Sicherheitsniederrad

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Englische Werbung für ein Sicherheitsniederrad, 1887

Als Sicherheitsniederrad (englisch safety bike) wurde der dem Hochrad folgende Fahrradtyp bezeichnet. Der Begriff sollte die wesentlichen Unterschiede zum höheren und beim Fahren unsicheren Hochrad betonen. Aus dem ab etwa 1880 sogenannten Sicherheitsniederrad mit zwei gleich großen, relativ kleinen Laufrädern wurde ohne wesentliche Änderungen das heute übliche Fahrrad. Es hat das Hochrad als vorherrschenden Fahrradtyp abgelöst, weshalb die Betonung des Sicherheitsvorteils genau wie die Bezeichnung als „Nieder-“rad anachronistisch geworden ist.

Das Niederrad wurde durch die Einführung des Kettenantriebs begünstigt. Durch die Drehzahn-Übersetzung zwischen Tretkurbeln und angetriebenem Laufrad ins Schnelle konnte auf das große, bei direktem Tretantrieb schneller vorwärts rollende Vorderrad verzichtet werden. Der über das Kettengetriebe zum Hinterrad führende Tretantrieb wurde zusammen mit dem Fahrer etwa mittig zwischen die Räder positioniert, wodurch die Lenkung des Vorderrades nicht mehr durch das Pedalieren gestört wurde, und der bereits tiefer sitzende Fahrer befand sich nicht mehr sturzgefährdet fast über einem der Laufräder.

Hochrad-Fahren war noch Kunstradsport, während das Niederrad zu einem Massenverkehrsmittel wurde.

Das Hochrad[Bearbeiten]

Neben Tennis und Bergsteigen galt das Hochradfahren in den 1870er und 1880er Jahren als eine Modesportart der Oberschicht. Hochräder verbreiteten sich damals schnell, zum Alltags- und Massenverkehrsmittel wurden sie aber nicht. Sie waren für den „kleinen Mann“ zu teuer. Hauptnachteil ist, dass sie nicht einfach zu beherrschen sind, wegen des hochliegenden Schwerpunkts waren Stürze keine Seltenheit. Mit einem Hochrad kann man auch nicht einfach anhalten, sondern muss immer gleich absteigen.

Entwicklung des Sicherheitsniederrads[Bearbeiten]

Mehrere Hersteller begannen Ende der 1870er Jahre, sicherere Fahrräder zu konstruieren. Dazu galt es zunächst, den Schwerpunkt tiefer zu legen. Voraussetzung dafür war die Entwicklung funktionstüchtiger Fahrradketten. Nur mit ihr konnte eine Übersetzung der Kurbeldrehung realisiert werden, wodurch das angetriebene Rad verkleinert werden konnte. Auch den Sitz konnte man nach hinten verlegen, was die Lage des Schwerpunkts weiter verbesserte. Ab den 1880er Jahren gab es zahlreiche Sicherheitsniederräder mit zwei gleich großen Laufrädern auf dem Markt. Zuerst wurde der Kreuzrahmen (siehe Abbildung) verwendet.

Das Niederrad wurde erst akzeptiert, als mit ihm etwa 1890 in Radrennen Siege gegen Hochräder errungen worden waren. Die Auffassung setzte sich durch, dass dieser Radtyp dem Hochrad technisch überlegen ist. Bei der 1903 erstmals ausgerichteten Tour de France wurden keine Hochräder, sondern nur Niederräder verwendet. Die Entwicklung und Verbreitung des Dunlopschen Luftreifens, mit dem kleinere Laufräder auch auf unebenem Untergrund nicht mehr benachteiligt sind, förderte die Verbreitung des Niederrads.

Weiterentwicklungen[Bearbeiten]

Als Weiterentwicklung des Sicherheitsniederrades kann das Liegerad angesehen werden. Wegen seines sehr niedrigeren Schwerpunktes kann der Liegeradfahrer praktisch nicht über den Lenker stürzen. Positiv wirkt sich auch der erheblich verringerte Luftwiderstand gegenüber dem Standard-Fahrrad aus. Die niedrige Fahrerposition vermindert allerdings den Überblick im Straßenverkehr.

Quellen[Bearbeiten]

  • Hochrad und Sicherheitsfahrrad. In: Wolfgang König (Hrsg.): Propyläen Technikgeschichte. Netzwerke, Stahl und Strom 1840–1914. Berlin 1990, S. 443–449, ISBN 3-549-05229-4