Siegfried Mazagg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siegfried Mazagg, um 1930

Siegfried Mazagg (* 12. Februar 1902 in Pfalzen; † 13. Juni 1932 in Innsbruck) war ein Tiroler Architekt, Zeichner und Karikaturist.

Überblick[Bearbeiten]

Der Zeitgenosse von Clemens Holzmeister, Lois Welzenbacher und Franz Baumann plante Einfamilienhäuser, befasste sich mit dem Thema der „Wohnung für das Existenzminimum“, realisierte öffentliche Gebäude und schuf Schlüsselwerke auf dem Gebiet des Tourismusbaus. In diesem Bereich verwirklichte er Projekte, die die Durchdringung von Architektur und alpiner Landschaft zeigen.

Leben[Bearbeiten]

Siegfried Mazagg, Karikatur „Architektenhonorare“

Mazagg wurde 1902 in Pfalzen in Südtirol geboren, seine Familie lebte aber spätestens ab dem Ende des Ersten Weltkriegs in Innsbruck, wo er die Staatsgewerbeschule, Abteilung Baufach, besuchte. An dieser Ausbildungsstätte waren für kurze Zeit Clemens Holzmeister (1886–1983) und Lois Welzenbacher (1889–1955) seine Lehrer. Nach seiner Schulzeit am Beginn der 1920er-Jahre unternahm Mazagg den Versuch, als bildender Künstler Fuß zu fassen, scheiterte jedoch in den Augen der damaligen Kritik. Er begann dann als junger Architekt und setzte sich in Wettbewerbsverfahren gegen prominenten Mitbewerber wie seine ehemaligen Lehrer Clemens Holzmeister und Lois Welzenbacher sowie seinen Freund Franz Baumann durch. Erste Bekanntheit errang er bei einem informellen Verfahren für die Gestaltung der Hochbauten des Achenseekraftwerks in Jenbach (1926, noch als Mitarbeiter der Baufirma Innerebner & Mayer) und eines später nicht verwirklichten Projekts für ein Berghotel auf der Seegrube (1927).

Bald nach dem zweiten Wettbewerbserfolg machte sich Mazagg selbständig und bearbeitete manche seiner Projekte in Zusammenarbeit mit dem kaum dokumentierten Architekten Franz Übelbacher[1] – der wie Mazagg begeisterte Alpinist und daher Mitglied im Alpinen Klub Karwendler war. Als freischaffender Architekt gelangte Mazagg schließlich rasch zum Ruf, eines der hoffnungsreichsten Talente in der Österreichischen Architekturszene zu sein. Vor allem im Bereich des Tourismusbaues schuf er ein reichhaltiges Œuvre: Zu seinen wichtigsten Bauten zählen

  • der Umbau des Hotels Alpenhof in Pertisau am Achensee (1929)
  • das Hotel Berghof in Seefeld in Tirol (1929/1930)
  • der Wiederaufbau des Hotels Mariabrunn in Innsbruck nach einem Brand (1931/1932) und
  • die Pension Bergheim in Berwang (1932).

In Verbindung mit diesen Aufträgen realisierte er auch umfassende Konzepte für die Einrichtung von Hotelhallen, Speisesälen, Bars etc., die in Bezug auf ihre Gesamtheitlichkeit bemerkenswert sind.

Würdigung[Bearbeiten]

In seinem Schaffen orientierte sich Mazagg sowohl am österreichischen Heimatschutz als auch an den neu aufkommenden Strömungen der 1920er-Jahre. Ohne „baukulturelle Bedenken“ (Friedrich Achleitner) gelang es ihm, die in ästhetischen Fragen reaktionären Forderungen des Heimatschutzes mit der neuen Formensprache der klassischen Moderne zu verbinden. Seine konservative Grundhaltung schränkte seine Interpretationslust nicht ein und er dürfte im Unterschied zu vielen anderen Architekten in der Region vor allem über die Entwicklungen am Bauhaus gut informiert gewesen sein. Beispielsweise konzipierte er Stahlrohrmöbel für Hotelinterieurs und Privatwohnungen schon zu einem so frühen Zeitpunkt, dass man davon ausgehen muss, dass er mit seinen Entwürfen ein Qualitätsniveau erreichen wollte, das internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. Andere Architekturdetails wie Türen waren von De Stijl inspiriert. Jedoch konnte Mazagg seine Anfänge als talentierter „Interpret der frühen Moderne“ nicht zu einem reifen, eigenständigen Werk ausformen. Mit erst 30 Jahren starb er bei einem tragischen Autounfall in Innsbruck.

Werkverzeichnis (Auswahl)[Bearbeiten]

Ein komplettes Verzeichnis findet sich in Schlorhaufer, Bettina, Joachim Moroder: Siegfried Mazagg – Interpret der frühen Moderne in Tirol:[2]

  • 1924–1926 Haus Walter, Sonnenstraße 1, A-6020 Innsbruck.
  • 1924–1927 Achenseekraftwerk (Krafthaus, Montagehalle, Schalthaus und Freiluftanlage), Tiwagstraße 18, A-6200 Jenbach.
  • 1927 Seilbahnstationen für die Innsbrucker Nordkettenbahn (Projekt), Höhenstraße 145, A-6020 Innsbruck.[3]
  • 1927 Hotel Seegrube (Wettbewerbsprojekt, in Zusammenarbeit mit Sepp Koller, 1. Preis), Seegrube, A-6020 Innsbruck.[4]
  • 1927 Haus Otto Moroder (in Zusammenarbeit mit Franz Übelbacher), Brandbergstraße 357, A-6290 Mayrhofen.
  • 1927/1929 Landhaus und Sommerhäuschen Dr. med. Lambert und Dr. med. Erich Raitmayr (in Zusammenarbeit mit Franz Übelbacher), Scheulingstraße 384, A-6290 Mayrhofen.
  • 1928 Waldcafé (in Zusammenarbeit mit Franz Übelbacher), Peter Habeler Straße 556, A-6290 Mayrhofen.
  • 1928 Haus Skardarasy, Bienerstraße 3a, A-6020 Innsbruck.
  • 1928 Postamt Mayrhofen (Wettbewerbsprojekt in Zusammenarbeit mit Franz Übelbacher, 1. Preis), Hauptstraße 409, A-6290 Mayrhofen.
  • 1928 Hauptschule Hötting (Wettbewerbsprojekt, 2. Preis), Fürstenweg 13, A-6020 Innsbruck.
  • 1928/1929 Strandbad Pertisau der TIWAG (abgerissen), Pertisau, A-6213 Eben am Achensee.
  • 1929 Haus Anna Gredler (Einfamilienhaus mit Frühstückspension, in Zusammenarbeit mit Franz Übelbacher), Brandbergstraße 358, A-6290 Mayrhofen.
  • 1929 Haus Oberjäger Heinrich Huber („Jägervilla“, in Zusammenarbeit mit Franz Übelbacher), Waldbadstraße 545 (auf den Plänen noch als projektierte Straße eingezeichnet), A-6290 Mayrhofen.
  • 1929 Tiroler Wirtshaus Auracher Löchl, Raumgestaltung für eine Weinstube im Kellergeschoss (Projekt), Römerhofgasse 3–5, A-6330 Kufstein.
  • 1929 Zweifamilien-Wohnhaus Hofer, Petzoldstraße 1, A-6020 Innsbruck.
  • 1929 Zweifamilien-Wohnhaus A. Karg (Projekt, geplant für die „Amraser Siedlung“), A-6020 Innsbruck.
  • 1929/1930 Hotel Berghof, Milserstraße 201, A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1929/1930 Wohnung Direktor Ing. Karl Pinter, Roseggerstraße, A-6020 Innsbruck.
  • 1930 Sportcafé A. Ditter (Projekt), Innsbruckerstraße 12, A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1930 Zweifamilien-Wohnhaus Ernst Mumelter (Projekt), Botanikerstraße 12 (bei Mazagg Sternwartestraße), A-6020 Innsbruck.
  • 1930 Dreifamilien-Wohnhaus Emil Müller (Projekt), Koflerstraße 2, A-6020 Innsbruck.
  • 1930 Dreifamilien-Wohnhaus R. Guth, Bruder-Willram-Straße 1, A-6020 Innsbruck.
  • 1930 Pension Hermann Huber (Projekt), Pertisau, A-6213 Eben am Achensee.
  • 1930 Heilbad Josef Rindfleisch (vollständig überbaut), Heilbadstraße 104, A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1930 Haus („Wohnhaus“) Josef Klingler (Projekt), Maurach, A-6212 Eben am Achensee.
  • 1930 Umbau Haus Maria Nairz (abgerissen), Münchnerstraße 76, A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1930 Kiosk der Innsbrucker Nordkettenbahn (Projekt), Hafelekar-Spitze, A-6020 Innsbruck.
  • 1930 Beamtenwohnhaus auf der Hungerburg (Projekt), nahe der Talstation der Innsbrucker Nordkettenbahn, A-6020 Innsbruck.
  • 1930 Landhaus Sonja Korff (Projekt), Geigenbühel, A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1930 Zweifamilien-Wohnhaus (Projekt), A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1930? Badeanlage Natterer See (Projekt), Edenhausen, A-6161 Natters.
  • 1930/1931 Haus Virgil Rainer (Projekt), A-6020 Innsbruck-Arzl.
  • 1930/1931 Frühstückspension Haus Köbe (Projekt), A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1931 Gemeindehaus Seefeld (Rathaus, Verkehrsamt, Gendarmerie und Postamt, Projekt), Klosterstraße 43, A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1931 Skihütte am Navisjoch im Voldertal (Projekt), A-6111 Volders.
  • 1931 Pension (Projekt), A-6281 Gerlos.
  • 1931 Weinstube und Schankstube im Saggen (Projekt?), A-6020 Innsbruck.
  • 1931 Wohnung Dr. M. Stichlberger (Projekt), A-6020 Innsbruck.
  • 1931 Haus Hämmerle (Projekt), (Höhenstraße?) Hungerburg, A-6020 Innsbruck.
  • 1931 Dreifamilien-Wohnhaus Karl Pirktl (im Zweiten Weltkrieg fast zur Gänze zerstört), Kranewitterstraße 26, A-6020 Innsbruck.
  • 1931 Pension (Projekt), A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1931 Pension Frau Dr. Wangemann (Projekt), A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1931 Siedlung „Alba 2“ (Projekt), Höttinger Au, A-6020 Innsbruck.
  • 1931 Haus Steffan, Wechselstube mit Tankstelle und Wohnmöglicheit (Projekt), Innsbruckerstraße 48, A-6108 Scharnitz.
  • 1931 Haus Frau Dr. Langhoff (Projekt), Hungerburg, A-6020 Innsbruck.
  • 1931/1932 Wiederaufbau Hotel Mariabrunn, Höhenstraße 120, A-6020 Innsbruck.
  • 1932 Haus Dr. Schönherr, Brixnerstraße 9, A-6330 Kufstein.
  • 1932 Pension Lantschner (Projekt), A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1932 Landhaus Karl Jenewein (1996 abgerissen), Geigenbühelstraße 217, A-6100 Seefeld in Tirol.
  • 1932 Pension Bergheim, Haus Nr. 4, A-6622 Berwang.
  • 1932 Café Hermann Lockner (Projekt), A-6622 Berwang.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl.: Peterbauer, Silvia Andrea, Architekt Siegfried Mazagg (1902–1932). Seine ausgeführten Werke, Dipl. Universität Salzburg, Salzburg 1990, S. 33. Ohne Angabe von Quellen dokumentiert sie die Biografie von Franz Übelbacher wie folgt: geb. 1887 in Innsbruck, studierte Architektur und Kunstgewerbe in Wien bei Josef Hoffmann [1870–1956, Anm.] und in München bei Richard Berndl [1875 in München–1955 ebd., dem Historismus und Jugendstil verpflichteter Architekt und Kunstgewerbler, langjähriger Lehrer an Kunstgewerbeschulen, Anm.]: „Er war auf den Gebieten Malerei, Design und Architektur in einem der heimischen Tradition verpflichteten Stil tätig.“ Aus einem Bericht der Innsbrucker Zeitung (Nr. 160, 1933, S. 10) geht darüber hinaus hervor, dass Übelbacher in Sibirien in Kriegsgefangenschaft gewesen sein muss, denn er präsentierte in einer Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Zeichnungen aus dieser Zeit. Leider kann aktuell nicht verifiziert werden, ob es sich bei dem von 1926 bis 1932 zusammen mit Hans Lenz als Hüttenwart des Solsteinhauses bei Zirl genannten Franz Übelbacher um dieselbe Person handelt. Vgl.: http://www.solsteinhaus.at/huettenwarte_de.cms.php (23. Mai 2012).
  2. Schlorhaufer, Bettina, Joachim Moroder, Siegfried Mazagg – Interpret der frühen Moderne in Tirol, Wien-New York 2013, S. 216 f.
  3. Schlorhaufer, Bettina, In den Bergen baut der Blick. Über die Hochbauten der Nordkettenbahn in Innsbruck von Franz Baumann, in: Stadtflucht 10 m/s – Innsbruck und die Nordkettenbahn, Roland Kubanda (Hg.), Innsbruck 2003, S. 93 ff.
  4. Schlorhaufer, Bettina, In den Bergen baut der Blick. Über die Hochbauten der Nordkettenbahn in Innsbruck von Franz Baumann, in: Stadtflucht 10m/s – Innsbruck und die Nordkettenbahn, Roland Kubanda (Hg.), Innsbruck 2003, S. 115 ff.