Shugendō

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Shugendō (jap. 修験道; etwa: „Weg (Dao) des Trainings von Wunderkräften“) ist eine alte japanische, synkretistische Religion. Die Anhänger des Shugendō, Shugenja (修験者, „Shugen-Person“) oder Yamabushi (山伏, „in den Bergen verborgen“ bzw. wörtl. „Bergkrieger“ – vgl. hierzu: Bushi und Bushidō) genannt, vollziehen magisch-religiöse Rituale und asketische Praktiken in den Bergen, die das sokushin-jōbutsu (Buddha-Werden in diesem Leben) und das Erlangen von übernatürlichen Fähigkeiten zum Ziel haben. Diese Fähigkeiten werden zum Wohl der Bevölkerung, beispielsweise in Form von Wahrsagerei eingesetzt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des Shugendō beginnt in den Gebirgen Honshūs. Während der Asuka-Zeit begaben sich hier erstmals buddhistische Mönche und religiöse Laien in die Berge, um asketische und magisch-religiöse Praktiken auszuüben. Der berühmteste unter ihnen war der legendäre En-no-Gyōja, der Ende des 7. Jahrhunderts gelebt haben soll. Durch Askese auf dem Berg Katsuragi soll er übernatürliche Fähigkeiten erlangt und später an vielen heiligen Bergen Shugendō-Zentren gegründet haben. Er wird als Gründer des Shugendō verehrt.[2][3] Während der frühen Heian-Zeit stieg die Zahl der Shugenja, u.a. infolge der Gründung der esoterisch-buddhistischen Shingon-Schule durch den Mönch Kūkai, sowie der Gründung der buddhistischen Tendai-Schule durch den Mönch Saichō, stark an.[4] Beide Mönche praktizierten die Bergaskese des Shugendō und viele ihrer Anhänger folgten ihrem Beispiel.[5]

Während des japanischen Mittelalters entwickelten sich die beiden Hauptlinien des verschult organisierten Shugendō, der Tōzan-ha Zweig (verbunden mit der buddhistischen Shingon-Schule) und der Hozan-ha Zweig (verbunden mit der buddhistischen Tendai-Schule). Außer den beiden Hauptzweigen bildeten sich noch einige unabhängige, regional begrenzte Nebenzweige, beispielsweise am Berg Hiko auf der Insel Kyūshū und am Berg Haguro (in der heutigen Präfektur Yamagata).[6]

Im Jahr 1613 der Edo-Zeit wurde das Shugendō Hatto erlassen, ein Gesetz, welches die Tōzan-ha und Hozan-ha offiziell anerkannte und vorsah, dass sich alle anderen Shugenja einem dieser beiden Zweige anschließen sollten.[7]

In der Meiji-Zeit wurde die Religion dann im Rahmen des Shinbutsu-Bunri verfolgt und schließlich 1872 verboten. Im Schrein-Shintō wurden jedoch weiterhin einige der Shugendō-Feste gefeiert. Einige Traditionen wurden im Sekten-Shintō fortgeführt, so von der Fusō-kyō (扶桑教; betet nur die drei erstgenannten Kami im Kojiki an), der Jikkō-kyō (實行教, vereinfacht 実行教; gegründet von Takekuhi Fujiwara (1541-1646) und verbreitet von Hanamori Shibata (1809-1890)) und die Mitake-kyō (auch Ontake-kyō (御嶽教); betet vor allem Kuni-toko-tachi, Ō-namuchi und Sukuna-hikona an, Hauptübungsplatz ist der Ontake-san in Nagano), von denen sich in der Folgezeit mehrere dutzend neue religiöse Bewegungen abspalteten. Erst mit der gesetzlichen Bestimmung über religiöse Körperschaften von 1945 (shūkyō hōjinrei) wurde Shugendō wieder öffentlich aktiv, zum ersten Mal in seiner Geschichte auch eigenständig und ohne die buddhistischen Schulen, unter deren Schirmherrschaft die einzelnen Erblinien des Shugendō bislang gestanden hatten.

Heute gehören zu den Hauptzweigen des Shugendō die Shingonshū Daigo-ha, Hozan Shugenshū, Kinbusen Shugen Honshū und Haguro Shugen Honshū.[8]

Stätten[Bearbeiten]

Die drei Hauptübungsstätten des Shugendō sind die Berge Ōmine und Kumano im Kii-Gebirge (zentrale Orte der Tōzan-ha und Honzan-ha), sowie das Dewa-Gebirge (zentraler Ort der Haguro-ha). Es gibt aber eine ganze Reihe weiterer heiliger Berge, in denen Shugendō praktiziert wird, wie z. B. der Kimpu-san (höchste Erhebung des Yoshino-Gebirges) in Yoshino, der Fujisan und der Ontake-san in Nagano, die allerdings über keine wesentliche Infrastruktur verfügen.

Wichtig sind auch die drei heiligen Stätten von Kumano (Kumano Hayatama-Taisha, Kumano Hongū-Taisha, Kumano Nachi-Taisha).

Gottheiten[Bearbeiten]

Die synkretistische Grundlage des Shugendō zeigt sich in den verehrten Gottheiten, die ihrerseits Anteile anderer religiöser Strömungen haben. Dazu zählt zunächst die Hauptgottheit, Fudō Myō-ō, die buddhistischen Ursprungs ist. Weitere buddhistische Gottheiten im Shugendō sind die vier Mantrakönige (明王, Myō-ō), die Yashas, die Gohō, Kannon, Kongō Dōji und Daikoku.

Wichtige Gottheiten (Kami) des Shintō im Shugendō sind Inari, Hiei Sannō, Gion, die drei Sumiyoshi-Kami, Kaga, Kasuga, Gottheiten der Straßen und Wegkreuzungen (dōsojin), Katte und Komori, sowie Gottheiten des shintō-buddhistischen Synkretismus (shinbutsu shūgō): Haguro Gongen und Zaō Gongen (蔵王権現).

Zu den aus dem Daoismus übernommenen Gottheiten zählen der Nordstern, Konjin und Kōshin.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MIYAKE, Hitoshi (2001): Shugendō: Essays on the Structure of Japanese Folk Religion. Ann Arbor: Center for Japanese Studies, The University of Michigan, S.13
  2. EARHART, H. Byron (1989): Mount Fuji and Shugendo. In: Japanese Journal of Religious Studies 16, 2-3, S. 95, 208-209
  3. SWANSON, Paul L. (1981): Shugendo and the Yoshino-Kumano Pilgrimage: An Example of Mountain Pilgrimage. In: Monumenta Nipponica. Sophia University 36, 1, S. 56
  4. EARHART, H. Byron (1989): Mount Fuji and Shugendo. In: Japanese Journal of Religious Studies 16, 2-3, S. 209
  5. SWANSON, Paul L. (1981): Shugendo and the Yoshino-Kumano Pilgrimage: An Example of Mountain Pilgrimage. In: Monumenta Nipponica. Sophia University 36, 1, S. 56
  6. EARHART, H. Byron (1989): Mount Fuji and Shugendo. In: Japanese Journal of Religious Studies 16, 2-3, S. 95-96
  7. MIYAKE, Hitoshi (2001): Shugendō: Essays on the Structure of Japanese Folk Religion. Ann Arbor: Center for Japanese Studies, The University of Michigan, S.31-32
  8. SEKIMORI, Gaynor (2002): Shugendō: The State of the Field. In: Monumenta Nipponica. Sophia University 57, 2, S. 211

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernard Faure, D. Max Moerman, Gaynor Sekimori, ed.: Shugendō: The History and Culture of a Japanese Religion. Cahiers d'Extrême-Asie, vol. 18, 2012. ISBN 978-2-8553-9123-6.
  • Hartmut O. Rotermund: Die Yamabushi : Aspekte ihres Glaubens, Lebens und ihrer sozialen Funktion im japanischen Mittelalter. Cram, de Gruyter u. Co., Hamburg, 1968.
  • Hitoshi Miyake: Shugendō: Essays on the Structure of Japanese Folk Religion. Center for Japanese Studies, The University of Michigan, Ann Arbor, 2001.
  • Hakim Aceval: Cyber-Yamabushi: En-no-Gyôja im japanischsprachigen Internet (www): Traditionelle religiöse Konzepte im Internet am Beispiel eines altjapanischen Religionsstifters. Vdm Verlag, 2007, ISBN 3836450909

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shugendō – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien