Shortit

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Shortit
Shortite-20226.jpg
Shortitkristalle aus dem Steinbruch Poudrette (Demix, Uni-Mix, Desourdy), Mont Saint-Hilaire, Kanada (Größe: 3,0 x 2,9 x 1,6 cm)
Chemische Formel

Na2Ca2[CO3]3[1]

Mineralklasse Carbonate und Nitrate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
5.AC.25 (8. Auflage: V/B.05) nach Strunz
14.04.01.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-pyramidal; mm2[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) Amm2 (Raumgruppen-Nr. 38)
Farbe farblos, weiß, hellgelb bis dunkelgelb
Strichfarbe
Mohshärte 3 bis 4,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,629 ; berechnet: 2,620[3]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig
Spaltbarkeit deutlich nach {010}[3]
Bruch muschelig
Habitus tafelige bis kurzprismatische Kristalle
Häufige Kristallflächen (100), (100), (011), (011), (001)[3]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,531 nβ = 1,555 nγ = 1,570[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,039[4]; zweiachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich
Besondere Kennzeichen hellbernsteinfarbene Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht

Shortit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate). Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Na2Ca2[CO3]3[1], ist also chemisch gesehen ein Natrium-Calcium-Carbonat.

Shortit entwickelt tafelige bis kurzprismatische Kristalle von mehreren Millimetern Dicke mit typischerweise hemimorphem, keilförmigem bzw. schneidenartigem Habitus mit glasähnlichem Glanz. In reiner Form ist Shortit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine hellgelbe bis dunkelgelbe Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Unter kurzwelligem UV-Licht zeigen manche Shortite eine hellbernsteinfarbene Fluoreszenz.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Shortit in der Green-River-Formation im Sweetwater County des US-Bundesstaates Wyoming. Das Typmaterial wurde den aus dem Tonschiefer entnommenen Bohrkernen mit der Bezeichnung „John Hay Jr. Well No. 1“ entnommen, die aus einer Tiefe zwischen 1258 und 1805 Fuß stammen (entspricht etwa 383 bis 550 Meter). Beschrieben wurde das Mineral 1939 durch Joseph J. Fahey, der das es nach Professor Dr. Maxwell N. Short von der University of Arizona benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Shortit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Carbonate [CO3]2− ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Eitelit, Fairchildit, Gregoryit, Juangodoyit, Nyerereit, Bütschliit und Zemkorit die unbenannte Gruppe V/B.05 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Shortit in die Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse) und dort ebenfalls in die Abteilung der „Carbonate ohne weitere Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Elementgruppenzugehörigkeit der Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Alkali- und Erdalkali-Carbonate“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 5.AC.25 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Shortit wie die alte Strunz-Systematik in die Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Carbonate“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 14.04.01 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien Carbonate mit zusammengesetzter Formel A2+B2+2(CO3)4“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Farbloser Shortit in Sandstein aus der Green-River-Formation, Wyoming, USA (Gesamtgröße der Stufe: 7 x 6 x 4 cm)

Shortit bildet sich in salzführenden Schichten von dolomitischem Mergel (Green-River-Formation, USA), kommt aber auch in Kimberlit-Dykes (Kanada), Karbonatiten und alkalischen Massiven (Kola, Russland) vor. Als Begleitminerale treten unter anderem Albit, Apatit, Barentsit, Calcit, Magnetit, Nahcolith, Natrit, Natrolith, Olivin, Perowskit, Phlogopit, Pyrit, Trona und Villiaumit auf.[3]

Als seltene Mineralbildung konnte Shortit bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen, wobei rund 30 Fundorte als bekannt gelten.[5] Neben seiner Typlokalität Green-River-Formation in Wyoming trat das Mineral in den Vereinigten Staaten noch in den angrenzenden Bundesstaaten Colorado und Utah auf, wo es in mehreren Bohrkernen gefunden wurde, die an verschiedenen Orten des Piceance-Becken bzw. der darin liegenden Green River Formation und des Indian Canyon entnommen wurden.[4]

Weitere Fundorte sind die „Upper Canada Gold Mine“ nahe Gauthier (Ontario) und der Steinbruch „Poudrette“ am Mont Saint-Hilaire (Québec) in Kanada, die „Anpeng Mine“ im Kreis Tongbai in der chinesischen Provinz Henan, der „Venkatampalle Kimberlit“ im indischen Distrikt Anantapur, Daldyn in Ostsibirien, mehrere Fundpunkte auf der russischen Halbinsel Kola, der Gletscher Dara-i-Pioz (Darai-Pioz) im Alai-Gebirge in Tadschikistan und Sukulu in Uganda.[4]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Shortit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Amm2 (Raumgruppen-Nr. 38) mit den Gitterparametern a = 4,95 Å; b = 11,03 Å und c = 7,11 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph J. Fahey: Shortite, a new carbonate of sodium and calcium, in: American Mineralogist, Band 24 (1939), S. 514-518 (PDF 258,7 kB)
  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 542.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shortite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 291.
  2. Webmineral - Shortite
  3. a b c d Shortite, in: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 65,8 kB)
  4. a b c d Mindat - Shortite
  5. Mindat - Shortite