Sigismund Streit

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Sigismund Streit (* 13. April 1687 in Berlin; † 20. Dezember 1775 in Padua) war ein deutscher Kaufmann, Sammler und Mäzen der Künste in Venedig.

Sigismund Streit von Jacopo Amigoni, 1739, Gemäldegalerie Berlin

Streit war der Sohn des Huf- und Waffenschmiedemeisters (des Bürgers und Bierbrauers) David Streit und der Eva Maria Melzow in Berlin.[1] 1697 bis 1701 besuchte er das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, da sein Vater wollte, dass er studierte und Pfarrer würde. 1701 wurde er Waise, verließ die Schule und ging zu einem Verwandten nach Altona in die Kaufmannslehre. Über Leipzig ging er 1709 nach Venedig (die Strecke legte er zu Fuß zurück), wo er sich aus ärmlichen Verhältnissen (er begann als Kaufmannsdiener und Schreiber im Kontor) zu Wohlhabenheit (mit eigenem Palazzo am Canale Grande[2]) hocharbeitete. Mit dem geringen Erbe seines Vaters machte er sich 1715 selbständig. 1754 ließ er sich in Padua zur Ruhe. In Venedig war er als Kunstsammler und Auftraggeber für Maler bekannt, neben Canaletto unter anderem Antoine Pesne, Jacopo Amigoni, Giuseppe Nogari, Francesco Zuccarelli. Mit dem Sammeln begann er in relativ fortgeschrittenem Alter (1740er Jahre).

1724 besuchte er nochmals Deutschland (mit seiner Heimatstadt Berlin), England und die Niederlande. Er heiratete nie und hatte keine Kinder.

Er vermachte sein Vermögen 1752 und 1760 dem Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin. Allein das Bargeld-Vermögen betrug 60.000 Taler, hinzu kamen Gemälde unter anderem von Canaletto, Amigoni, Nogari, Zuccarelli (insgesamt 49 Gemälde), Stiche, Musikalien und Bücher.[3] Er legte die Verwendung des Erbes genau fest, so dass sich der Nachlass durch Zinsen noch vergrößerte. Die Sammlung überstand den Zweiten Weltkrieg mit wenigen Verlusten und ist noch heute im Besitz der Streitschen Stiftung.

Er wurde in Venedig auf dem ehemaligen protestantischen Friedhof auf der Insel St. Christoph begraben.

Andere zeitgenössische Sammler in Venedig waren der Feldmarschall Graf Johann Matthias von der Schulenburg und der britische Konsul Joseph Smith.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anton Friedrich Büsching: Lebensbeschreibung des Sigismund Streit, Berlin 1776 (vom Direktor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, mit Liste der vermachten Gemälde im Anhang)
  • Fritz Jonas: Streit, Sigismund. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 565 f.
  • Francis Haskell: Patrons and Painters. Art and Society in Baroque Italy. Yale University Press 1980

Weblinks[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

  1. Auch sein Großvater war Schmied in Spandau
  2. Abgebildet auf dem Auftragsgemälde von Canaletto Der Canale Grande mit Blick auf die Rialtobrücke, 1761, Gemäldegalerie Berlin
  3. Die Sammlung des Grauen Klosters hatte vor dem Zweiten Weltkrieg 45.000 Bände, etwa 14.000 überstanden den Krieg. Streitsche Sammlung (unter "Spezielle Sammlungen")