Siedlung (Städtebau)

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Hufeisensiedlung in Berlin
Luftbild der Weißenhofsiedlung in Stuttgart
Siedlerhäuser der NS-Mustersiedlung Ramersdorf von 1934

Der Begriff Siedlung beschreibt im städtebaulichen Sinne eine zusammenhängende und aufeinander abgestimmte Gruppierung von Gebäuden nach einem entworfenen Plan. Dabei handelt es sich in erster Linie um Stadterweiterungen, entstanden im Zuge des Wachstums der Städte seit 1890. Die Gebäude bilden dabei als Ensemble eine Einheit. Ältere Siedlungen stehen heute vielerorts als Gesamtanlage unter Ensembleschutz.

Entwicklung[Bearbeiten]

Ursprünge und Entwicklung bis 1945[Bearbeiten]

Das rasante Wachstum der Städte durch die Zuwanderung aus dem ländlichen Raum und steigende Geburtenzahlen während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte vielerorts zu schlechten Wohnverhältnissen. Die eng bebauten und teils deutlich überbelegten Berliner Arbeiterquartiere mit ihren engen, häufig kaum mit Tageslicht beschienenen Innenhöfen galten als negatives Beispiel. Auf der anderen Seite gab es bereits damals sogenannte Werkssiedlungen die von den Industriellen für ihre Mitarbeiter direkt neben Fabriken oder Bergwerken errichtet wurden. Ein besonderes Beispiel hierfür ist die nach den Idealen der Gartenstadt errichtete Margarethenhöhe in Essen.

Beispiele der 1920er Jahre sind die in Berlin durch Genossenschaften errichteten Siedlungen wie die Hufeisensiedlung von Bruno Taut oder Onkel Toms Hütte. In Frankfurt am Main gab es das Wohnungsbauprogramm Neues Frankfurt, durch das unter anderem die Römerstadt, die Heimatsiedlung und die Siedlung Bornheimer Hang entstanden. Federführend bei diesen Projekten war der Architekt und Stadtplaner Ernst May.

Gebaut wurden dabei Reihenhäuser, Einfamilienhäuser, aber auch Mehrfamilienhäuser mit 2–5 Geschossen.

Auf der einen Seite wurde mit diesen Siedlungen dringend benötigter Wohnraum geschaffen, auf der anderen Seite konnte der Wohnstandard gegenüber manchen dicht bebauten Quartieren angehoben werden. Dies geschah durch verbesserte Hygienische Verhältnisse, wie eigene Toiletten und Waschmöglichkeiten oder auch durch eigene Gärten.

Im nationalsozialistischen Deutschland spielte der Siedlungsbau eine große Rolle; beispielhaft ist die Mustersiedlung Ramersdorf.

Nach 1945[Bearbeiten]

Berlin-Mitte: Luftbild mit DDR-Siedlungen in Plattenbauweise am unteren Bildrand, dagegen Quartiere in Blockrandbebauung nördlich und westlich des Alexanderplatzes

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in vielen zerstörten europäischen und vor allem deutschen Städten Siedlungen in einem deutlich größeren Maßstab als Ersatz für die im Luftkrieg zerbombten Häuser gebaut. Die Charta von Athen fand dabei häufig Anwendung. Die Ideen der Trennung der Funktionen Arbeit und Wohnen sowie von weniger eng beieinander stehenden Gebäuden wurden umgesetzt. Es entstanden aufgelockerte Siedlungen, die sehr energieintensiv waren und für die sehr viel neue Infrastruktur geschaffen werden musste (Straßen, Hausanschlüsse, ÖPNV usw.).

In den 1960er und 1970er Jahren entstanden Großsiedlungen (häufig Sozialbauten) wie Neuperlach oder Marzahn, die heute häufig als Problemgebiete gesehen werden, bzw. über ein negatives Image in der Bevölkerung verfügen. Die Probleme entstehen vor allem durch die fehlende soziale und wirtschaftliche Durchmischung und die gleichförmige Anonymität der Siedlungen.

Kritik am Siedlungsbau[Bearbeiten]

Nach dem Erkennen der strukturellen Fehler der vor allem seit der Moderne entstandenen aufgelockerten Siedlungen, kam es Ende der 1980er mit der Bewegung des Neuen Urbanismus zur Wiederentdeckung der Blockrandbebauung. Demnach unterstütze diese früher durch die Siedlungsplaner beklagte verdichtete und urbane Bebauungsart die Vorzüge städtischen Lebens, in Verbindung mit gesunder sozialer und wirtschaftlicher Durchmischung und einer erheblichen Einsparung von Ressourcen (Anfahrtswege, Heizkosten, Infrastrukturkosten usw.) gegenüber den Siedlungen.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gerhard Curdes: Entwicklung des Städtebaus. 3. Auflage. Aachen 1996.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charta des New Urbanism - deutsche Übersetzung der engl. Charter of the New Urbanism