Siemens-Werk Braunschweig

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Siemens Mobility Braunschweig

Das Werk für Bahnautomatisierung der Siemens AG in Braunschweig geht auf die 1873 gegründete Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co zurück. Es ist der weltweit größte Standort für Rail Automation und gehört zum Geschäftsbereich Siemens Mobility der Siemens AG. Der Betrieb liegt an der Ackerstraße auf der Rückseite des Hauptbahnhofs im Stadtbezirk Viewegs Garten-Bebelhof.

Max Jüdel & Co.[Bearbeiten]

Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co um 1900

Die Eisenbahn hat in Braunschweig eine lange Tradition, seit hier am 1. Dezember 1838 die Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn, die erste staatliche Eisenbahn in Deutschland, die Strecke zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel eröffnete.

Im Jahr 1873 gründete der Braunschweiger Kaufmann Max Jüdel (1845–1910) mit dem Maschinenbau-Ingenieur Heinrich Büssing (1843 – 1929) die Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co. Von der Wolfenbütteler Straße zog das Werk bereits 1874 an die Ackerstraße um, wo ein Grundstück von 37.000 Quadratmetern zur Verfügung stand.

Das Unternehmen war international tätig und konnte 1880 das 100. Stellwerk ausliefern, 1892 das 1000ste. Ab 1893 wurden elektrische Blockwerke hergestellt, ab 1894 elektromechanische Weichen, und 1894 oder 1899 wurde das erste elektromechanische Stellwerk ausgeliefert.

In dieser Zeit (1893 oder 1898) wurde die Firma auch in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und das Berliner Konkurrenzunternehmen Siemens & Halske A.G. beteiligte sich zu einem Drittel. Dessen Gründer Werner von Siemens hatte bereits 1847 das erste elektromechanische Läutewerk hergestellt und gilt daher als Pionier der Eisenbahnsignaltechnik.

Im Jahr 1903 zog sich der 60-jährige Büssing mit seinem Kapital aus der Firma zurück, nachdem er in den vergangenen 30 Jahren 92 Patente im Eisenbahnsignalwesen erworben hatte, und gründete die Heinrich-Büssing-Spezialfabrik für Motorwagen und Motoromnibusse, aus der die traditionsreiche Büssing AG hervorging.

Mit 1.300 Mitarbeitern im Jahre 1908 gehörte Max Jüdel & Co. zu den größten Arbeitgebern in Braunschweig. Jüdel starb 1910 und hinterließ sein Vermögen der Stadt Braunschweig als Grundstock für die Max-Jüdel-Stiftung, deren Zinsertrag für soziale Zwecke eingesetzt wurde.

Siemens[Bearbeiten]

Im Jahr 1928 übernahm die Siemens & Halske A.G., die ab 1926 die „induktive Zugbeeinflussung“ (Indusi) entwickelte, die Aktienmehrheit und 1942 das ganze Werk. 1948 wurde das erste Drucktasten-Relaisstellwerk („Dr I“) am Bahnhof Düsseldorf-Derendorf eingesetzt und 1956 für den Bahnhof Kreiensen das erste Spurplanstellwerk („Sp Dr S 57“) ausgeliefert.

Seit 1960 liegt der Betrieb an der Rückseite des damals an neuer Stelle gebauten Braunschweiger Hauptbahnhofs. Anfang September 1961 wurde eine neue Fabrikationshalle fertiggestellt. Die Produktlinie umfasste zu dieser Zeit die wesentlichen Techniken der Eisenbahn-Sicherungstechnik wie Signale, Steuerungen, Stelltechnik, induktive Zugsicherung, Kommunikationstechnik sowie auch die beginnende Autobahn-Rufsäulenkommunikation.

Der Rangierbahnhof Maschen ging 1977 als größter Rangierbahnhof der Deutschen Bundesbahn bereits vollautomatisch und rechnergesteuert in Betrieb. 1981 richtete Siemens die Leitstelle der Kölner Verkehrs-Betriebe ein und 1982 lieferte das Werk das erste vollelektronische Stellwerk aus, das mit Mikrocomputern und Glasfaserkabeln ausgerüstet war.

Am 27. August 1987 wurde der Grundstein für den Neubau des Hochsicherheits-Rechenzentrums gelegt, das durch die Entwicklung von PCs anstelle der vorher üblichen Terminalrechner und die verbesserte Datenübertragung nach weniger als zehn Jahren überflüssig wurde und nach Erlangen umzog.

1989 wurde der bisherige Unternehmensbereich Eisenbahnsignaltechnik nach einer umfassenden Umstrukturierung in den Bereich Verkehrstechnik eingegliedert, der seit 2000 Siemens Transportation Systems heißt.

1996 wurde das elektronische Stellwerk Hannover mit 1024 Stelleinheiten ausgeliefert und ab 2001 die Betriebsleittechnik für den Transrapid Shanghai entwickelt, der 2004 den Betrieb aufnahm. 2003 wurde in Oslo einer der damals größten Flüssigkristallbildschirme der Welt in der Betriebsleitzentrale der Norwegischen Staatsbahn installiert.

Heute stellen fast 3000 Mitarbeiter elektronische Stellwerke, Zugbeeinflussungssysteme und Betriebsleittechnik für mehr als 200 Eisenbahnunternehmen in 45 Ländern her, von der computergestützten Fahrplanerstellung bis zur automatischen Diagnose von Weichenantrieben.

Außerdem befindet sich hier die Rail Automation Academy mit zehn Schulungsräumen für sechs bis 100 Personen mit moderner technischer Einrichtung. Im Test Center Mass Transit werden Instandhaltungspersonal, Systemadministratoren und Fahrdienstleiter von Nahverkehrsbetrieben geschult, und in den Systemtestzentren werden auf 1600 m² die Stellwerke und Betriebszentralen parallel zu Montage oder Umbauten simuliert.

Weblinks[Bearbeiten]

52.25155610.543549Koordinaten: 52° 15′ 6″ N, 10° 32′ 37″ O