Sidi-Toui-Nationalpark

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sidi-Toui-Nationalpark
Satellitenbild, 1999. Nur im Parkgebiet konnte die ursprüngliche Graslandschaft wiederhergestellt werden, indem man die Überweidung eindämmte.
Satellitenbild, 1999. Nur im Parkgebiet konnte die ursprüngliche Graslandschaft wiederhergestellt werden, indem man die Überweidung eindämmte.
Sidi-Toui-Nationalpark (Tunesien)
Paris plan pointer b jms.svg
32.811.35Koordinaten: 32° 48′ 0″ N, 11° 21′ 0″ O
Lage: Tunesien
Nächste Stadt: Ben Gardane
Fläche: 63,15 km²
Gründung: 1991
i3i6

Der Sidi-Toui-Nationalpark (arab.: المحمية الوطنية بسيدي الطوي) ist ein Nationalpark im Süden Tunesiens, 20 km vor der Grenze nach Libyen, etwa 50 km südlich von Ben Gardane. Er besteht seit 1991, seither haben sich die Tier- und Pflanzenpopulationen deutlich erholt.

Weißer Wermut

Das Schutzgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 6.315 ha[1] und ist rundherum vom Sand der Sahara eingeschlossen. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt zwischen 100 und 150 mm; die niedrigsten Temperaturen liegen bei 5 °C, die höchsten bei 38, in der Spitze bei 50 °C. Im Gebiet bestehen keine Gewässer, sieht man von einer einzelnen Wasserstelle ab. Dort sammeln sich vor allem Vögel.

Charakteristisch sind Steppen- und Dünengebiete, der höchste Berg, der Djebel Sidi Toui, erhebt sich bis auf eine Höhe von 172 m über dem Meeresspiegel. Weißer Wermut (Artemisia herba-alba) ist die häufigste Pflanzenart in dem ariden Gebiet, hinzu kommt Rhanterium das wie der Wermut zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) zählt und ebenfalls auf der Nordseite des Djebel Sidi Toui vorkommt. Dort finden sich auch Haloxylon scoparium (frz.: saligne à balai) und Koloquinte.

Die Fauna steht vielfach unter Schutz, so Oryxantilopen, Goldschakal (Canis aureus), Rüppellfuchs, Falbkatze und Fennek. Hinzu kommen Reptilienarten wie die Dornschwanz-Agamen, aber auch das Gewöhnliches Chamäleon und verschiedene Nattern. Ebenfalls findet sich der Wüstenwaran, Agamen, oder der Mauergecko (Tarentola mauritanica). Dabei ist der Nationalpark eines von 13 Gebieten in Tunesien, in denen Antilopen vorkommen.[2]

Einige Zugvögel von den Kneïes-Inseln südöstlich von Sfax machen hier Rast, doch gibt es auch residente Arten wie Kragentrappe, Felsenhuhn, Flughühner, Kolkrabe und Rennvogel.

An Spinnen finden sich etwa Argiope lobata aus der Gattung Argiope, Webspinnen aus der Familie der Echten Radnetzspinnen, Sparrasus dufouri (frz.: araignée du désert) oder die giftige Südliche Schwarze Witwe.

Cuviergazellen, wie hier in Tunesien fotografiert, wiegen bis zu 35 kg und sind bis zu 70 cm groß.

Der Park wurde früher auch von Straußen und Kuhantilopen aufgesucht, letztere fanden sich noch 1912 zwischen Dahibah und Hamada al-Hamra in Libyen. Beide Arten gelten heute in Tunesien als ausgestorben. Die Unterart Nordafrikanische Kuhantilope (Alcelaphus buselaphus subsp. buselaphus) wurde durch intensive Jagd um 1900 ausgerottet; Pläne zur Wiedereinführung der Unterart Alcelaphus buselaphus major wurden bisher nicht ausgeführt. Sieben europäische Zoos vereinbarten, Gazellen aus ihren Beständen im Nationalpark auszusetzen, ebenso wie in zwei weiteren Parks in Mali und Niger.[3] Die Cuviergazelle (Gazella cuvieri) kam zu dieser Zeit noch in vier Gebieten Tunesiens vor, darunter im Sidi-Toui-Park. 1999 wurden 10[4] oder 14[5] Säbelantilopen (Oryx dammah) ausgesetzt.[6] Um 2000 zählte man 30 Dorkasgazellen (Gazella dorcas) im Park, einzelne Tiere wurden auch außerhalb des Schutzgebiets registriert.[7]

Die einzigen menschlichen Besucher im Park sind wenige Pilger, die zu den Grabstätten einiger Marabouts ziehen.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Nach Angaben von David P. Mallon, Steven Charles Kingswood: Antelopes. North Africa, the Middle East, and Asia, International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, Gland/Cambridge 2001, S. 32 waren es 6.135 ha.
  2. David P. Mallon, Steven Charles Kingswood: Antelopes. North Africa, the Middle East, and Asia, IUCN, 2001, S. 30.
  3. A World of Science. Natural Sciences Quarterly newsletter 5,4 (Oktober-Dezember 2007) S. 13.
  4. Sie stammten aus sechs Zoos in fünf Ländern, wie ... angibt. Bis 2001 wurden neun Kälber geboren (Environmental Governance Sourcebook, Bratislava 2003, S. 129).
  5. Die Zahlenangabe stammt aus Natalie Goldstein: Earth Almanac. An Annual Geophysical Review of the State of the Planet, Oryx Press 2002, S. 359.
  6. Sidi Toui National Park , United Nations Environment Programme.
  7. David P. Mallon, Steven Charles Kingswood: Antelopes. North Africa, the Middle East, and Asia, International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, Gland/Cambridge 2001, S. 36.
  8. Didier Genin, Henri Guillaume, Mohammend Ouessar, Azalez Ouled Belgacem, Bruno Romagny, Monghi Sgaier, Houssine Taamallah: Entre Desertification et Developpement. La Jeffara tunisienne, Tunis 2006, S. 298.