Siemens-Schuckert R-Typen

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Der gigantische Siemens-Schuckert R.VIII

Die Siemens-Schuckert R-Typen waren überschwere Langstreckenbomber der deutschen Fliegertruppe im Ersten Weltkrieg.

Die mehrmotorigen R-Flugzeuge dienten als Langstreckenbomber mit großer Reichweite und schwerer Bombenlast für den strategischen Bombenkrieg. Da aufgrund schwerer Verluste die deutschen Luftschiffangriffe reduziert und schließlich eingestellt wurden, sollten Riesenflugzeuge in noch größerer Dimension als bisher in den Einsatz kommen und diese Lücke füllen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Siemens-Schuckert-Werke hatten bereits 1914 mit dem Bau von Riesenflugzeugen begonnen. Der Ingenieur Villehad Forssman entwarf ein viermotoriges Versuchsflugzeug nach dem Vorbild der russischen Sikorski-Riesenflugzeuge[1], das von vier Mercedes-Motoren zu je 110 PS angetrieben wurde. Das Flugzeug wurde 1915 umgebaut und zwei Triebwerke durch 220 PS Motoren ersetzt, was die Geschwindigkeit geringfügig von 115 auf 120 km/h steigerte.

Ingenieur Forssmans Arbeit setzten als Konstrukteure die Brüder Steffen fort. Diese entwarfen 1915 den dreimotorigen R.I (R.1/15), auch als Steffen R.I bezeichnet, dessen Erstflug am 24. Mai 1915 erfolgte. Nach Änderungen an der Kraftübertragung zu den 3,6m langen Propellern wurde R.I/15 am 26. Juli 1915 von der Truppe übernommen.

1915/16 folgte die R.II (R.2/15) mit stärkerer Motorisierung und vergrößerten Tragflächen, der ebenso wie der folgende R.III als Schulflugzeug von der Riesenflugzeug-Ersatzabteilung verwendet wurde.

Die R.IV-VII wurden 1916/17 weiter in Bezug auf Tragflächen und Motoren modifiziert, folgten jedoch dem gleichen Konstruktionsprinzip.

Die Motoren waren zur Wartung während des Fluges im aus Stahlrohr gefertigten Rumpf untergebracht und trieben die zwischen den Tragflächen befindlichen beiden Luftschrauben über ein mit Lederkegel-Fliehkraftkupplung versehenes Getriebe und eine bis zu 3,60 m lange Welle an. Die Motorkühlung erfolgte durch Lamellenkühler an der Rumpfseite.

Nicht mehr in den Einsatz gelangte der sechsmotorige R.VIII mit nahezu doppelt so großer Flügelfläche wie seine Vorläufer - das größte der im Ersten Weltkrieg gebauten deutschen Flugzeuge. Der Bau von zwei R.VIII (R.23/16 und R.24/16) wurde im Februar 1918 begonnen. Nur noch eines davon wurde 1919 fertiggestellt, flog aber nie, da bereits bei der Erprobung am Boden eine Getriebewelle brach und die Flugzeugzelle schwer beschädigt wurde.

Die 1919 begonnenen Planungen für ein Verkehrsflugzeug R.IX, das mit 8 Motoren zu je 300 PS 36 Passagiere befördern sollte, kamen nicht mehr zur Ausführung.

Einsatz[Bearbeiten]

Die Siemens-Schuckert R-Typen waren mit dem DFW R.I, den VGO.I-III und den Zeppelin (Staaken) R-Typen die einzigen Riesenflugzeuge, die in den Einsatz gelangten. Während R.II und R.III für die Ausbildung verwendet wurden, gelangten die übrigen Riesenflugzeuge an die RFlA 501[2], die im Baltikum im Einsatz stand.

Wie es an Bord der Maschinen zuging, zeigt der Bericht über den Erprobungsflug der R.VI im April 1916[3], die bis zum November 1917 im Einsatz blieb. Während des sechsstündigen Fluges platzte ein Verbindungsschlauch zum Seitenkühler und musste mit Lumpen und Verbandszeug abgedichtet werden. Anschließend hüllte ein Bruch am Auspuff den Rumpf in Qualmschwaden und wurde behelfsmäßig geflickt, schließlich leckte ein Motor und verlor Öl. Die Besatzung dämmte das Leck und glich den Verlust zunächst mit Öl aus den anderen Motoren aus, musste jedoch schließlich den Motor stoppen, die Zündkerzen herausdrehen, die Zylinder ölen und die Maschine über das Getriebe vorsichtig neu starten. Ähnliche Vorfälle geschahen auf den Einsatzflügen; hier wurde die Wartung und Instandsetzung der Motoren auf den Langstreckenflügen über Feindesland allerdings zur Überlebensfrage.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße R.I R.II R.III R.IV R.V/VI R.VII R.VIII
Baujahr: 1914 1914/15 1916 1916 1916 1917 1918
Einsatzzweck: Bomber Bomber Bomber Bomber Bomber Bomber Bomber
Länge: 17,50 m 16,50 m 17,70 m 17,70 m 17,50 m 21,60 m
Spannweite: 28,00 m 33,00 m 34,33 m 34,33 m 38,40 m 48,00 m
Höhe: 5,20 m 4,60 m 4,60 m 4,60 m 7,40 m
Flügelfläche: 138,0 m² 210,0 m² 163,0 m² 189,0 m² 163,0 m² 225,0 m² 440,0 m²
Leergewicht: 4.000 kg 5.350 kg 5.400 kg 5.450 kg 5.400 kg 5.700 kg 10.500 kg
Startgewicht: 5.200 kg 7.150 kg 6.800 kg 6.850 kg 6.800 kg 7.500 kg 15.900 kg
wassergekühlte 6-Zylinder-Reihenmotoren: 3* Benz Bz III mit je 150 PS 3* Mercedes D IVa mit je 260 PS 3* Benz Bz IV mit je 220 PS 3* Benz Bz IV mit je 220 PS 3* Benz Bz IV mit je 220 PS 3* Mercedes D IVa mit je 260 PS 6* Basse & Selve BuS IVa mit je 300 PS
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 128 132 132 130 125
Steigzeit auf 2.000m (min): 35 35 35
Dienstgipfelhöhe: 3.700 m 3.500 m 3.000 m 3.500 m 3.000 m 2.950 m 4.000 m
Reichweite: 520 km 520 km 500 km 520 km 520 km 920 km
Flugdauer: 8 h
Bewaffnung: 1 MG, 500 kg Bomben 3 MG, 500 kg Bomben 3 MG, 500 kg Bomben 3 MG, 500 kg Bomben 6 MG, 800 kg Bomben
Besatzung: 5-6 4 4 4 4 7

Einzelnachweise/Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. vgl [1]
  2. eine der beiden Riesenflugzeugabteilungen (501 und 502)
  3. vgl. http://multisites.phpnet.org/alaurent/zeppelin/technique/geants/GermanGiants.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Karlheinz Kens, Hanns Müller: Die Flugzeuge des Ersten Weltkriegs 1914 – 1918. Heyne, München 1973, ISBN 3-453-00404-3.
  • Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910 – 1918. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914 – 1918. Lehmanns, München 1959.
  • Günther Sollinger: Villehad Forssman. Constructing German Bombers 1914 – 1918. Rusavia Publishing House, Moskau 2009, ISBN 978-5-900078-62-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]