Siemens ER20

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Siemens ER20 (B)U/(B)F
2016 905 der RTS
2016 905 der RTS
Anzahl: 131 ER20
14 ER20 F
insgesamt 181 Exemplare
Hersteller: Siemens TS
Baujahr(e): 2002 bis 2011
Achsformel: Bo’Bo’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 19.275 mm
Breite: 2.870 mm
Drehzapfenabstand: 10.362 mm
Drehgestellachsstand: 2.700 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 100 m
Dienstmasse: 80 t
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
Installierte Leistung: 2.000 kW
Traktionsleistung: 1750 kW ohne ZS
1600 kW mit ZS
Anfahrzugkraft: 235 kN
Treibraddurchmesser: 1100 mm / 1020 mm
Motorentyp: Common Rail System
Motorbauart: MTU 16 V 4000 R41
Nenndrehzahl: 600–1.800/Minute
Leistungsübertragung: dieselelektrisch
Tankinhalt: 2800 l
Bremse: indirekt (pneumatisch) + dynamische Bremse
Lokbremse: SW-GPRmZ+E
Zugsicherung: PZB, Sifa
Zugheizung: 400 kW
Geschwindigkeitsmesser: Analog
Steuerung: AFB; Auf-/Abwärtssteuerung mit Kombihebel

Der Lokomotivtyp Siemens ER20 der Eurorunner-Serie ist eine von Rail Systems (zuvor Siemens Mobility, vormals Siemens Transportation Systems) gebaute, vierachsige dieselelektrische Lokomotive der mittleren Leistungsklasse.

Das Modell wurde zunächst im Auftrag der Österreichischen Bundesbahnen gebaut und dort als 2016 oder Hercules bezeichnet. Ein 2.000 kW Dieselmotor mit angeflanschtem Drehstrom-Asynchrongenerator erzeugt dabei den Strom, mit dem die vier Motoren (einer für jede Achse) angetrieben werden. Die Lokomotiven sind mit Wendezug- und Doppeltraktionssteuerung ausgestattet.

Geschichte und Einsatz[Bearbeiten]

Neben den ÖBB besitzen diverse Privatbahnen in Österreich und Deutschland, etwa die Regentalbahn für den Alex-Verkehr, insgesamt 180 Loks dieses Typs. Eine weitere läuft als Präsentationsfahrzeug für Siemens.

Eine der MRCE-Loks ist bei der slowakischen Privatbahn BRKS im Einsatz. Seit Mitte Juli 2007 gibt es auch eine Zulassung für Tschechien.

Fünf mit Mittelpufferkupplung ausgestattete Loks wurden im August 2003 nach Hongkong geliefert.[1]

Als ER20 BF, früher ER20 F, wird eine reine Güterzugvariante der Lok ohne Zugheizung bezeichnet. Diese wird von österreichischen und deutschen Privatbahnen eingesetzt.

Die Loks wurden bis 2007 in Deutschland als Baureihe 253 bezeichnet, das Fahrzeugeinstellungsregister bezeichnet sie seitdem jedoch als BR 223 und vergibt die 253 an die Vossloh G 2000 BB. Bei den Osthannoverschen Eisenbahnen werden deren drei ER20F als 2700 80 – 2700 82 bezeichnet (die OHE-Bezeichnungen orientieren sich an der Lokleistung in PS). Eingesetzt werden die Lokomotiven im Personen- und Güterverkehr.

Mit dem Erscheinen der auf dem EuroSprinter 2007 basierenden sechsachsigen Siemens ER20 CF bzw. CU heißen diese Loks jetzt ER20 BU oder ER20 BF, von denen 44 Exemplare in Litauen als LG-Baureihe ER20 im Einsatz sind.

Die letzte ER20 wurde 2012 an die Adria Transport in Koper in Slowenien ausgeliefert.[2]

Folgende Unternehmen setzen den ER20 ein:[3]

Name des EVU Anzahl Land
Adria Transport 2 Slowenien
Alpha Trains 11 Belgien
Eisenbahngesellschaft Ostfriesland-Oldenburg mbH (Enercon) 2 Deutschland
Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser 4 Deutschland
IntEgro Verkehr 2 Deutschland
LTE Logistik- and Transport- GmbH 4 Österreich
Metrans 7 Tschechien
Mitsui Rail Capital Europe 15 Deutschland
MTR Corporation 7 China
Nord-Ostsee-Bahn (geleast von CBRail) 3 Deutschland
Nordic Rail Service 1 Deutschland
ÖBB 100 Österreich
Osthannoversche Eisenbahnen AG 3 Deutschland
PCT Private Car Train 5 Deutschland
PRESS 2 Deutschland
Prüf- und Validationscenter Wegberg-Wildenrath (Siemens Präsentationslok) 1 Deutschland
RTS Rail Transport Service GmbH 4 Österreich
S.C. Cargo Trans Vagon S.A. 2 Rumänien
Steiermärkische Landesbahnen 3 Österreich
Stern & Hafferl 4 Österreich
Vogtlandbahn (geleast von Alpha Trains) 12 Deutschland
Westfälische Landes-Eisenbahn GmbH 2 Deutschland

Technische Merkmale[Bearbeiten]

Die Lokomotive besitzt einen aufgeladenen 16-Zylinder-Dieselmotor der 4000er Serie von MTU Friedrichshafen mit Common-Rail-Einspritzung und Ladeluftkühlung. Im Leerlauf werden zur Verbesserung der Abgaswerte acht von 16 Zylindern abgeschaltet.

Bei erhöhtem Leistungsbedarf beim Anfahren oder auf kurzen Steigungsabschnitten kann die Zugsammelschiene (für die Energieversorgung der Wagen) abgeschaltet werden. Somit steht die gesamte durch den Generator erzeugte Leistung den Fahrmotoren zur Verfügung. Der Antrieb erfolgt über einen Ritzelhohlwellenantrieb, bei dem die Motoren im Drehgestellrahmen gefedert gelagert sind, während das Getriebegehäuse mit Ritzel und Großrad ungefedert auf der Achse sitzt.

Die Lokomotive besitzt getrennte Stromkreisläufe für die Verbraucher und den Anlasser. Der benötigte Strom für den Anlasser wird in Kondensatoren gespeichert, damit sind zwei bis drei Startvorgänge unabhängig von der Hauptbatterie möglich.

Der Lokrahmen besteht aus zwei Langträgern mit Querträgern am Kopfende, für die Drehgestelle und den Motor. Der Wagenkästen besteht aus einem Gitterfachwerk aus Stahlprofilen, wobei die Dachschrägen tragende Teile sind. Die Seitenwände aus Aluplatten werden nur aufgeklebt. Das Führerhaus ist ein eigenes Fertigmodul, das in der Endmontage mit dem Kasten verbunden wird. Die Pufferträger sind als Deformationselemente ausgeführt.

Nachfolger[Bearbeiten]

Ab 2007 bekamen die Loks einen neuen, gemeinsam für den EuroRunner und den EuroSprinter benutzten Lokkasten, womit praktisch eine neue Lokfamilie Siemens ES 2007 entstand. Hierfür ist bereits die erste, eine sechsachsige Version als ER20 CF für die litauische Lietuvos Geležinkeliai, hergestellt worden.

2010 wurde schließlich das Konzept zur Vectron DE weiterentwickelt, welche erstmals auf der InnoTrans 2010 ausgestellt wurde.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ER 20 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fünf Euro-Runner unterwegs nach Hongkong. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2003, ISSN 1421-2811, S. 443.
  2. eisenbahn-magazin 9/2012, S. 19
  3.  Tobias Reisky: SIEMENS ER 20. Die Diesellok für Mitteleuropa.. In: Bahn-Report. 2014, Nr. 2, ISSN 0178-4528, S. 76-79.