Helme, die Furcht erregen sollten.
Als Vater von "shock and awe" kann man den deutschen Oberstleutnant Georg Bruchmüller bezeichnen. Er war bei Beginn des ersten Weltkrieges aus dem Ruhestand geholt worden und meinte: "Entscheidend für die Wirkung des Artilleriefeuers ist nicht so sehr die Zahl der auf den Feind geworfenen Granaten, als die Kürze der Zeit, in der dies geschieht."
Er hatte auch verstanden, dass tagelanges Beschießen eines Frontabschnittes dem Gegner ankündigte, dass bald eine Offensive folgen würde. Es erschien möglich, den Feind in wenigen Stunden mit einem Geschosshagel zu lähmen. Um den Überraschungseffekt zu vergrößern, ließ Bruchmüller zudem auf das langwierige Einschießen verzichten und die Ziele vorab berechnen sowie die Art der Geschosse genau festlegen. Mit dieser Taktik durchbrachen die Deutschen unter Bruchmüllers Leitung die russische Front vor Riga und auch die italienische bei Caporetto. Ludendorff holte Bruchmüller an die Westfront. Dort ließ "Durchbruchmüller" auf einer Frontlänge von 80 Kilometern im Schnitt 100 Geschütze pro Kilometer auffahren.[1]
Ziele des Artillerie-Beschusses waren es, der Infanterie Geländegewinne zu erleichtern bzw. ermöglichen (z.B. Frontstellungen und feindliche Geschütze zerstören) und das Zerstören feindlicher Kommunikationseinrichtungen.
[Bearbeiten] Als politische Taktik
Der Begriff wird von einigen Autoren (u.a. Gerhard Wisnewski, Mythos 9/11, S.222) auch für Maßnahmen gegen die eigene Bevölkerung verwendet. So hätten die Nationalsozialisten den Schockzustand in der Bevölkerung nach dem Reichstagsbrand oder die US-Regierung nach den Angriffen vom 11. September dazu ausgenutzt, unpopuläre politische Maßnahmen wie Kriege oder eine Ausweitung der Überwachung durchzusetzen. Der traumatisierte und hilflose Zustand der Menschen nach katastrophalen Ereignissen macht sie demnach besonders empfänglich für bestimmte propagandistische Botschaften, Feindbilder oder eine Neuausrichtung.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ spiegel.de: Wir hauen ein Loch hinein. Zitat: "Der Orkan brach los", beschrieb der Schriftsteller und Leutnant Ernst Jünger, der einen Stoßtrupp führte, den Beginn der Michael-Offensive in den Morgenstunden des 21. März. "Ein flammender Vorhang fuhr hoch, von jähem, nie gehörten Aufbrüllen gefolgt. Ein rasender Donner, der auch die schwersten Abschüsse in seinem gewaltigen Rollen verschlang, ließ die Erde erzittern. Das gigantische Vernichtungsgebrüll der unzähligen Geschütze hinter uns war so furchtbar, dass auch die größten überstandenen Schlachten dagegen ein Kinderspiel erschienen."