Siegfried Ruff

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Siegfried Ruff während der Nürnberger Prozesse

Siegfried Ruff (* 19. Februar 1907 in Friemersheim[1]; † 22. April 1989 in Bonn[2]) war ein deutscher Luftwaffenmediziner. Wegen seiner Experimente an Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus wurde er im Nürnberger Ärzteprozess angeklagt.

Leben[Bearbeiten]

Ruff studierte Medizin an der Universität Bonn und in Berlin und war nach Abschluss seines Studiums bis Januar 1934 am Universitätskrankenhaus Bonn tätig.[3] Nach seiner Promotion zum Dr. med. war er ab 1934 Direktor des Instituts für Flugmedizin der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt e. V. in Berlin-Adlershof. Im Jahr 1937 trat er der NSDAP bei, ein Jahr später folgte seine Habilitation. Er war korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung.

Siegfried Ruff sagt am 25. April 1947 im Nürnberger Ärzteprozess aus

Wegen seiner an Menschen durchgeführten Experimente – er war 1942 an den Höhenversuchen im KZ Dachau beteiligt – wurde er im Nürnberger Ärzteprozess angeklagt. Ruff und der Mitangeklagte Hans-Wolfgang Romberg konnten in der Verhandlung beweisen, dass sie sich um die rasche Zurückführung der Unterdruckkammer aus dem KZ Dachau bemüht hatten, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Sigmund Rascher damit skrupellos experimentiert und drei Todesopfer in Kauf genommen hatte.[4] Er wurde 20. August 1947 zusammen mit Georg Weltz und Romberg von den in der Anklageschrift erhobenen Beschuldigungen (War Crimes and Crimes against Humanity) freigesprochen.[1] Anschließend forschte er in Heidelberg am Aero Medical Center der US-Armee zusammen mit den ebenfalls im Nürnberger Ärzteprozess angeklagten Medizinern Hermann Becker-Freyseng und Konrad Schäfer. Ruff nahm dort wieder eine Unterdruckkammer in Betrieb, in der während des Zweiten Weltkrieges 80 Häftlinge des KZ Dachau bei Druckversuchen starben.[5]

Anschließend gründete Ruff ein medizinisch-diagnostisches Laboratorium in Bonn und war zudem Leitender Arzt der Lufthansa. Von 1954 bis 1965 war er Leiter des neugegründeten Instituts für Flugmedizin der Deutschen Versuchsanstalt in Bonn.[1] [6] Ab 1952 lehrte er auch als Professor an der Universität Bonn.[7] [8] Danach war er beratend am Aufbau der Luftwaffe beteiligt.[1] Ab 1969 war er Vorstandsmitglied in der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt.[9] Ermittlungen der Staatsanwaltschaft des Landgerichts München II gegen ihn, Weltz und Romberg wurden 1959 eingestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich – Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage, Frankfurt am Main 2007, S. 514.
  • Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. 3. Auflage. S. Fischer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-14906-1.
  • Alexander Mitscherlich, Fred Mielke (Hrsg.): Medizin ohne Menschlichkeit. Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses. FiTb 332, Frankfurt 1960
  • Walter Habel (Begründer): Wer ist Wer? zuletzt in der 33. Ausgabe, Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck 1994, ISBN 3-7950-2015-8, S. 1123; in der 34. Ausgabe, 1995, ISBN 3-7950-2017-4, im Nekrolog auf S. 1518

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 514
  2. Meldung im General-Anzeiger (Bonn) vom Samstag, den 29. April 1989, Stadtausgabe Bonn, Seite 6 / Lokales
  3. Aussage von Siegfried Ruff am 10. Dezember 1946 auf dem Nueremberg Trials Project
  4. Alexander Mitscherlich, Fred Mielke (Hrsg.): Medizin ohne Menschlichkeit. FiTb 332, Frankfurt 1960, S. 48
  5. Hoher Preis. In: Der Spiegel 12, 1985, S. 66–69.
  6. Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. Frankfurt am Main, 1997, S. 254
  7.  Tadel verpflichtet. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1965, S. 76 (online).
  8.  Ruff unter Druck. In: Der Spiegel. Nr. 42, 1960, S. 52 (online).
  9. 100 Jahre Luftsportverein Bonn (PDF)