Siersleben

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Siersleben (Begriffsklärung) aufgeführt.

51.60361111111111.543888888889216Koordinaten: 51° 36′ 13″ N, 11° 32′ 38″ O

Siersleben
Stadt Gerbstedt
Höhe: 216 m
Fläche: 10,02 km²
Einwohner: 1426 (31. Dez. 2009)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06308
Vorwahl: 03476
Gerbstedt (Ortschaft) Augsdorf Rottelsdorf Freist Friedeburg (Saale) Friedeburgerhütte Heiligenthal Hübitz Ihlewitz Rottelsdorf Siersleben Welfesholz Zabenstedt Landkreis Mansfeld-SüdharzKarte
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Lage von Siersleben in Gerbstedt

Siersleben ist ein Ortsteil der Stadt Gerbstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz rund neun Kilometer nördlich der Lutherstadt Eisleben und etwa fünf Kilometer südlich von Hettstedt. Siersleben wird auch, zusammen mit Thondorf, Hübitz und Augsdorf, als die Griftdörfer, bzw. als Dörfer am Griftbach bezeichnet.

Geografie[Bearbeiten]

Der Teich in der Teichstraße

Siersleben liegt 209 m über dem Meeresspiegel inmitten der Mansfelder Platte, einer welligen Ebene, die im Süden nach Eisleben hin abfällt. Im Osten zerschneidet das Schlenzetal die Ebene, ferner das Saaletal, und im Westen und Norden der Fluss Wipper. Es gibt auch kleinere Landschaftseinschnitte, wie den Kreuzgrund, das Tal des 1826 ausgetrockneten Sohlbaches, im Norden. Im Norden des Dorfes Siersleben entsprang einer der Quellbäche dieses Baches. In der Ortslage Thondorf, einen Kilometer westlich von Siersleben, entsprang der Wickengraben, ein ebenfalls ausgetrockneter Bach. Er floss nach Osten zum Dorfteich Sierslebens. Der verlandende Dorfteich liegt an der tiefsten Stelle inmitten der Ortslage von Siersleben. Er markiert die Quelle des Rüsterbaches, der nach Augsdorf im Westen abfließt. In diesem Teich leben verschiedene Froscharten und Enten; Anwohner wollen außerdem Bisamratten gesehen haben. Ein relativ breiter Schilfgürtel ist ausgeprägt.

Die Landschaft um Siersleben dominieren neben den großen Bergbauhalden Brosowski und Thälmann Raps- und Getreidefelder; kleinere Wälder wie zum Beispiel das Welfesholz im Norden und der Regenbeck im Westen sind auch aufzufinden. Bei guter Sicht kann man im Osten den Petersberg erkennen. Die Ortslage Sierslebens steht auf sehr ebenem Boden. Es gibt nur wenige Erhebungen, die höchste ist der 240 m hohe Sickberg westlich von Thondorf.

Landschaftliche Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Am Siersleber Dorfteich wächst die Mauerraute
  • An der Straße nach Welfesholz, 1,5 km nördlich des Ortes, in direkter Nachbarschaft zu einem verlassenen Obstgarten befindet sich das Dampfloch, ein rund zehn Meter tiefes Loch in der Landschaft.
  • In der Landschaft zwischen Siersleben und Gerbstedt sind mehrere Wüstungen zu finden, z. B. Nienstedt oder Dankendorf.
200° Blick von einer Halde an der nördlichsten Spitze der Ortschaft auf Siersleben, Hübitz und Hettstedt

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung des Ortes geht wahrscheinlich zurück auf eine Siedlung der jungen Bronzezeit. Als ältester Fund allerdings gelten eine mittelneolithische Tontrommel in der Flur Apfelborn, sowie viele Grabfunde in unmittelbarer Nähe des heutigen Ortes. Erste Funde in der Ortslage (450 m südöstlich der Kirche) ließen sich aber erst auf etwa 650 n. Chr. datieren, wobei es sich um in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung ausgerichtete Gräber handelte.

Neben weiteren Siedlungen übergab König Otto III. am 6. Januar 992 den Ort Sigerslevo an die Reichsabtei zu Quedlinburg, mit der Maßgabe, die Erträge der Stiftskirche Walbeck (bzw. dem Kloster) zufließen zu lassen.[1] Dieses gründete in Siersleben einen Klosterhof, welcher im Zuge der Reformation säkularisiert wurde. Als Vorwerk der Grafen von Mansfeld-Vorderort und nach weiteren mehrfachen Besitzerwechseln gelangte das spätere Gut schließlich in die Hände Wilhelm von Humboldts. Dieser hatte im benachbarten Altdorf (heute Stadtteil von Hettstedt) einen Sommerwohnsitz (das Humboldtschlößchen; heute Sitz des Mansfeld-Museums). Es ist anzunehmen das Siersleben zum Zeitpunkt der ersten Urkundlichen Erwähnung schon 600 Jahre bestand.

Der älteste Kern Sierslebens (um 300 n. Chr.) liegt nördlich der Andreaskirche, entlang des Rüstebaches, der heutigen Teichstraße. Er hatte die Form eines Rundlings, in der Mitte wurde an der Quelle des Rüsterbaches ein Teich, der noch heute besteht, angelegt. Das Dorf war großzügig angelegt, Gemeindeflächen wie Kuhweiden wurden schon sehr früh miteinbezogen. Das damalige Straßennetz bestand aus einem von Osten her kommenden Weg, der um den Dorfteich führte und den Ort dann wieder in Richtung Osten verließ. Erste Erweiterungen erfolgten nördlich des Rundlings, es wurde eine sackförmige Siedlung entlang eines neuen Angers angelegt. Dann wurde ein Anger westlich des Ortes an der heutigen Schulstraße angelegt, hier wurden früher mehrere Gärten, die bis ins 19. Jahrhundert bestanden, bewirtschaftet. Später erfolgte eine weitere Erweiterung des Ortes, der Pfingstanger (heute Augsdorfer Straße) südlich des Ortes wurde angelegt. Hier wurde dann ein Rittergut (der spätere Klosterhof) errichtet.

Aufgrund der Abteufung der Kupferschieferschächte Glückhilf und Niewandt entstanden Ende des 19. Jahrhunderts neue Siedlungshäuser zwischen der Straße und dem Fußweg nach Thondorf einerseits und zwischen den Straßen nach Hettstedt und Welfesholz andererseits.

Der Zweite Weltkrieg endete für Siersleben unblutig, am 13. April 1945 wurde es, 132 Jahre nach dem letzten Mal, von fremden Truppen besetzt. Der Ort war von amerikanischen Panzern von Westen und Süden umstellt worden, da die Amerikaner vermuteten, auf eine starke Verteidigung zu treffen. Auch der Luftraum war zuvor von Jägern der United States Air Force gesichert worden. Gegen 10 Uhr Vormittag tauchte ein Jeep mit zwei amerikanischen Offizieren aus Richtung Eisleben auf. Nachdem sie mit zwei Schüssen eine Fensterscheibe zerschossen hatten, gingen sie in den Gasthof Fleischhauer und tranken ein Bier. Dann fuhren sie wieder nach Eisleben ab. Gegen ein Uhr Nachmittags rückten aus zwei Richtungen, von Thondorf und von Eisleben her, motorisierte Truppen und Panzer ein, die von der Bevölkerung beobachtet wurden, aber auch gleich weiterzogen. Die Truppen aus Thondorf zogen nach Sandersleben und die aus Eisleben nach Heiligenthal und Gerbstedt weiter. Es gab keine Ausschreitungen im Dorf zwischen den Soldaten und der Bevölkerung.

Siersleben war bis 1945 Gemeinde im Mansfelder Gebirgskreis und ging dann 1949 an den Kreis Eisleben. Um 1950 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Thondorf eingemeindet. Um 1994 kam Siersleben in die Verwaltungsgemeinschaft Mansfelder Platte des neu gegründeten Landkreis Mansfelder Land. 2005 wurde diese dann Aufgelöst, Siersleben kam nun an die Verwaltungsgemeinschaft Gerbstedt. 2007 fusionierten der Landkreis Mansfelder Land und der Landkreis Sangerhausen zum Landkreis Mansfeld-Südharz. Am 1. Januar 2010 schlossen sich die Gemeinden Siersleben, Augsdorf, Friedeburgerhütte, Hübitz, Ihlewitz, Rottelsdorf, Welfesholz und Zabenstedt mit der Stadt Gerbstedt zur neuen Stadt Gerbstedt zusammen.[2] Die Verwaltungsgemeinschaft Gerbstedt, zu der Siersleben gehörte, wurde aufgelöst.

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Siersleben wurden Siersleben und Thondorf jeweils Ortsteil der Stadt Gerbstedt und damit wurde auch für diese Ortsteile die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1649 ca. 100
1718 200
1780 200
1784 300
1864 533
1870 832
Jahr Einwohner
1880 838
1890 1961
1919 2136
1945 2250
1955 3650
1958 3881
Jahr Einwohner
1959 4114
1962 3550
1964 3230
1974 2955
1989 2087
1990 2039
Jahr Einwohner
2000 1709
2002 1689
2004 1608
2006 1554
Jun. 2008 1505
Dez. 2008 1472

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten]

Zur Gerbstedter Ortschaft Siersleben gehören die beiden Dörfer Siersleben und Thondorf sowie der Wohnplatz Bahnhof Siersleben.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die wichtigste Straßenkreuzung Sierslebens

In der Mitte des Dorfes befindet sich eine größere Kreuzung, in der sich die Landesstraße L72 und zwei Kreisstraßen nach Klostermansfeld und Hettstedt treffen. Die Bushaltestelle des Dorfes befindet sich dort. Bis zum 31. Juli 2009 führte auch die Bundesstraße 180 über die Kreuzung und durch den Ort, dann wurde die neue Ortsumfahrung Hettstedt für den Verkehr freigegeben, als Folge dessen verläuft die Straße jetzt auf der neuen Trasse im Westen, statt durch den Ort. Im Osten des Dorfes biegt von der L72 die L154 nach Könnern ab. Vom Ort führen außerdem kleinere Straßen nach Hübitz, Augsdorf und Thondorf, es existiert ein Radweg zwischen Siersleben und seinem Ortsteil Thondorf, welcher parallel zum versiegten Bach Wickengraben verläuft. Am 1 km nördlich der Ortsmitte gelegenen Haltepunkt Siersleben an der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim halten keine Züge mehr. Die nächsten Bahnhöfe der Deutschen Bahn (DB) sind Klostermansfeld und Hettstedt, von denen aus stündlich Züge in Richtung Magdeburg und Erfurt abfahren. Die Mansfelder Bergwerksbahn unterhält einen Haltepunkt in Siersleben. Autobahnanschlussstellen in der Umgebung sind Plötzkau Bundesautobahn 14 im Nordwesten und Lutherstadt Eisleben Bundesautobahn 38 im Süden.

Bildung[Bearbeiten]

Die „Grundschule Siersleben“ befindet sich neben der ev. Kirche an der Augsdorfer Straße und wird zurzeit von ca. 60 Schülern besucht. Das Schulgebäude selbst hat vier Etagen plus Keller, das Schulgelände ist in einen großen Schulhof mit Spielgeräten und den Schulgarten unterteilt, beide nehmen es zu gleichen Teilen ein. Eine Turnhalle befindet sich 100 Meter entfernt.

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

Siersleben teilt mit den anderen Griftdörfern Hübitz, Augsdorf und Thondorf das Gewerbegebiet Apfelborn. Es befindet sich südlich des Dorfes.

Sport[Bearbeiten]

Die Sporthalle von Siersleben, im weißen Häuschen davor befinden sich die Umkleideräume.

Am südöstlichen Dorfrand existiert der Sportplatz des Dorfes. Er ist aufgebaut aus einem Fußballfeld, das von einer 400 m langen Laufbahn umrandet wird. Nördlich davon befindet sich eine kleinere Tribüne und westlich davon ein paar kleine Übungsplätze. Das gesamte Gelände ist von großen Pappeln gesäumt, einige davon wurden auf Grund von Morschheit gefällt. Siersleben hatte noch einen älteren, kleineren Sportplatz, dieser befand sich am östlichen Ortsrand und wird heute als Kuhweide genutzt. Die alte Kegelbahn in der Teichstraße ist auch nicht mehr zu erkennen, das Grundstück wird heute als Garten genutzt. Aus Siersleben kommt der Sportverein SV Teutonia 1920 Siersleben.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

In Siersleben finden regelmäßig Veranstaltungen statt, die von den verschiedenen Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr und der Kirchengemeinde des Dorfes organisiert werden. Alljährliche Veranstaltungen sind zum Beispiel das Weihnachtsfest und eine Feier zum 1. Mai am Teichplatz, und Osterfeuer auf dem Sportplatz. Auch in der Kirche werden verschiedene Feste gefeiert. Die Mehrzweckhalle bietet Ausstellungsfläche für Kaninchenschauen und ähnliche Ausstellungen.

Religionen[Bearbeiten]

Die Dorfkirche St. Andreas sowie das Pfarrhaus in der Teichstraße gehören zur protestantischen, die kleinere Kirche am Westrand des Dorfes zur katholischen Kirchengemeinde.

Name des Dorfes[Bearbeiten]

Das Suffix -leben legt nahe, dass es sich um eine altthüringische Siedlung handelt. Als Vorläufer des Namens Siersleben selbst entstand im frühen Mittelalter die Bezeichnung Sigihersleiba (Wohnstätte des Sigiher), am 6. Januar 992 erwähnte König Otto III. den Ort als Sigerslevo. Die These, der Name stamme aus der Zeit der Schlacht am Welfesholz 1115 und bedeute „Sieh, hier's leben!“, ist falsch.

Der Kirchturm der St. Andreas Kirche bei Gewitter
Altes Gehöft in Siersleben

Gedenkstätten/Denkmalgeschützte Gebäude[Bearbeiten]

  • Denkmal auf dem Friedhof des Ortsteiles Thondorf für zwei polnische (nach anderen Angaben sowjetische) Kriegsgefangene, die bei der AG Kupferbergbau Opfer von Zwangsarbeit wurden.
  • Kriegerdenkmal an der Ecke Schulstraße / Mittelstraße zu Ehren der Opfer der beiden Weltkriege in Form eines Obelisken mit Inschrift „Sei treu wie sie verzaget nicht“
  • Denkmalgeschützte Gebäude
  1. Feierhalle in der Klostermansfelder Straße: eine Friedhofskapelle aus dem 19. Jahrhundert mit kleinem Saalbau in Fachwerk, einem Satteldach, reiche überwiegend gotisierende Dekoration durch Holz, Bleiglasfenster mit figürlichen Motiven und Mosaik.
  2. Kirche „St. Andreas“ in der Augsdorfer Straße: eine alte Kirche, deren Turm das Ortsbild prägt. Der untere Teil des Bruchsteinbaus wurde um 1230, der obere um 1250 erbaut.
  3. Villa in der Klostermansfelder Straße: ein nahezu original erhaltenes Beispiel einer kleinen ländlichen Gründerzeitvilla mit städtischem Anspruch. Es existiert eine aufwendige Putzfassade mit geschweiftem Zwerchhausgiebel und Mittelerker. Die Fassade ist gegliedert durch Gesimse, Pilaster und Attikablindfenster. Die Seiten um 1900 sind deutlich einfacher gestaltet. Eingefriedet wurde durch einen bauzeitlich schmiedeeisernen Zaun.
  4. Bauernhof in der Schulstraße: ein langgestreckter sechsachsiger zweigeschossiger Bruchsteinbau mit einem steilen Dach und Sandsteingewänden. Er ist weitgehend original erhalten und besitzt ein hofseitig verputztes Fachwerkobergeschoss. An der Hofseite befinden sich Toilettenerker aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert. Der Bauernhof wurde um 1900 überformt. Aus dieser Zeit ist auch das seitliche Torgebäude mit dem schmiedeeisernen Hoftor.
  5. Förderanlage des Niewandtschachtes, nördlich von Siersleben, östlich der B 180

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Marie Ahlers (1898–1968), kommunistische Politikerin, Reichstagsabgeordnete
  • Wilhelm Brunner (1899–1944), Kommunalpolitiker
  • Gotthilf Heinrich Schnee (1761–1830), Pfarrer, schöngeistiger und landwirtschaftlicher Schriftsteller, Inaugurator des Wittenberger Lutherdenkmals

Literatur[Bearbeiten]

  • Mansfelder Land (= Werte unserer Heimat. Band 38). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1982.
  • Erich Neuß: „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ ; Band 3, Im Herzen der Grafschaft Fliegenkopf Verlag, Halle (Saale), 2001
  • Broschüre „1000 Jahre Ortsgeschichte“

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siersleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. RI II 3 Nr. 1047
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010