Sibylle Berg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sibylle Berg (2011)

Sibylle Berg (* 2. Juni 1962 in Weimar) ist eine deutsch-schweizerische Schriftstellerin und Dramatikerin. Sie schreibt Romane, Essays, Kurzprosa und Theaterstücke.

Leben[Bearbeiten]

Sibylle Berg wurde 1962 als Tochter eines Musikprofessors und einer Bibliothekarin in Weimar geboren. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie fünf Jahre alt war. Aufgrund der Alkoholkrankheit ihrer Mutter wuchs Berg einige Jahre bei entfernten Verwandten, zwei Musikprofessoren[1] auf. Von ihrem 10. bis zu ihrem 20. Lebensjahr lebte sie wieder bei ihrer Mutter.[2]

Nach der Schule machte sie eine Ausbildung als Puppenspielerin. Sie verlor 1984 ihren Arbeitsplatz am Naumburger Puppenspieltheater, als bekannt geworden war, dass sie aus der DDR ausreisen wollte; noch im selben Jahr wurde ihr Ausreiseantrag bewilligt, und sie konnte in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln. Während ihres Aufenthaltes im Auffanglager in Berlin-Marienfelde beging ihre Mutter (in Weimar) Selbstmord.[2][3]

Berg verließ Berlin für einen dreimonatigen Kurs in der Tessiner Schule für Artisten Scuola Teatro Dimitri. Wieder zurück lebte sie von Sozialhilfe, bevor sie nach Hamburg zog, wo sie in verschiedenen Berufen arbeitete (unter anderem als Gärtnerin, Putzfrau, Sekretärin, Vertreterin) und anfing, zu schreiben.[2] Fortwährend arbeitete sie als Autorin für verschiedene Magazine. Und nach einigen vergeblichen Anläufen erschien 1997 ihr erster Roman Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot[4], der ein von der Kritik unterschiedlich bewerteter (beispielsweise eher kritisch in der F.A.Z.[5], eindeutig positiv im Spiegel[6]) Publikumserfolg wurde.

Bereits 1996 war Sibylle Berg in die Schweiz umgesiedelt - in ihre erklärte Lieblingsstadt[7][8] Zürich. Seit 2004 ist sie verheiratet.[9][10] Im August 2012 gab sie bekannt, dass sie die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten hat.[9]

Seit 2013 hat Sibylle Berg einen Lehrauftrag an der Zürcher Hochschule der Künste im Bereich Dramaturgie.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Den Roman Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot bot sie Verlagen zur Veröffentlichung an. Nach rund 50 Absagen [2] erschien er 1997 im Reclam-Verlag Leipzig und verkaufte sich über hunderttausendmal. Berg gestaltete ihn zu ihrem ersten Bühnenwerk um, das 1999 in Stuttgart am Theater Rampe Premiere hatte [13] und in Folge auch beim Theaterfestival Stücke 2000 in Oberhausen gespielt wurde[14].

Als Romanautorin hat sie mehrmals den Verlag gewechselt, zuletzt erschienen bei Hanser 2009 ihr Roman Der Mann schläft, 2012 Vielen Dank für das Leben und 2015 Der Tag, als meine Frau einen Mann fand.[15]. Sibylle Bergs Werke wurden in 34 Sprachen übersetzt.[16]

Bergs Figuren werden als „prall gefüllt mit unerfüllbaren Sehnsüchten, in gruseligen Beziehungen lebend und mit unzulänglichen Körpern ausgestattet“, die sie „durch das Fitnessstudio des real existierenden Neoliberalismus jagte und erbarmungslos scheitern ließ“ beschrieben.[2]

Durch ihren erfolgreichen Erstlingsroman stieg die Nachfrage nach Berg als Autorin für Zeitungen und Zeitschriften. Sie schrieb und schreibt Reisereportagen, Künstlerporträts und Glossen unter anderem für Marie Claire, Allegra, das Schweizer Magazin, die Zeit[17], die Neue Zürcher Zeitung, oder Die Presse[18].

Seit Januar 2011 schreibt Berg für Spiegel Online die Kolumne S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle.[19]

Auf ihren Lesetouren lässt sich Berg regelmäßig von Schauspielern und Musikern begleiten. So beispielsweise 2012 für ihr Buch Vielen Dank für das Leben von Katja Riemann, Matthias Brandt und der Musikerin und Künstlerin Mariya Ocher oder 2015 für Der Tag, als meine Frau einen Mann fand von Christian Ulmen, August Zirner, Jan Böhmermann und der Band Kreidler.[20][21]

Für die Schweizer Sängerin Sina hat Sibylle Berg zwei Songtexte verfasst[22], und den Text Speed für Phillip Boa and the Voodooclub [23], eine Band, die neben Rammstein oder Element of Crime auch auf ihrem Hörbuch Sex II zu hören ist.

Prosa[Bearbeiten]

Als Herausgeberin[Bearbeiten]

Theaterstücke, Hörspiele[Bearbeiten]

  • Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot. UA: Theater Rampe in Stuttgart, 1999
    • Als Hörspiel (Audio-CD): Dhv der Hörverlag, München 2003
  • Helges Leben. UA: Bochum, 2000
  • Hund, Frau, Mann. UA: Theater Rampe, 2001
  • Herr Mautz. UA: Oberhausen, 9. März 2002, Regie: Klaus Weise, für Hauptdarsteller Rolf Mautz geschrieben
  • Schau da geht die Sonne unter. UA: Bochum, Frühjahr 2003
  • Das wird schon. Nie mehr Lieben! UA: Bochum, Herbst 2004
    • Hörspielfassung bearbeitet von Wolfgang Stahl, NDR 2006: Erstausstrahlung am 5. Juli 2006 im NDR
  • Wünsch dir was. Ein Musical. UA: Schauspielhaus Zürich, 2006
    • Buchausgabe in: Vier Stücke (mit Helges Leben, Schau da geht die Sonne unter und Das wird schon). Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-020168-8
  • Hongkong Airport 23.45. Hörspiel, WDR 2007, 73 Min. Regie: Claudia Johanna Leist
  • Von denen, die überleben. UA: Schauspielhaus Zürich, 2008
  • Die goldenen letzten Jahre. UA: Theater Bonn, 2009
  • Nur Nachts. UA: Wiener Akademietheater, 26. Februar 2010, Regie: Niklaus Helbling
  • Hauptsache Arbeit! UA: Staatstheater Stuttgart, März 2010
  • Missionen der Schönheit. UA: Staatstheater Stuttgart, 30. September 2010, Regie: Hasko Weber
  • Lasst euch überraschen! Ein Weihnachtsstück. UA: Theater Bonn, 3. Dezember 2010
  • Der Mann schläft. Hörspiel. Bearbeitung und Regie: Leonhard Koppelmann, Erstausstrahlung am 12. Mai 2010 im NDR
  • Die Damen warten. UA: Theater Bonn, 15. Dezember 2012, Regie: Klaus Weise
  • Angst reist mit. UA: Staatstheater Stuttgart, 23. März 2013, Regie: Hasko Weber, Sibylle Berg
  • Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen. UA: Maxim-Gorki-Theater, 23. November 2013, Regie: Sebastian Nübling. [26]
  • Viel gut essen, von Frau Berg, UA Halle Kalk des Schauspiel Köln, 18. Oktober 2014, Regie: Rafael Sanchez[27]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sibylle Berg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://weimar.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/kultur/detail/-/specific/Schriftstellerin-Sibylle-Berg-im-Interview-ueber-Weimar-1577502184
  2. a b c d e Daniel Schreiber: Mit dem Leben davongekommen. Porträt in: Cicero, Juli 2012, S. 100–103 (online)
  3. http://weimar.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/kultur/detail/-/specific/Schriftstellerin-Sibylle-Berg-im-Interview-ueber-Weimar-1577502184
  4. http://www.reclam.de/detail/978-3-15-021577-7/Berg__Sibylle/Ein_paar_Leute_suchen_das_Glueck_und_lachen_sich_tot
  5. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-sind-so-kleine-koepfe-11315330.html
  6. http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-8688190.html
  7. http://www.spiegel.de/reise/europa/em-stadtportraet-zueri-macht-nass-a-557381.html Zueri macht nass
  8. http://www.cicero.de/salon/mit-dem-leben-davongekommen/51397/seite/4 Seit 16 Jahren lebt sie in Zürich, der Stadt, in der sie schon immer wohnen wollte (...) In diese Stadt habe sie sich verliebt, als sie zum ersten Mal in die Schweiz kam, damals gerade aus der DDR geflüchtet.
  9. a b Fritz von Klinggräff: Schriftstellerin Sibylle Berg im Interview über Weimar. Interview in: Thüringer Allgemeine, 18. August 2012 (online)
  10. http://www.cicero.de/salon/mit-dem-leben-davongekommen/51397/seite/4 Seit acht Jahren ist sie mit einem muskulösen Glatzkopf verheiratet, den sie in Tel Aviv, ihrer Zweitheimat, kennengelernt hat.
  11. http://www.rowohlt-theaterverlag.de/autor/Sibylle_Berg.71868.html
  12. Die Höhepunkte des Jahres: Feine Unterschiede. In: kultiversum. Abgerufen am 29. August 2014.
  13. http://www.rowohlt-theaterverlag.de/autor/Sibylle_Berg.71868.html
  14. http://www.sn-herne.de/index.php?cmd=article&aid=5878
  15. http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/sibylle-berg/ Hanser Literaturverlage
  16. http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/sibylle-berg/ Hanser Literaturverlage
  17. Artikel von Sibylle Berg. In: Zeit Online, abgerufen am 9. Juni 2014.
  18. Sibylle Berg: Zu viele Weiber hocken da, das kann nichts werden. In: Die Presse, 11. Februar 2012.
  19. S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle. Spiegel Online, abgerufen am 9. Juni 2014.
  20. http://www.ikreidler.de/news.html
  21. http://www.kulturnews.de/knde/news.php?id=4315
  22. http://www.discogs.com/Sina-Marzipan/release/1350700
  23. http://www.discogs.com/Phillip-Boa-The-Voodooclub-The-Red/release/773373
  24. Stephan Maus: Sibylle Berg: „Ende gut“. In: Süddeutsche Zeitung, 14. Februar 2005. (Rezension)
  25. Neuer Roman von Sibylle Berg - Die Liebe in den Zeiten der Pornografie, Rezension von Ursula März im Deutschlandradio Kultur vom 3. Februar 2015, abgerufen 6. Februar 2015
  26. Keine Haltung, dafür aber Unterhaltung in FAZ vom 27. November 2013, Seite 29
  27. Homepage Schauspiel Köln Spielplan: Viel gut essen von Frau Berg, abgerufen am 20. Oktober 2014