Sidney Pollard

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Sidney Pollard (eigentl. Siegfried Pollak; * 21. April 1925 in Wien; † 22. November 1998) war ein maßgeblicher britischer Sozial- und Wirtschaftshistoriker. Insbesondere sein Konzept der regionalen Industrialisierung war von nachhaltiger Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Seine Eltern gehörten dem Judentum an und hatten galizische Wurzeln. Sein Vater Moses Pollak war schon vor 1914 nach Wien gekommen. Die Mutter Leontine kam erst kurz nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges auf der Flucht vor antisemitischen Ausschreitungen in die Stadt. Der Vater war Handelsreisender, die Mutter war vor der Heirat Lehrerin gewesen. Die vergleichsweise günstigen Vermögensumstände der Familie erlaubten es, dass der Sohn das Chajes Realgymnasium besuchen konnte. Diese Privatschule versuchte ihren Schülern ein Bewusstsein für die jüdische Tradition zu vermitteln und war daher früh Ziel antisemitischer Angriffe.

Nachdem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 verlor die Familie ihre Wohnung und der Vater wurde entlassen. Der Familie gelang es, dass Pollard mit einem Kindertransport nach Großbritannien ausreisen konnte. Die Eltern mussten dagegen zurückbleiben. In England kam er zunächst auf eine Landwirtschaftsschule, die auf eine späteres Leben in einem Kibbuz in Palästina vorbereitete. Daneben belegte er Fernkurse. Im Alter von sechzehn Jahren ging Pollard nach Cambridge und arbeitete in einer Gärtnerei. Daneben setzte er die Fernkurse fort und schaffe 1943 die Aufnahme an der London School of Economics.

Zunächst meldete er sich freiwillig zur britischen Armee. In diesem Zusammenhang hat er seinen Namen anglisiert. Er blieb bis 1947 als Dolmetscher im besetzten Deutschland. Nach der Rückkehr studierte er in London Nationalökonomie und schloss das Studium bereits nach zwei Jahren erfolgreich ab. Danach promovierte er mit einer Arbeit über die Geschichte des Schiffsbaus in Großbritannien zwischen 1870 und 1914.

An der University of Sheffield lehrte er ab 1952 als Assistant Lecturer. Seit 1963 war er dort ordentlicher Professor für Wirtschaftsgeschichte. Als herausragender Wirtschaftshistoriker nahm er zahlreiche Gastprofessuren in Israel, den USA, der DDR, der Bundesrepublik Deutschland und in Australien an. Im Jahr 1971 wurde er an die University of California, Berkeley berufen. Allerdings verweigerten die Behörden ihm wegen seiner vorübergehenden Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei die unbefristete Arbeitserlaubnis. Daher lehrte er weiterhin in Sheffield.

Im Jahr 1980 übernahm er an der Universität Bielefeld den neuen Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte. Nach seiner Pensionierung in Bielefeld im Jahr 1990 kehrte er nach Sheffield zurück. Die dortige Universität ehrte ihn 1995 mit der Ehrendoktorwürde.

Werk[Bearbeiten]

Charakteristisch für seine Arbeitsweise war, dass er neben der angloamerikanischen auch die darüber hinausgehende Forschung verfolgte und sein vergleichender Ansatz. In seinen früheren Arbeiten widmete er sich insbesondere den sozialen Folgen der Industrialisierung. Ausgangspunkt war eine 1959 erschienene Arbeit zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Sheffield. Auch in der Folge bildeten Untersuchungen zur Gewerkschafts- und Genossenschaftsgeschichte einen Schwerpunkt der Arbeit. Bedeutend war Mitte der 1960er Jahre seine Forschung über die Entwicklung des modernen Managements.

Seit den 1970er Jahren hat er insbesondere die Industrialisierungsforschung stark geprägt. Er begriff die industrielle Entwicklung nicht als einen nationalstaatlichen Prozess sondern beschrieb sie als regionales Phänomen. Einen ersten Aufsatz zur regionalen Industrialisierung veröffentlichte er 1973. Im Jahr 1981 erschien sein Werk Peaceful Conquest. Mit seiner Neuinterpretation befruchtete er die Industrialisierungsforschung wie zuletzt vorher Alexander Gerschenkron. Im Jahr 1997 veröffentlichte Pollard sein Werk Marginal Europe, in der er den Niedergang früherer gewerblicher Verdichtungszonen seit dem späten Mittelalter untersuchte.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]