Siegelring

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Siegelring mit dem Wappen einer Pariser Familie

Der Siegelring ist ein Ring, der früher als Stempelsiegel diente und als Symbol der Macht und Autorität galt. In Deutschland wird er heute überwiegend als Zeichen für die Zusammengehörigkeit und die Identifikation mit der Herkunft getragen. [1]

Tragen eines Siegelrings[Bearbeiten]

Den Siegelring darf heutzutage jeder tragen. Bei der Gravur auf dem Siegelring sind Initialen, Phantasiewappen, figürliche Darstellungen aller Art sowie Ornamente ohne Einschränkungen möglich. Deutsche Familienwappen als Bestandteil des Namensrechtes dürfen jedoch nur von Mitgliedern jener Familie, die durch direkte Abstammung legitimiert sind, getragen werden. Die Durchsetzung dieser Regel stößt in der Praxis oft auf Schwierigkeiten, da es für Familienwappen kein einheitliches vollständiges Wappenregister gibt. Daher wurden in der Vergangenheit Siegelringe überwiegend von Angehörigen des Adels getragen. An amerikanischen Schulen und Universitäten sind Siegelringe als Schulring bekannt und sehr beliebt. Der sogenannte „Klassenring“ ist mit dem Schulwappen, der Jahreszahl des Schulabschlusses sowie Symbolen zum Beispiel für Sportarten oder Künste, die der Schüler ausübt, verziert.

Der Siegelring wird am Ringfinger (vierter Finger zwischen dem Mittelfinger und dem kleinen Finger) getragen. Er ist so zu tragen, dass die Gravur für die Person gegenüber, nicht für den Träger "lesbar" ist. Von regionalen, konfessionellen und familienspezifischen Gegebenheiten hängt ab, ob an der rechten oder linken Hand. Gelegentlich wird der Siegelring auch am kleinen Finger getragen, sei es weil der Träger das für angebracht hält oder weil der Durchmesser des Ringes im Laufe der Jahre für den Ringfinger zu klein geworden ist. Bei der Größe und Ausgestaltung des Siegelrings werden in der Regel die Grenzen des „guten Geschmacks“ gewahrt. Heute unüblich ist das Tragen des Siegelrings am Daumen oder Zeigefinger, wie es im Mittelalter der Fall war.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Siegelring diente ursprünglich dem Versiegeln von Dokumenten. Dabei war auf die zu besiegelnden Dokumente flüssiger Wachs zu tropfen und der Siegelring in den noch weichen Wachs zu drücken. Im Mittelalter und der Antike war solch ein Ring im Allgemeinen der Oberschicht vorbehalten und ein Symbol ihrer Autorität bzw. Macht. Später hatte jede bürgerliche Familie ein eigenes Siegel (oft das Familienwappen).

Schon 2.000 v. Chr. wurden in Ägypten Ringe getragen, die auch als Siegelringe verwendet wurden. Der Skarabäuskäfer auf diesen Ringen war üblicherweise aus einem Schmuckstein geschnitzt und auf seiner Unterseite mit der Hieroglyphe des Schmuckmachers versehen. Anfangs wurden diese Käferdarstellungen der Länge nach durchbohrt und an einer Leinenschnur um den Finger getragen - sehr bald wurde dieser Leinenfaden dann durch einen Golddraht ersetzt. Ab 1.500 v. Chr. wurden stabilere Ringschienen statt des Golddrahtes verwendet und der Skarabäuskäfer auf diese Schienen aufgenietet, so dass er frei drehbar blieb. Noch später, während der Regentschaft von Tut-ench-Amun, tauchten die ersten Siegelringe in moderner Bauweise auf, bei denen der Name des Ringträgers auf der dekorativen Frontplatte des Rings eingraviert war. Es wurden in dieser Zeit auch kompliziertere Ringe hergestellt, die kleine Figuren der Götter und symbolisch bedeutsamer Tiere als Verzierung trugen, und es wurde auch die Lotusblüte als Ringmotiv verwendet und mit aufwendigen Schmucksteineinlagen gestaltet. Zwischen 1550 v. Chr. und 1500 v. Chr. zeitgleich im Alten Ägypten, in Ugarit sowie bei den Hethitern nachgewiesen. In Mesopotamien fand er dagegen keine Anwendung. Im Iran ist der Siegelring erst Ende des zweiten und Anfang des ersten Jahrtausends v. Chr. in der Region Luristan belegt. Einige Jahrhunderte später war er in der Epoche des Achämenidenreiches und auch in Griechenland in Gebrauch.

Zwar verlor der Siegelring vor langer Zeit seine Funktion, seine Wirkung behielt er aber als ein beliebtes Accessoire in den Vorstandsetagen großer Industrieunternehmen und von Banken.

Herstellung und Material[Bearbeiten]

griechischer Siegelring mit Steinbockmotiv, ca. 4.-2. Jh. v. Chr.

Der Siegelring besteht zumeist aus den Metallen Gold, Silber, Bronze oder Kupfer. Alle Siegel haben eine spiegelverkehrte Gravur eines Ornaments, Initialen oder eine Kombination aus beidem. Der Siegelring wird in mehreren Varianten gefertigt, entweder als einheitlich gegossener Siegelring oder zweiteilig aus Platten und Bügel zusammengesetzt; daneben auch aus einem gebogenen Metallband bestehend. Seltener sind dagegen Siegelringe mit einem Siegelstein belegt. Neben den klassischen Materialien wie Gold und Silber, werden heute u.a. auch Chirurgenstahl und andere Metalle verwendet, die aufgrund ihrer Beschaffenheit meist nur noch maschinell gefertigt werden können.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siegelring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Jede Person, die einen solchen Siegelring trägt, verbindet mit diesem besonderen Schmuckstück eine Geschichte. Wenn ich den Besitzer eines Ringes darauf anspreche, erzählt er mir oft mit einem Lächeln im Gesicht die Familiengeschichte. Zum Beispiel wie das gravierte Wappen entstanden ist und wo die Familie ursprünglich herkommt.“, sagt Patricia Esser-Föhre vom Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere in Osnabrück. Presseartikel Focus Online vom 8.1.2013