Siegfried von Roedern

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Siegfried von Roedern, 1916

Siegfried Friedrich Wilhelm Erdmann Graf von Roedern (* 27. Juli 1870 in Marburg; † 14. April 1954 in Bergen) war ein deutscher Politiker.

Seine Eltern waren der königlich-preußische Premierleutnant und Adjutant im 11. Jägerbataillon Graf Ludwig Erdmann von Roedern und dessen Frau Bertha Erdmann von Roedern. Von 1890 bis 1893 studierte von Roedern Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg im Breisgau, Berlin, Genf und Marburg und legte am 4. November 1893 die juristische Prüfung am Oberlandesgericht Frankfurt am Main mit Auszeichnung ab. Am 21. Oktober 1897 heiratete er Else Nasse. Am 7. Januar 1899 bestand er die große Staatsprüfung. Vom 1. Januar 1901 bis zum 31. März 1903 arbeitete er beim Oberpräsidenten von Posen (heute Poznań). Vom 1. Januar 1903 bis zum 31. März 1905 war er in der Abteilung Etats- und Kassenwesen des Finanzministeriums tätig. Am 1. April 1905 übernahm er die Verwaltung des Kreises Niederbarnim und wurde dort am 17. September zum Landrat ernannt. In dieser Funktion förderte er den Chausseebau und schaffte die Chausseegelderhebung ab. Er entwickelte er das Gesundheitswesen weiter. In seiner Amtszeit entstanden fünf Krankenhäuser und eine spezielle Krankeneinrichtung für Säuglinge wurde erbaut. Außerdem entwickelte von Roedern Maßnahmen zum Schutz vor Seuchen. Zudem förderte er die flächendeckende Elektrifizierung des Landkreises.

1910 wurde von Roedern in den Stand eines Rechtsritters des Johanniterordens erhoben. Im selben Jahr erhielt er die Rote Kreuz-Medaille III. Klasse, den Roten Adlerorden IV. Klasse und den Sankt-Stanislaus-Orden II. Klasse. Von 1911 bis 1914 war er beim Oberpräsidialrat beim Regierungspräsidium in Potsdam tätig. 1912 erhielt er den Kronenorden III. Klasse. Am 31. Januar 1914 trat er die Nachfolge des zurückgetretenen Staatssekretärs Hugo Zorn von Bulach im Ministerium für Elsaß-Lothringen an. In diesem Amt blieb er zwei Jahre, bis er dann der letzte Staatssekretär im Reichsschatzamt wurde. Unter seiner Leitung kam es bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zu einer jährlichen Kriegssteuerreform, die 1916 beschlossene Kriegssteuer in Höhe von 5 bis 50 % auf den Vermögenszuwachs sollte die leeren Staatskassen wieder füllen.

Am 22. Mai 1916 wurde er zum Staatssekretär im Reichsschatzamt berufen. Am 11. Dezember desselben Jahres folgte seine Ernennung zum Staatsminister. 1917 erhielt er den Roten Adlerorden I. Klasse und das Eiserne Kreuz II. Klasse. Im Herbst 1917 wurde er zum Stellvertreter des Reichskanzlers berufen. Am 13. November 1918 schied er auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst aus. Er zog nach Günterstal, wo er schriftstellerisch tätig war. Kaiser Wilhelm II. beauftragte von Roedern 1918 gemeinsam mit Friedrich von Payer, eine Kabinettsliste für den neuen Reichskanzler, der kurz darauf in Max von Baden gefunden wurde, auszuarbeiten. Letztendlich bestimmte aber der Interfraktionelle Ausschuss im Reichstag die genaue Zusammensetzung.

Im Jahre 1921 zog von Roedern nach Hamburg. Zwischen 1923 und 1933 stand von Roedern dem Deutschen Reederverband und dem deutschen Schulschiff-Verein vor. Von 1928 bis 1932 war er Vorsitzender des Ibero-Amerikanischen Instituts Hamburg, von 1929 bis 1930 Vorsitzendes des Bundes zur Erneuerung des Reiches, vom 19. Mai 1930 bis zum 12. Juni 1935 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hamburg Mannheimer Versicherungs-AG, und von 1931 bis 1934 Aufsichtsratsmitglied der Hamburg-Amerika Linie und des Norddeutschen Lloyd (später Hapag-Lloyd). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung ernannte ihn die Regierung unter Heinrich Brüning 1932 zum Reichskommissar für Schifffahrt. Im Mai 1933 beantragte er die Mitgliedschaft in der NSDAP, die Mitgliedschaft erhielt er 1935. Er war Ehrenführer in der SS. Im Juni 1933 erwarb er den Sonnenleitnerhof in Oberbayern und zog im August dorthin.

In den letzten Jahren seines Lebens wirkte von Roedern als Schriftsteller. In seinen Büchern setzt er sich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinander. Über seine Entnazifizierung ist nichts bekannt. 1949 wurde er Ehrenbürger von Bergen. Hier starb er auch und wurde auf dem Sonnleitnerhof beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]