Siglistorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siglistorf
Wappen von Siglistorf
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4319i1f3f4
Postleitzahl: 5462
Koordinaten: 670910 / 26654947.5458348.380561444Koordinaten: 47° 32′ 45″ N, 8° 22′ 50″ O; CH1903: 670910 / 266549
Höhe: 444 m ü. M.
Fläche: 5.51 km²
Einwohner: 627 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 114 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 20,1 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.siglistorf.ch
Siglistorf

Siglistorf

Karte
Klingnauer Stausee Deutschland Kanton Zürich Bezirk Aarau Bezirk Baden Bezirk Brugg Bezirk Laufenburg Bad Zurzach Baldingen AG Böbikon Böttstein Döttingen AG Endingen AG Fisibach Full-Reuenthal Kaiserstuhl AG Klingnau Koblenz AG Leibstadt Lengnau AG Leuggern Mellikon Rekingen Rietheim AG Rümikon Schneisingen Siglistorf Tegerfelden WislikofenKarte von Siglistorf
Über dieses Bild
w
Quelle des Tägerbachs beim Schützenhaus oberhalb von Siglistorf
Kirche von Siglistorf

Siglistorf (schweizerdeutsch: ˈsɪgliʃˌtɔrf)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt an der Grenze zum Kanton Zürich und knapp drei Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt in einem engen Tal inmitten des Tafeljuras. Dieses wird von Südosten nach Norden durch den Tägerbach durchflossen, der bei Mellikon in den Rhein mündet. Die Hügel, die das Tal flankieren, sind im unteren Bereich sehr steil und gehen in flache Hochebenen über. Der Hügel im Osten heisst schlicht Berg und erreicht eine Höhe von 601 Metern, im Westen liegt der Brand (588 m ü. M.). Im Dorfzentrum zweigt ein kurzes Seitental in Richtung Südwesten ab. Zwischen den beiden Tälern erhebt sich im Süden der Buechstock (596 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 551 Hektaren, davon sind 289 Hektaren bewaldet und 33 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 601 Metern auf der Hochebene des Bergs, der tiefste auf 420 Metern am Tägerbach.

Nachbargemeinden sind Wislikofen im Nordwesten, Fisibach im Nordosten, Oberweningen im Südosten, Schleinikon und Niederweningen im Süden sowie Schneisingen im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Siglisdorf erfolgte im Jahr 1113. Die Edlen von Waldhausen stifteten die Propstei Wislikofen und schenkten dem Kloster St. Blasien zu diesem Zweck umfangreichen Grundbesitz in der Region. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Sigilinesthorf und bedeutet «Dorf des Sigilin».[3] Die niedere Gerichtsbarkeit kam im 13. Jahrhundert zum Bistum Konstanz und wurde dem bischöflichen Gerichtsbezirk Klingnau zugeteilt. Die hohe Gerichtsbarkeit (und damit die auch Landeshoheit) lag zunächst bei den Grafen von Kyburg, nach deren Aussterben im Jahr 1264 bei den Habsburgern.

Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Siglistorf gehörte nun zum Amt Ehrendingen der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Das Dorf lag an einer damals wichtigen Handelsroute, die von Süddeutschland über Schaffhausen, Kaiserstuhl und Baden bis nach Genf führte. Besonders für den Transport von Salz aus dem Salzkammergut war diese Verbindung bedeutend. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz und riefen die Helvetische Republik aus. Schneisingen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Siglistorf ein rein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Bis 1970 schwankte die Einwohnerzahl stets zwischen 250 und 300. Doch mit der Ansiedlung kleiner Gewerbebetriebe war auch eine Bevölkerungszunahme verbunden. Innerhalb von dreissig Jahren stieg die Einwohnerzahl um über das Doppelte.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau auf grünem Dreiberg linksgekehrter springender gelber Hirsch.» Bis 1930 besass die Gemeinde kein eigenes Wappen. Da das Kloster St. Blasien jahrhundertelang Herrschaftsrechte in Siglistorf ausgeübt hatte, übernahm man dessen Wappentier, drehte es allerdings nach rechts (heraldisch links) und fügte einen Dreiberg dazu.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 394 292 251 312 278 264 352 546 519 627

Am 31. Dezember 2013 lebten 627 Menschen in Siglistorf, der Ausländeranteil betrug 20,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 55,3 % römisch-katholisch, 25,8 % reformiert und 8,7 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 92,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,8 % Albanisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Siglistorf gehört zum Friedensrichterkreis Kaiserstuhl.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Siglistorf gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 100 Arbeitsplätze, davon 22 % in der Landwirtschaft, 10 % in der Industrie und 68 % im Dienstleistungssektor.[9] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der Region Baden oder in der Agglomeration Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Siglistorf liegt etwas abseits des grossen Durchgangsverkehrs. Nebenstrassen führen nach Niederweningen, Kaiserstuhl und Rekingen. Das Dorf wird durch die Postautolinie Baden–Niederweningen–Kaiserstuhl an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Bezirksschule können in Bad Zurzach besucht werden, die Sekundarschule in Rekingen. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siglistorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 396–397.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 276.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.