Sigismondo (Oper)

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Werkdaten
Titel: Sigismondo
Originaltitel: Sigismondo
Originalsprache: italienisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Giuseppe Maria Foppa
Uraufführung: 26. Dezember 1814
Ort der Uraufführung: Venedig, Teatro La Fenice
Spieldauer: 2 Std.
Ort und Zeit der Handlung: Polen, 16. Jahrhundert
Personen
  • Sigismondo, König von Polen, (Alt, Hosenrolle)
  • Aldimira, seine Gattin und Tochter Uldericos, (Sopran)
  • Ladislao, Premierminister Sigismondos, (Tenor)
  • Anagilda, Schwester Ladislaos (Mezzosopran)
  • Radoski, Vertrauter Sigismondos, (Bariton)
  • Ulderico, König von Böhmen und Ungarn (Bass)
  • Zenovito, polnischer Edelmann (Bass)
  • Höflinge, Soldaten (Chor)

Sigismondo ist eine Oper („dramma“) in zwei Akten von Gioachino Rossini nach einem Libretto von Giuseppe Maria Foppa. Die Uraufführung fand am 26. Dezember 1814 im Teatro La Fenice in Venedig statt.

Entstehung und Verbreitung[Bearbeiten]

Sigismondo ist die zweite Opera seria, die Rossini für das Teatro la Fenice geschrieben hat, und sie ist seine in dieser Gattung am wenigsten beachtete.[1] Das bis heute weitgehende unbekannte Werk fehlt in den üblichen Opernführern und wird nicht einmal im Standardwerk Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters behandelt. Die Oper entstand unmittelbar vor Rossinis Wechsel nach Neapel und ist damit kein Frühwerk mehr; er komponierte sie nach seinen großen Erfolgen Tancredi und L’Italiana in Algeri und im unmittelbaren Anschluss an seine in Mailand uraufgeführte Oper Il turco in Italia – zwischen den beiden Uraufführungen lagen nur etwas mehr als vier Monate.

Sigismondo war schon bei der Uraufführung ein Misserfolg und schaffte auch später nie ins Repertoire. 1819 wurde die Oper in Padua, Cremona und Reggio Emilia gespielt, 1820 in Florenz und 1827 noch einmal in Bologna. Erst 1992 wurde das Werk für eine Aufführung in Rovigo wieder ausgegraben, 1995 folgte eine weitere in Bad Wildbad. Einige Aufmerksamkeit erreichte 2010 eine umstrittene Inszenierung beim Rossini Opera Festival Pesaro unter dem Dirigenten Michele Mariotti mit Daniela Barcellona, Andrea Concetto, Olga Peretyatko und Antonio Sirgausa. Regisseur Damiano Michieletto hatte den ganzen ersten Akt von Sigismondo in eine Irrenanstalt um 1900 verlegt, ein Konzept, das zwar den Seelenzustand Sigismondos, aber nicht immer auch die Handlung schlüssig aufgreifen konnte. Die meist negativen Kritiken[2] zeigten aber auch das Potenzial der Oper[3], so erhielten die Sänger überwiegend sehr gute Kritiken. Diese Inszenierung ist als DVD verfügbar.

Handlung[Bearbeiten]

Sigismondo, König eines fiktiven Polens, hat seine Frau Aldimira wegen ihrer Untreue vor vielen Jahren zum Tode verurteilt, jetzt wird er fast wahnsinnig vor Gewissensbissen und Schuldvorwürfen. Dabei weiß er noch gar nicht, dass die vermeintliche Untreue Aldimiras eine Intrige seines Premierministers Ladislao war, den Aldimira zurückgewiesen hatte und der sich auf diese Weise an ihr rächte und der außerdem nun seine eigene Schwester Anagilda mit dem König verheiraten will. Nun zieht auch noch Aldimiras Vater Ulderico in den Krieg gegen Sigismondo, um diesen für das Schicksal der Tochter zur Rechenschaft zu ziehen. Doch Aldimira ist nicht tot, sondern lebt inkognito in der Obhut des Edelmanns Zenovito in den Wäldern Polens. Sigismondo zieht Ulderico entgegen und kommt ausgerechnet zur Waldhütte Zenovitos. Er glaubt zwar, dass Aldimira die Tochter Zenovitos sei, fasst aber aufgrund der großen Ähnlichkeit zu seiner vermeintlich hingerichteten Gattin, den Plan, diese dem Vater als Tochter zu präsentieren, um ihn so vom Krieg gegen Polen abzuhalten. Aldimira lässt sich auf das Spiel mit der doppelten Täuschung ein. Aber unterdessen hat Ladislao dem Ulderico gesteckt, dass dieser von Sigismondo getäuscht werden solle, worauf Ulderico die eigene Tochter trotz der großen Ähnlichkeit nicht erkennen will. Als Ladislao sich erneut an Aldimira heranmacht, wird er von dieser zurückgestoßen – er stützt, fällt auf den Kopf und gesteht unter dem Schock seine Missetaten. Der Krieg fällt aus, Aldimira wird wieder Königin, Sigismondo gesundet und sogar Ladislao und Anagilda wird verziehen.

Libretto[Bearbeiten]

Hauptsächliche Ursache für den dauerhaften Misserfolg der Oper ist das sowohl nach dem Urteil zeitgenössischer als auch heutiger Kritiker miserable Libretto von Giuseppe Maria Foppa: „Die Kritik an Foppa war bereits in der Karnevalssaison 1815 vernichtend.“[1] Foppa, mit dem Rossini schon bei den Opern L’inganno felice, La scala di seta und Il signor Bruschino zusammengearbeitet hatte, schrieb auf Basis zweier früherer Libretti einen Text, der nicht nur überaus verworren und wenig plausibel ist, sondern auch unzureichend realisiert ist, da er „viele unregelmäßige, abgehackte Versmaße“ aufweist[4]. Ein Neuerung ist immerhin der „Typus des von Schuldgefühlen geplagten, fast dem Wahnsinn verfallenden Helden“.[1] Rossini schien mit seiner Oper selbst nicht zufrieden zu sein, denn eine der zahlreichen Opern-Anekdoten berichtet, er habe, als das Publikum bei der Uraufführung sich nicht gleich zwischen Beifall und Ablehnung habe entscheiden können, seinen Sitznachbarn zugeflüstert: „So pfeift doch endlich!“[3]

Musik[Bearbeiten]

Rossini hat in Sigismondo Teile aus früheren Opern verwendet und später auch größere Teile daraus wiederverwendet, so in seinen Opern Elisabetta, regina d’Inghilterra, Torvaldo e Dorliska, Il barbiere di Siviglia, La Cenerentola und Adina. Der Anfang des 1. Aktes von Il barbiere di Siviglia ist beispielsweise eine Umarbeitung des Beginns des 2. Aktes von Sigismondo. Rossini Biograf Richard Osborne kommt daher zu dem Schluss, die Musik des Sigismondo könnte dann doch gar nicht so schlecht sein: „Sigismondo ist ein schwerfälliges und schwieriges Stück, aber man sollte sich hüten, es strikt abzulehnen, denn die folgenden erfolgreichen Opern enthalten einen großen Teil von neu aufbereitetem Sigismondo.“[3]

Orchester[Bearbeiten]

Nummern[Bearbeiten]

I.Akt
1. Introduzione
2. Coro: O prence misero
3. Scena e cavatina: L'immago tiranna
4. Cavatina: Non seguirmi ... ormai t'invola
5. Scena e cavatina: Oggetto amabile
6. Recitativo e coro di cacciatori: Al bosco! alla caccia!
7. Recitativo e aria: Vidi ... ma no, ch'io m'ingannai
8. Recitativo e duettino: Un segreto e il mio tormento
9. Recitativo e aria: Tu l'opra tua seconda
10. Scena e duetto: Perche obbedir disdegni
11. Finale quartetto: Quale, o ciel, d'idee funeste
12. Seguito e stretta del finale: Dimmi, egelinda, in corte
II. Akt
13. Coro d'introduzione: In secreto a chi ci chiama?
14. Recitativo e duetto: Tomba di morte e orrore
15. Recitativo ed aria: Sognava contenti
16. Scena e cavatina: Giusto ciel che i mali miei
17. Scena ed aria: Ah! Signor, nell'alma mia
18. Marcia, recitativo e quartetto: Genitor ... deh vien!...tarresti?
19. Gran scena ed aria: Alma rea! Il piu infelice
20. Atto secondo: recitativo e finale: Qual felice amico giorno

Diskografie[Bearbeiten]

  • 1992; Richard Bonynge; Sonia Ganassi, Bruno Lazzaretti, Rosella Ragatzu, Giacomo Prestia; Orchestra del Conservatorio Francesco Venezze di Rovigo; CD: Bongiovanni
  • 1995; Marc Andreae; Carmen Oprisanu, Tatiana Korovina, Vladimir Prudnikov; Stuttgarter Kammerorchester; CD Crossroads
  • 2010; Michele Mariotti; Daniela Barcellona, Andrea Concetti, Olga Peretyatko, Antonino Siragusa; Orchester des Teatro Comunale di Bologna, DVD (live) naxos

Literatur[Bearbeiten]

  • Marcus Chr. Lippe: Rossinis opere serie, Zur musikalisch-dramatischen Konzeption, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2005; ISBN 978-3-515-08586-1
  • Richard Osborne, Rossini. Leben und Werk. Droemer Knaur, München 1988, ISBN 3-426-02421-7.
  • Osborne, Richard: “Sigismondo” in The New Grove Dictionary of Opera, Stanley Sadie (Ed.), London: MacMillan, 1992, ISBN 0-333-73432-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Marcus Chr. Lippe: Rossinis opere serie, Zur musikalisch-dramatischen Konzeption. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-515-08586-1, S. 186ff.
  2. Thomas Molke: Die Welt als Irrenhaus, in OMM, 15. August 2010 aufgerufen am 27. Oktober 2013; anders Frieder Reininghaus anlässlich einer Falstaff-Kritik im Deutschlandfunk: „Dieser begradigende Handstreich wurde der turbulenten Handlung in wundersamer Weise gerecht.“ Notizblog vom 1. August 2013, aufgerufen am 27. Oktober 2013
  3. a b c Richard Osborne, Rossini. Leben und Werk. München 1988, S.32
  4. Gioacchino Rossini: ’’Sigismondo’’, Programmvorschau ORF Ö1, aufgerufen am 27. Oktober 2013.