Sieben Jahre in Tibet (1997)

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Dieser Artikel erläutert den Film von 1997; der gleichnamige Film von 1956 wird unter Sieben Jahre in Tibet (1956) erläutert.
Filmdaten
Deutscher Titel Sieben Jahre in Tibet
Originaltitel Seven Years in Tibet
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1997
Länge 129 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Jean-Jacques Annaud
Drehbuch Becky Johnston
Produktion Jean-Jacques Annaud
Musik John Williams
Kamera Robert Fraisse
Schnitt Noëlle Boisson
Besetzung

Sieben Jahre in Tibet ist ein Spielfilm von Jean-Jacques Annaud, basierend auf Heinrich Harrers gleichnamigem Buch über seinen Aufenthalt in Tibet.

Während es im Buch größtenteils um die Lebensgewohnheiten der Tibeter und die angespannte politische Situation geht, behandelt der Film davon nur wenig, anstatt dessen wurde viel Drehzeit für Szenen verwendet, die im Buch nicht zu finden sind: Dazu zählen unter anderem Szenen mit Harrers Sohn und Aufschnaiters Vermählung mit einer tibetischen Schneiderin.

Handlung des Films[Bearbeiten]

Heinrich Harrer, ein äußerst egozentrischer österreichischer Bergsteiger, fährt, obwohl seine Frau Ingrid bereits schwanger ist, als Mitglied einer Expeditionsgruppe in den Himalaya, um dort den Berg Nanga Parbat zu besteigen. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wird er interniert und bekommt im Internierungslager einen Brief seiner Frau, die ihn um sein Einverständnis zur Scheidung bittet. Harrer kann, nach einer langen, schwierigen Flucht mit seinem Kollegen Peter Aufschnaiter nach Tibet entkommen. Er arbeitet dort an einer Karte der Hauptstadt und schreibt, von Aufschnaiter ermutigt, Briefe an seinen ihm völlig unbekannten Sohn Rolf, der mit einem anderen Mann als Vater aufwächst. Aufschnaiter heiratet indessen eine tibetische Frau.

Harrer wird von dem 14. Dalai Lama zu einer Audienz eingeladen und freundet sich mit ihm an. Auf Wunsch des jungen Dalai Lama bringt er ihm alles bei, was er über die Welt außerhalb Tibets weiß.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und im Wissen, dass die chinesischen Truppen eine Invasion in Tibet planen, will Harrer nach Österreich zurückkehren, erhält aber von seinem Sohn einen Brief, in dem dieser bestreitet, Harrers Sohn zu sein. Da er den Brief mit dem Namen von Ingrids neuem Mann unterschreibt, muss Heinrich akzeptieren, dass alle Bande zu seiner Familie zerschnitten sind.

Im Jahr 1950 wird Tibet von den Chinesen besetzt. Harrer bleibt, bis der Dalai Lama endgültig zum religiösen und weltlichen Oberhaupt Tibets ernannt ist, dann verlässt er auf dessen Drängen hin Tibet, um sich um seinen Sohn zu kümmern.

Politisches[Bearbeiten]

Für ihren Film „Sieben Jahre in Tibet“ erhielten der Regisseur Jean-Jacques Annaud sowie die Darsteller Brad Pitt, David Thewlis und Jamyang Jamtsho Wangchuk ein lebenslanges Einreiseverbot in die Volksrepublik China. [1]

Kritiken[Bearbeiten]

„Ein ausuferndes exotisches Star-Epos, das die Wandlung Harrers vom arroganten Egoisten zum Menschenfreund beschreiben will, darüber aber die Chance zu historischer und spiritueller Vertiefung verpasst. Eindrucksvolle Landschaftspanoramen sind das Beste, was der Film zu geben vermag.“

Lexikon des internationalen Films

Auszeichnungen des Films[Bearbeiten]

Filmarbeiten[Bearbeiten]

Der Film wurde hauptsächlich im Norden von Argentinien gedreht, nördlich der Stadt Mendoza in Uspallata. Dort wurde in monatelangen Vorbereitungen die heilige Stadt Lhasa aufgebaut, Mönche wurden aus Indien, über Neu Delhi, Buenos Aires, Mendoza letztlich nach Uspallata eingeflogen. Zusammen mit ihnen wurden Köche, Lebensmittel und Zutaten eingeflogen, damit sich die Schauspieler wirklich wie in der damaligen Situation fühlten.

Der Bahnhof, der im Film den Hauptbahnhof von Graz darstellt, auf dem sich Heinrich Harrer von seiner schwangeren Frau und einem guten Freund verabschiedet, ist der Hauptbahnhof von La Plata, einer Stadt südlich von Buenos Aires. Insgesamt war die Crew ein halbes Jahr in Argentinien.

Eine zweite Crew war in Tibet, wo sie angeblich einen Dokumentarfilm machten. Die Aufnahmen dienten dem Regisseur in verschiedenen Szenen.

Einige Szenen des Films wurden auch in der Asten gedreht, einem Seitental des Oberen Mölltals in Kärnten.

Die Szenen der Besteigung des Nanga Parbat wurden in Kanada im Norden von Vancouver gedreht. Wegen des unzugänglichen Geländes und großer Schneemassen mussten die Darsteller und das Material per Helikopter in die Höhen gebracht werden.

Unterschiede zwischen Film und Buch[Bearbeiten]

Es gibt eine Reihe wesentlicher Unterschiede zwischen dem Original-Buch Sieben Jahre in Tibet und dem gleichnamigen Film aus dem Jahre 1997. [2]

  • Im Film wird Heinrich Harrer als sehr zurückhaltend gegenüber dem Nationalsozialismus und seiner Verbindung zur NSDAP dargestellt, der mehrere Male ausdrücklich betont, dass er nur Österreicher sei und die menschenverachtende Kriegspolitik und Ideologie des Nationalsozialismus als Schande empfinde. Doch im wirklichen Leben war er 1938 der SS und der NSDAP beigetreten. Er wurde Sportinstruktor der SS im Rang eines SS-Oberscharführers (das entsprach dem Wehrmachtdienstgrad Feldwebel), eine Tätigkeit, die er jedoch nach eigenem Bekunden nie ausübte. Harrer nannte diese Beitritte später einen „dummen Fehler“ und „ideologischen Irrtum“.[3]
  • Eine elementare Aussage des Films ist Heinrich Harrers Wandel von einem arroganten, von sich selbst überzeugten Erfolgsmenschen, hin zu einer sehr aufgeklärten und toleranten Persönlichkeit gegenüber der tibetischen Kultur. Im Buch selbst hat Harrer diese Charakterentwicklung nicht beschrieben.
  • Der Film macht Harrers Sohn zum zentralen Thema, aber im Buch findet weder der Sohn, noch seine Frau eine Erwähnung.
  • Das Buch gibt auch keinen Hinweis darauf, dass Aufschnaiter eine tibetische Frau geheiratet haben soll.
  • Der Film zeigt Harrer und Aufschnaiter noch nach Ankunft der chinesischen Truppen in Lhasa; tatsächlich hatten beide die Stadt jedoch schon vor Ankunft der Volksbefreiungsarmee verlassen.
  • Die Ankunft der chinesischen kommunistischen Unterhändler per Flugzeug auf einer improvisierten Schotterpiste, ist ebenfalls völlig frei erfunden und wird im Buch nicht genannt. Der Flughafen Lhasa wurde erst im Jahr 1956, also nach der chinesischen Invasion angelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinrich Harrer: Sieben Jahre in Tibet. Mein Leben am Hofe des Dalai Lama. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-548-35753-9 (Mit einem aktuellen Nachwort des Autors. Ungekürzte Ausgabe, 17. Auflage. 447 S.).
  •  Jean-Jacques Annaud, Becky Johnston et al.: Sieben Jahre in Tibet. Das Filmbuch. Ullstein, Berlin 1997, ISBN 3-548-35759-8 (Originaltitel: The Seven Years in Tibet. Mit Fotos von Jean-Jacques Annaud (u. a.) sowie historischen Aufnahmen von Heinrich Harrer. Deutsch von Waltraud Götting und Petra Kaiser. 221 S.).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie von Brad Pitt bei der New York Times
  2. Trevor Paetkau: Seven Years in Tibet, Heinrich Harrer
  3. Wiliam Cole, AP: Heinrich Harrer ist tot. In: Der Spiegel, 7. Januar 2006. Online