Siegfried Jäger

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Siegfried Jäger (* 17. April 1937 in Duisburg) ist ein deutscher Sprachwissenschaftler.

Biografie[Bearbeiten]

Jäger wuchs in Duisburg auf und besuchte das Mercatorgymnasium, wo er 1956 sein Abitur ablegte. Ab dem Sommersemester 1957 studierte er in Bonn Germanistik und Anglistik und beendete das Studium 1963 mit dem 1. Staatsexamen. 1958 und 1959 verbrachte er zwei Trimester an der Exeter-University in England. Von 1963 bis 1965 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bonn. Danach war Jäger von 1965 bis 1971 Mitarbeiter des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim.

1967 wurde Jäger in Bonn mit seiner Arbeit Studien zur Komposition der Crescentia der Kaiserchronik, des Vorauer und des Strassburger Alexander und des Herzog Ernst B. zum Dr. phil. promoviert.

Ab 1972 wurde Jäger Professor für Germanistik mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaft/Diskursanalyse an der damaligen Gerhard-Mercator-Universität GH Duisburg (heute: Universität Duisburg-Essen). Er wurde im Jahr 2002 emeritiert.

Von 1971 bis 1973 war er Wissenschaftlicher Rat und Professor der Pädagogischen Hochschule Hagen. Von 1971 bis 1978 fungierte er als Gutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Seit 1987 ist Jäger Leiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS).

Sein Forschungsschwerpunkt ist die Kritische Diskursanalyse, zu der er ein paradigmatisches Einführungwerk verfasst hat.

Kritische Diskursanalyse[Bearbeiten]

Die „Kritische Diskursanalyse“ wurde von Siegfried Jäger im Anschluss an Michel Foucault und Jürgen Link entwickelt. Sie basiert auf einer kritischen Auseinandersetzung mit der in der Kulturhistorischen Schule beheimateten Tätigkeitstheorie Alexej Leontjews: Die Methode der Kritischen Diskursanalyse versteht sich als ein moderner Zweig der linguistischen Textanalyse. Grundlage sind Diskurs- und normalismustheoretische Überlegungen, mit denen der herkömmliche von der Linguistik enger gefasste „Textbegriff“ erweitert wird. Die Bedeutung von Texten soll somit innerhalb eines gesamtgesellschaftlichen Kontextes analysiert werden. Die Diskurs- und Textanalyse wird dabei als ein kulturwissenschaftliches Verfahren verstanden. Bei der Anwendung auf die Untersuchung von Medien wird hierbei davon ausgegangen, dass Medien einen entscheidenden Einfluss auf die Konstituierung von Subjekten haben. Durch diese Perspektive sieht Jäger die Möglichkeit, gesellschaftlichen Entwicklungen, zum Beispiel dem Rassismus, mit wissenschaftlich fundierten Kriterien und Analysen entgegenzuwirken.

Siehe auch: Diskurstheorie, Dispositiv, Kollektivsymbolik.


Literatur[Bearbeiten]

  • Diaz-Bone, Rainer (2006, April). Kritische Diskursanalyse: Zur Ausarbeitung einer problembezogenen Diskursanalyse im Anschluss an Foucault. Siegfried Jäger im Gespräch mit Rainer Diaz-Bone [89 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [Online Journal], 7(3), Art. 21. Verfügbar über: qualitative-research.net [Zugriff: 16. Januar. 2007].
  • Critical Discourse Analysis/Kritische Diskursanalyse, in: Reiner Keller (2003): Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen: ISBN 3-8100-3789-3 [3. Aufl. 2006]

Buchveröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • (zusammen mit Veronika Fischer und Raimund Küchler) Vom Nutzen der Soziolinguistik, Scriptor-Verlag, Kronberg/Taunus, 1977, ISBN 3-589-20610-1
  • (Hrsg.) Rechtsdruck: Die Presse der Neuen Rechten. Verlag J.H.W Dietz Nachf., Berlin/Bonn 1988, ISBN 3-8012-3024-4
  • Sprache-Praxis des Bewußtseins. Zur systematischen Erfassung von Rede. Kronberg: Scriptor-Verlag.
  • (Hrsg. mit Christoph Butterwegge) Rassismus in Europa. 2. Aufl., Köln 1993;
  • (Hrsg. mit Christoph Butterwegge) Europa gegen den Rest der Welt. Köln 1993;
  • (Hrsg. mit Jürgen Link) Die vierte Gewalt. Rassismus und die Medien. Duisburg 1993;
  • Der Großregulator. Analyse der Bildberichterstattung über den rassistisch motivierten Terror und die Fahndung nach der RAF im Sommer 1993. Duisburg 1993; siehe auch BILD-Zeitung
  • (Hrsg. mit M. Jäger) Studien zu Rechtsextremismus und (Neo-)Konservatismus. Duisburg 1995;
  • BrandSätze. Rassismus im Alltag. 4. Aufl., Duisburg 1996;
  • Kritische Diskursanalyse. 4. erw. Aufl., Duisburg/Münster 2004; (gemeinsam mit Margarete Jäger). ISBN 3-89771-732-8
  • Deutungskämpfe. Theorie und Praxis Kritischer Diskursanalyse. Wiesbaden: VS Verlag 2007. (gemeinsam mit Margarete Jäger) (Rezension qualitative-research.net)
  • Gefährliche Erbschaften. Die schleichende Restauration rechten Denkens. Berlin 1999;
  • (Hrsg. mit Alfred Schobert) Weiter auf unsicherem Grund. Faschismus, Rechtsextremismus, Rassismus. Kontinuitäten und Brüche, Duisburg 2000.
  • (Hrsg. mit Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert). Nation statt Demokratie. Sein und Design der »Jungen Freiheit«. 2. Aufl. 2004. ISBN 3-89771-733-6
  • (Hrsg. mit Alfred Schobert): Mythos Identität. Fiktion mit Folgen. Duisburg/Münster 2004. ISBN 3-89771-735-2
  • Wie die Rechten reden. Sprachwissenschaftliche und diskursanalytische Veröffentlichungen zu den Themen Faschismus, Rechtsextremismus und Rassismus. Eine kommentierte Bibliographie. ISBN 3-927388-50-5
  • (Hrsg. mit Ursula Kreft, Hans Uske): Kassensturz. Politische Hypotheken der Berliner Republik. ISBN 3-927388-66-1
  • (Hrsg. mit Franz Januschek). Gefühlte Geschichte und Kämpfe um Identität. 2004. ISBN 3-89771-730-1
  • (Hrsg. mit Andreas Disselnkötter, Helmut Kellershohn, Susanne Slobodzian): Evidenzen im Fluss. Demokratieverluste in Deutschland. ISBN 3-927388-60-2

Weblinks[Bearbeiten]