Sie (Stephen King)

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Sie (im englischen Original: Misery) ist ein im Jahre 1987 vom New Yorker Viking Verlag publizierter Roman des Schriftstellers Stephen King. Die deutsche Übersetzung von Joachim Körber wurde durch den Heyne Verlag im gleichen Jahr herausgegeben.

Inhalt[Bearbeiten]

Paul Sheldon ist ein berühmter Schriftsteller. Seine beliebtesten Bücher handeln von der Serienheldin Misery Chastain. Paul hasst diese Buchreihe allerdings. Als er sein neues Buch Schnelle Autos in einem von ihm immer zu diesem Zweck benutzten Hotelzimmer beendet hat, macht er sich auf in Richtung Colorado, wo er einen Verkehrsunfall erleidet und ohnmächtig wird. Im Haus der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes erwacht er aus dem Koma. Annie ist ein großer Fan des 42-jährigen Schriftstellers. Vor allem liebt sie seine Misery-Bücher. Nach einigen Tagen bemerkt Paul bei Annie Zeichen einer Geistesgestörtheit. Sie bringt Paul nicht ins Krankenhaus, sondern isoliert ihn bei sich zu Hause, ohne einer Menschenseele Bescheid zu sagen. Paul, der sich beide Beine mehrmals gebrochen hat, ist nicht in der Lage zu fliehen. Sie macht ihn süchtig nach schmerzstillenden Medikamenten und hat so Macht über ihn. Annie liest das Manuskript von Pauls neuem Buch Schnelle Autos. Es gefällt ihr nicht, da es nicht von ihrer Lieblingsheldin Misery handelt. Außerdem missfällt ihr die rohe Sprache.

Als Annie sich das neueste, gerade erschienene Misery-Buch kauft, wird sie überaus wütend, dass Paul seine Heldin Misery am Ende sterben lässt. In einem zornigen Akt der Rache zwingt sie ihn, das Manuskript Schnelle Autos zu verbrennen. Außerdem soll er für sie ein neues Misery-Buch schreiben, in dem diese wieder zum Leben erwacht. Als Annie herausfindet, dass Paul das Krankenbett in ihrer Abwesenheit verlassen hat und ein Messer versteckt hält, hackt sie ihm mit einer Axt den linken Fuß ab. Später trennt sie ihm in einem Wahnanfall mit einem elektrischen Küchenmesser den Daumen von der linken Hand. Paul schreibt das Buch, und nach etwa sechs Monaten ist es fertig. Zur Feier der Fertigstellung des Buches hat Paul ein furioses Finale geplant. Er gibt vor, mit Annie das Ereignis feiern zu wollen, bevor sie beide gemeinsam den Selbstmord wählen. Als es soweit ist, täuscht Paul vor, das Manuskript zu verbrennen, und tötet Annie in einem heftigen Kampf.

Wissenswertes / Verknüpfungen[Bearbeiten]

  • Ursprünglich planten King und der Viking-Verlag, den Roman unter dem Pseudonym „Richard Bachman“ herauszugeben, da die Publikationen unter dem Pseudonym größtenteils übernatürlicher Elemente entbehrten. Die Enttarnung durch den Buchhändler Brown führte jedoch dazu, dass Sie regulär als Stephen-King-Werk publiziert wurde.
  • 1990 wurde das Buch unter dem Originalbuchtitel „Misery“ von Regisseur Rob Reiner mit Kathy Bates und James Caan verfilmt. Der Film war ein großer Publikumserfolg und brachte Bates einen Oscar ein. Stephen King äußerte sich positiv zu dieser Adaption.
  • Stephen King wurde im Jahre 1988 für den Roman in der Kategorie „Best Novel“ mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet.
  • Nach dem Zwei-Personen-Stück Sie kam das Ein-Frau-Stück Das Spiel, woraufhin King in einer Pressekonferenz scherzhaft ankündigte, sein nächstes Buch würde The Livingroom ('Das Wohnzimmer') heißen und ohne Personen auskommen. Tatsächlich erschien mit Das Mädchen 1999 noch ein Ein-Mädchen-Stück.
  • Sie bildet den Auftakt zu einer Flut von Büchern und Geschichten von King, welche die Ängste von Schriftstellern thematisieren. Es folgten Das Monstrum, Stark – The Dark Half, Sara und Love, sowie zahlreiche Kurzgeschichten (wie etwa Der Straßenvirus zieht nach Norden aus Im Kabinett des Todes) und Novellen (z. B. Das heimliche Fenster, der heimliche Garten aus Langoliers).
  • Annie weiß von Jack Torrance, dem Hausmeister des Overlook Hotels (Shining), denn sie erzählt Paul von ihm. („Es handelte sich um ein berühmtes altes Hotel namens Overlook. Es ist vor zehn Jahren abgebrannt. Der Hausmeister hat es niedergebrannt. Er war verrückt. Jeder in der Stadt hat das gesagt.“)
  • Romane von Paul Sheldon werden von vielen Charakteren in Kings Werken gelesen: von Naomi Higgins (Der Bibliothekspolizist in Nachts), von Ellen Carver (Desperation) und auch von Rose Daniels (Das Bild), die ein Buch liest, das in Sie nicht vorkommt: Miserys Reise. Ein Hinweis, dass Paul nach seiner Tortur doch wieder Gefallen gefunden hat an seiner Misery?
  • Isolation ist ein zentrales Motiv in Kings Werk. Paul kämpft in einem abgeschiedenen Haus um sein Leben, Jessie Burlingame in einer abgelegenen Sommerhütte mitten im Herbst (Das Spiel), Donna und Tad Trenton in einem Auto (Cujo), David Drayton und andere in einem Supermarkt (Der Nebel in Im Morgengrauen), Jugendliche auf einem Floß (Das Floß in Der Gesang der Toten), die Familie Torrance in einem eingeschneiten Hotel (Shining), Reisende in einer Tankstelle (Lastwagen in Nachtschicht), Patricia McFarland im Wald (Das Mädchen), Insulaner auf einer durch einen Sturm von der Außenwelt abgeschnittenen Insel (Der Sturm des Jahrhunderts), Richard Pine ebenfalls auf einer einsamen Insel (Überlebenstyp in Der Fornit), Reisende in einem Flugzeug außerhalb der Zeit (Langoliers), Astronauten auf einem öden Wüstenplaneten (Der Dünenplanet in Der Fornit), Fletcher in einem Folterraum (gleichnamige Kurzgeschichte in Im Kabinett des Todes), die Einwohner der Kleinstadt Chester Mills, die von einer unsichtbaren Kuppel vom Rest der Welt abgeschnitten wurde (Die Arena) und, vielleicht das extremste Beispiel, Bewohner einer Straße, welche aus dem Raum-Zeit-Gefüge geschnitten ist (Regulator).

Radio Bremen und der Süddeutsche Rundfunk produzierten 1994 den Stoff unter dem Filmtitel Misery als Hörspiel mit Brigitte Janner als Annie Wilkes und Werner Rehm als Paul Sheldon.

Stephen King war jahrelang alkohol- und kokainabhängig, wobei sich King Gedanken machte, inwieweit die Sucht sein Schreiben beeinflusst. King hatte Angst, ohne Drogen nicht mehr schreiben zu können. In seinem Roman Misery sieht er seine Abhängigkeit in der Figur Annie Wilkes personifiziert. „Da wird ein Schriftsteller von einer geistesgestörten ehemaligen Krankenschwester gefangen gehalten. Sie war mein Delirium. Sie war meine Metapher für meine Sucht. Eine verrückte Krankenschwester“, erzählte Stephen King dem Spiegel-Magazin.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Und dann essen sie dich", Interview mit Stephen King in Der Spiegel, 4/2012, S. 118–122.

Literatur und Weblinks[Bearbeiten]