Sigmund-Freud-Gymnasium

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Sigmund-Freud-Gymnasium, 2., Wohlmutstraße (während der letzten Renovierung)
Sigmund-Freud-Gymnasium
Schulform Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium
Gründung 1864
Ort Wien Leopoldstadt
Bundesland Wien
Staat Österreich
Koordinaten 48° 13′ 15,1″ N, 16° 24′ 9,3″ O48.22085616.402571Koordinaten: 48° 13′ 15,1″ N, 16° 24′ 9,3″ O
Träger Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Schüler Etwa 600 (Stand 2010/11)
Lehrkräfte 75
Leitung Mag. Walter Jahn
Website www.freudgymnasium.at

Das Sigmund-Freud-Gymnasium ist eine Allgemeinbildende Höhere Schule im 2. Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt. Sie ist seit 1989 nach ihrem berühmtesten Absolventen, Sigmund Freud, benannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Schule wurde 1864 auf Beschluss des Gemeinderates der Stadt Wien als „Leopoldstädter Realgymnasium“ (1868 „Leopoldstädter Communal-Real- und Obergymnasium“) im zweiten und dritten Stock des Hauses Taborstraße 24, des damaligen Braun-Radislowitzschen Stiftungshauses, eingerichtet und von Bürgermeister Andreas Zelinka eröffnet. Sie wurde im ersten Schuljahr von 98 Schülern (ausschließlich männlichen; Schülerinnen wurden ab 1971 aufgenommen) besucht.

Bis 1864 hatte es in Wien, das damals 550.000 Einwohner hatte, nur vier Gymnasien gegeben. Der 2. Bezirk wies damals 70.000 Einwohner auf. (Gleichzeitig mit der Entscheidung, dieses Gymnasium zu errichten, beschloss die Stadtverwaltung ein weiteres im 6. Bezirk.) Im Nebenhaus, Glockengasse 2, wurde 1865 ein Turnsaal für die Schule eröffnet. 1872 fanden die ersten Reifeprüfungen am Gymnasium statt; damals wurde die Anstalt von 412 Schülern besucht, die unter Platzmangel litten.

1876 genehmigte der Gemeinderat den Neubau der Schule auf der Sperlrealität. Die Bezeichnung des Areals nahm auf das einst sehr beliebte, 1873 demolierte Vergnügungslokal „Zum Sperl“ Bezug, das sich hier befunden hatte. Der Neubau in der Kleinen Sperlgasse 2c mit Fassungsraum für 600 Schüler konnte 1877 eröffnet werden. An der bisherigen Schuladresse wurde ein Staatsgymnasium eingerichtet.

Die Stadtverwaltung hatte sich seit 1890 um die Übernahme der kommunalen Wiener Gymnasien durch das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht bemüht. Mit 1. September 1897 war dieses Bemühen erfolgreich; die Schule wurde nun in „k.k. zweites Staatsgymnasium im II. Wiener Gemeindebezirk“ umbenannt. Ab 7. Mai 1901 hieß die Schule „Erzherzog Rainer-Gymnasium“; der Erzherzog tat sich als Förderer von Kultur und Wissenschaft hervor. Seit 1910 sprach man vom Erzherzog-Rainer-Realgymnasium. 1928 wurde die Gasbeleuchtung der Schule durch elektrisches Licht ersetzt.

1937 gehörten 77,5 % der Schüler der jüdischen Religionsgemeinschaft an. 1938 wurden viele jüdische Schüler zur Übersiedlung an diese Schule gezwungen: Hatten 1936 nur 26 Schüler (keine Schülerin) hier maturiert, so wies der Maturajahrgang 1938 auf Grund dieser Maßnahmen 95 auf, davon fünf Mädchen. Im Schuljahr 1938/39 hatte die von den Nationalsozialisten in „Oberschule für Jungen“ umbenannte Schule keine jüdischen Schüler mehr. Parallel dazu wurden jüdische Lehrer entlassen.

1942 und 1943 wiesen die Maturantenlisten die Rubrik „Eingerückt aus der 7. Klasse“ auf; 1943 gab es keine üblichen Maturanten mehr. Für die vorzeitig Eingerückten, die den enormen Soldatenbedarf des seit der Schlacht von Stalingrad 1942 / 1943 auf dem militärischen Rückzug befindlichen NS-Staates zeigten, entfiel die Reifeprüfung; die Studienberechtigung nach dem Krieg wurde aber zugesichert. 1944 wurde die Reifeprüfung hier nur mehr von so genannten „Externisten“ abgelegt, die die Schule nicht besucht hatten. 1945, 1946, 1948 und 1949 fanden an dieser Schule keine Reifeprüfungen statt.

Im November 1946 wurde das Realgymnasium, das damals nur 96 Schüler hatte, in das bereits von der Bundesrealschule Wien 2 benützte Schulgebäude in der Vereinsgasse 21 verlegt; das Schulgebäude in der Kleinen Sperlgasse wurde von einem Realgymnasium für Mädchen und einer Frauenoberschule übernommen. In den späten fünfziger Jahren musste wegen des großen Schülerzustroms eine ehemalige städtische Mädchenhauptschule in der Darwingasse 14, zwei Häuserblöcke vom Haupthaus, als Dependance eingerichtet werden, in der bis zu elf Klassen untergebracht wurden.

1960 wurde von der Schule beim Unterrichtsministerium ein Neubau beantragt. 1961 wurden in 21 Klassen, davon die Hälfte in der Dependance, 546 Schüler unterrichtet. 1962 erwarb der Bund durch einen Grundstückstausch mit der Stadt Wien 12.250 m² auf dem Areal des ehemaligen städtischen Reservegartens in der Wohlmutstraße im Stuwerviertel für den Neubau, der 1964 begann; im gleichen Jahr wurde das 100-Jahre-Jubiläum des Gymnasiums gefeiert und der Name auf „2. Bundesgymnasium Wien II“ geändert. 1967 erfolgte der Umzug in das heutige Schulgebäude, das damals 24 Klassenzimmer, zwei Turnsäle und sechs Lehrsäle für einzelne Fächer sowie ein Tagesschulheim aufwies.

1971 wurden von der Schule erstmals Mädchen aufgenommen.

1989 wurde die Schule nach ihrem berühmtesten Absolventen „Sigmund-Freud-Gymnasium“ getauft. (Freud hatte das Gymnasium noch in der Taborstraße 24 besucht.)

Bekannte Absolventen[Bearbeiten]

Organisationsstruktur[Bearbeiten]

(Stand 2011)

  • 598 Schüler/innen (292 Schüler, 306 Schülerinnen)
  • 72 Lehrer/innen (27 Lehrer, 45 Lehrerinnen)
  • Das Nichtlehrerpersonal besteht aus acht Personen (eine Sekretärin, ein Schularzt und fünf Schulwarte).
  • Anzahl der Klassen: 24
  • Es gilt die Fünftagewoche mit Unterricht von Montag bis Freitag.
  • Für Schüler der Unterstufe wird Tagesbetreuung mit gemeinsamem Mittagessen, das außer Haus zubereitet wird, angeboten. Die Betreuung beginnt unmittelbar nach dem Unterricht und endet um 17 Uhr.

Schulformen[Bearbeiten]

An der Schule gibt es die Möglichkeit, zwischen dem Gymnasium (mit Latein bzw. Französisch ab der 3. Klasse) und dem Realgymnasium (mit Darstellender Geometrie ab der 7. Klasse) zu wählen. Unabhängig von der gewählten Schulform können die Schüler ab der 5. Klasse bei der zweiten lebenden Fremdsprache zwischen Französisch und Italienisch wählen.

Räume und Ausstattung heute[Bearbeiten]

  • Spezialsäle mit technischer Ausstattung für Musik, Biologie, Chemie, Physik
  • Drei IKT-Säle mit 55 Arbeitsplätzen und installierter Unterrichts-Software für die einzelnen Fächer, 38 weitere IKT-Arbeitsplätze für Schüler (z.B. in Klassenräumen der Oberstufe), Internetzugang für alle Schüler- und Lehrerarbeitsplätze, digitale Lernplattform Moodle
  • Ein Zeichensaal, zwei Werksäle, zwei Turnsäle
  • Multimediale Bibliothek
  • Auf dem Stand der Technik ausgestattete Bühne, sowie Ausstellungsflächen
  • 14 Beamer, 35 Overhead-Projektoren, 18 CD-Player für den Sprachunterricht, neuen Medienwagen (mit je einem DVD/Videorekorder und einem Fernsehgerät), umfangreiche Mediensammlungen der einzelnen Fächer (Bücher, Karten, DVD, CD usw.)
  • Filmsaal, Fotolabor
  • Rasenfußballplatz, zwei Tennisplätze, Volleyball-Platz, Tartanbahn, Leichtathletikanlagen
  • Zentralgarderobe mit Garderobenschränken für jeden Schüler
  • Eigene Räumlichkeiten für das Tagesschulheim
  • Mit 18 Computern ausgestattete Arbeits- und Kommunikationsräume für die Lehrerinnen und Lehrer
  • Buffet

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sigmund Freud-Gymnasium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • 100 Jahre Leopoldstädter Realgymnasium – 2. Bundesgymnasium. 1864. 1964, Hrsg.: Elternverein des Leopoldstädter Realgymnasiums und 2. Bundesgymnasiums Wien II, Wien 1965 (80 Seiten)