Siebengemeinden (Burgenland)

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Unter dem Begriff Siebengemeinden (hebr. Schewa Kehilot) auch Esterházysche Sieben-Gemeinden [1] werden ehemals jüdische Gemeinden im heutigen Nord- und Mittelburgenland zusammengefasst, die unter der Esterházyschen Herrschaft im damaligen Ungarn entstanden sind.

Es sind dies:

Ursprünglich gehörte als achte auch die Gemeinde Neufeld hinzu. Sie wurde 1739 durch einen herrschaftlichen Erlass, gegen den kein Einspruch möglich war, aufgelöst. Die Bezeichnung "Acht Gemeinden" findet sich in den Urkunden nicht.

Die Siebengemeinden entstanden nach 1670, als Paul I. Fürst Esterházy Juden aufnahm, die von Leopold I. aus Wien vertrieben worden waren. Sie zählten zusammen rund 3000 Juden, die vorwiegend orthodox waren. Die frömmsten lebten in Mattersdorf und Deutschkreutz, wo sich bedeutende Jeschiwot befanden. In Mattersdorf wirkte unter anderem auch der große Rabbiner Moses Sofer.

Für den Schutz durch die Esterházy mussten sie an die Fürsten Schutzgebühren bezahlen. Im Gegenzug dazu nannten sie sich selbst stolz als Hochfürstlich Esterházy Schutzjuden.[2]

Der Komponist Carl Goldmark lebte zehn Jahre in Deutschkreutz. Ruwen Hirschler aus Lackenbach war einer der Förderer des jungen Franz Liszt.

Die sieben Gemeinden fielen der Judenverfolgung während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zum Opfer. Die Deportationen erfolgten nach Riga, Buchenwald, Ungvár, Miskolc, Kielce, Minsk, Nisko, Izbica, Opole und andere Orte. Personen, denen rechtzeitig die Flucht gelungen war, siedelten sich in London, Manchester, New York, Ramat Gan, Tel Aviv, Budapest, Buenos Aires, Schanghai und weiteren Orten an.

Oft werden sie in der landesgeschichtlichen Auseinandersetzung jenen Gemeinden gegenübergestellt, die sich unter dem Schutz der Familie Batthyány herausgebildet haben. Zu diesen zählen Rechnitz, Schlaining und Güssing.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jüdische Gemeinde Kobersdorf (PDF; 895 kB) abgerufen am 5. Mai 2014
  2. Juden im Burgenland (PDF; 858 kB) in Allerlei über das Burgenland Seite 4 abgerufen am 28. Februar 2010

Literatur[Bearbeiten]

Hans Eichner: Kahn & Engelmann. Eine Familien-Saga, Wien 200 [Nachdruck: Reinbek bei Hamburg 2002], S. 163-169 (neben historischen Angaben gibt der Autor eine autobiographische Schilderung des Lebens in den Sieben Gemeinden um 1900).

Weblinks[Bearbeiten]