Siebleben

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50.94277777777810.743055555556Koordinaten: 50° 56′ 34″ N, 10° 44′ 35″ O

Siebleben
Stadt Gotha
Höhe: 270–290 m ü. NN
Fläche: 12,56 km²
Einwohner: 5195
Eingemeindung: 1. Oktober 1922
Postleitzahl: 99867
Vorwahl: 03621
In der Ortslage

In der Ortslage

Siebleben ist ein Ortsteil der Stadt Gotha in Thüringen.

Geografie[Bearbeiten]

Der Stadtteil liegt im Osten von Gotha. Die durch den Ort führende Hauptstraße (Salzgitterstraße, Mönchallee und Weimarer Straße) ist gleichzeitig die Bundesstraße 7 von Gotha über den nächsten östlichen Nachbarort Tüttleben nach Erfurt. Südlich von Siebleben verläuft die Bahntrasse von Gotha nach Erfurt (Thüringer Bahn) am Fuße des Großen Seebergs. Im Norden liegt die Kindleber Siedlung, ein Gothaer Ortsteil, der zu einem großen Teil aus Gewerbegebieten besteht. Der tiefste Punkt Sieblebens liegt mit 275 m ü. NN im Süden Tüttlebens, wo der Rot-Bach das Sieblebener Gemeindegebiet in Richtung Osten verlässt. Der höchste Punkt liegt mit 369 m ü. NN im Siebleber Holz zwischen Großem und Kleinem Seeberg am Rande der Gemarkungsgrenze zu Günthersleben. Die Ortsmitte mit der Kirche St. Helena liegt in 285 m Höhe ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Mönchshof mit Teich
Siebleber Dorfkirche St. Helena (von 1827)
Gustav-Freytag-Gedenkstätte (ehem. Gartenpavillon)
Dorfbrunnen in Siebleben. Er wurde über Jahrhunderte mit dem Wasser des Schmiedebrunnens gespeist, heute aus einer Zisterne.

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Siebleben in einem Verzeichnis der von Erzbischof Lullus († 786) von Mainz für das Kloster Hersfeld von Freien verliehenen Gütern erstmals urkundlich als Sibilebo erwähnt. Im Osten des Ortes erstreckte sich in einer Niederung ein fruchtbares Feuchtgebiet (das Siebleber Ried), in dem Anfang des 18. Jahrhunderts der Siebleber Teich ausgehoben wurde.

Der Ort gehörte bereits im Jahr 1421 zum Amt Gotha, welches ab 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha, ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg und ab 1826 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha gehörte. Seit 1920 lag Siebleben im Land Thüringen. 1922 wurde Siebleben nach Gotha eingemeindet. Siebleben ist auf die Einwohnerzahl bezogen (ca. 5000) der größte Vorort der Stadt Gotha und feierte 2011 das 1225-jährige Bestehen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kirche St. Helena[Bearbeiten]

→ Hauptartikel St.-Helena-Kirche

Die jetzige Siebleber Kirche von 1827 ist die wichtigste Sehenswürdigkeit des Ortes. Eine andere Kirche in Siebleben ist erstmals 1365 urkundlich belegt. Sie stand beim Laufbrunnen, etwa 200 m von der heutigen Kirche entfernt, hieß Marienkirche und brannte Anfang des 19. Jahrhunderts ab. 1999 erhielt die jetzige Kirche einen gläsernen Anbau, das Glashaus. Im Jahre 2000 wurde die Kirche mit dem Einbau einer neuen Heizung und Elektrik saniert.[1]

Schloss Mönchshof[Bearbeiten]

Das Anwesen mit seinen Fischteichen soll seinen Namen von seinen ehemaligen Besitzern bekommen haben, den Mönchen des Klosters Reinhardsbrunn. Der Mönchshof diente später als landgräfliche Gerichtsstätte. Die Mönche verkauften den Mönchshof an den Gothaer Geheimen Kriegsrat Kanzler Adolph Christian Avemann (1646–1738), der ihn an seinen Schwiegersohn, den Geheimen Rat von Linsing, weitergab, dessen Erben zu Galettis Zeiten noch Inhaber des Mönchshofs waren.[2] Das heutige Gebäude ist ein kleiner Schlossbau von 1729. Herzog Ernst II. (1772–1804) kaufte das Schloss für 40.000 Goldmark 1797 für seinen Sohn August (1772–1822) als Hochzeitsgeschenk und Sommerresidenz, weswegen das Grundstück zu einem Landschaftsgarten umgestaltet wurde.[3] Im 19. Jahrhundert waren etliche illustre Personen im Schloss zu Gast, so z. B. der Landschaftsmaler Louis Gurlitt. 1918 wurde das Gebäude Staatseigentum. Von 1919 bis 1922 lebte hier Hermann Duncker, der KPD-Reichtstagsabgeordnete. 1937 kam das Anwesen in den Besitz der Stadt Gotha durch eine Schenkung des früheren Herzogs Carl Eduard. In den Zeiten der DDR verfiel das Gebäude und wurde erst Anfang 2000 saniert; nur noch die Außenmauern blieben stehen. Heute dient das Gebäude als Mehrfamilienhaus. Die beiden Schlossteiche und der Mönchspark sind dem Besucher offen zugänglich und werden als Naherholungsgebiet genutzt.[4]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • das Haus der Heimatgeschichte Gotha-Siebleben
  • der Siebleber Teich im Südosten des Ortes
  • Gustav-Freytag-Gedenkstätte: Sie wurde 2009 im ehemaligen Gartenpavillon, unweit des früheren Wohnhauses von Gustav-Freytag, eingerichtet. Im Wohnhaus, dem Freytag-Haus, das unter Denkmalschutz steht, schrieb der Dichter viele seiner Werke. Es stammt von 1780 und zählte Napoleon, Goethe und Thomas Mann zu seinen Besuchern. In den 1970er Jahren wurden alle noch im Wohnhaus verbliebenen Gegenstände aus Gustav Freytags Zeit nach Weimar ausgelagert. Nur ein kleiner Teil von ihnen kann jetzt im Gartenpavillon gezeigt werden. Die Stadt Gotha will, trotz erheblicher Bedenken des Heimatvereins und der Bevölkerung, das frühere Wohnhaus von Gustav Freytag verkaufen.[5]

Vereine[Bearbeiten]

  • Heimatverein Siebleben

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Friedrich Melchior Grimm wurde in Siebleben begraben.
  • Carl Ausfeld, Jurist und Mitglied des deutschen Reichstags, ist 1900 in Siebleben verstorben.
  • Gustav Freytag, Schriftsteller, wohnte vorübergehend in Siebleben. Seine Grabstätte und die von Anne Strakosch, seiner dritten und letzten Gattin, befinden sich neben der Kirche. Zu seinem Gedenken hat die Gemeinde in der Weimarer Straße 145 neben seinem ehemaligen Wohnhaus die Gustav-Freytag-Gedenkstätte errichtet.
  • Heinrich Louis Theodor Gurlitt (1812–1897), Maler, lebte und wirkte von 1860 bis 1874 in Siebleben
  • Hjalmar Kutzleb, Schriftsteller und Pädagoge, wurde 1885 in Siebleben geboren.
  • Alfred zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, badischer Landtagsabgeordneter, wurde 1855 in Siebleben geboren.
  • Paul Sterzing, NSDAP-Politiker, wurde 1901 in Siebleben geboren.
  • Geschwister Weisheit: Siebleben ist der Wohnsitz der bekannten Hochseil-Artistik-Familie.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Selbstdarstellung der Kirchgemeinde auf www.kirchgemeinde-gotha.de
  2. Galletti: Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha, Band 3, S. 62–63
  3. Beck: Geschichte der Gothaischen Landstädte
  4. Matthias Wenzel: Zeitsprünge Gotha, ISBN 978-3-95400-055-5
  5. Angst um Freytag-Haus. Stadt will Gebäude und Park verkaufen – Heimatfreunde warnen vor Verlust. Thüringische Landeszeitung, 11. März 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siebleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien