Sigmund Graff

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Sigmund Graff (* 7. Januar 1898 in Roth (bei Nürnberg); † 18. Juni 1979 in Erlangen) war ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker.

Leben[Bearbeiten]

Sigmund Graff wurde als Sohn eines Rechtsanwalts und Bürgermeisters von Roth geboren. Nach seiner Schulausbildung meldete er sich 1914, inspiriert durch die Schlacht von Langemarck, als Freiwilliger für den Ersten Weltkrieg und brachte es bis zum Offizier. Nach Ende des Krieges begann er ein Studium der Nationalökonomie und arbeitete nebenbei journalistisch im Erzgebirge.

Redakteur und Stückeschreiber[Bearbeiten]

Zwischen 1924 und 1933 war Graff Mitarbeiter von Franz Seldte im Stahlhelm, gleichzeitig war er Redakteur der gleichnamigen Parteizeitung. 1926 publizierte er unter dem Pseudonym C.E. Hintze das Buch „Die endlose Straße“, in dem seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg verklärend dargestellt wurden. Zwischen 1930 und 1936 stellten sich daher auch seine ersten großen Erfolge im In- und Ausland ein, darunter in Österreich und Italien. Wegen seiner militärkritischen Grundaussage war die Aufführung des Stückes ab 1936 im Deutschen Reich verboten.

Tätigkeit im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

1933 erfolgte Graffs Ernennung zum Referenten ins Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, in dem er Mitarbeiter des Reichsdramaturgen Rainer Schlösser wurde. 1938 wurde Graff zum Regierungsrat befördert. Graffs Arbeit in Goebbels Ministerium war 1937 zusätzlich mit seinem Eintritt in die NSDAP verbunden.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Graff in die Presse- und Propagandaabteilung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) versetzt und verbreitete in seinen Publikationen die üblichen Durchhalteparolen. Bei Kriegsende war er Hauptmann im NS-Führungsstab des OKW, der bald darauf in alliierte Kriegsgefangenschaft geriet.

Nachkriegsjahre[Bearbeiten]

Nach 1945 wehrte sich Graff vehement dagegen, mit dem NS-Regime in Zusammenhang gebracht zu werden. Im Spruchkammerverfahren 1948 ging Graff als „Entlasteter“ hervor, der noch im selben Jahr seine Arbeit als freier Schriftsteller wieder aufnehmen konnte.

Wegen angeblich einseitiger Darstellung seiner NS-Vergangenheit ging er mehrfach vor Gericht. Seine Klage gegen den Kröner Verlag wurde 1963 vom Oberlandesgericht München stattgegeben, zwei Jahre später, 1965, verlor er das Revisionsverfahren.

Sigmund Graff verstarb 1979 im Alter von 81 Jahren in Erlangen.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

  • Und wenn die Not nicht Eisen bricht ... Deutsche Balladen und Lieder, 1924
  • Eherne Ernte. Gedichte im Krieg. 1939/1941, 1941
  • Geschenke des Schicksals. Gedichte, 1973

Prosa, Aphorismen[Bearbeiten]

  • Schicksal auf Capri, Roman, 1960
  • Goethe vor der Spruchkammer oder Der Herr Geheimrath verteidigt sich. Nach Johann Peter Eckermann's Gesprächen mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens, 1951
  • Vom Baum der Erkenntnis. Wahrheiten und Bosheiten. Ein Aphorismenbuch, 1955
  • Man sollte mal darüber nachdenken ... Aphorismen, Fragmente und zeitgemäße Bemerkungen, 1963
  • Lächelnde Weisheiten. Aphorismen, 1967
  • Lockvögel der Wahrheit. Aphorismen, 1968
  • Abenteuer der Herzen. Gedanken um die Liebe, 1970

Bühnenstücke[Bearbeiten]

  • Die endlose Straße. Ein Frontstück in 4 Bildern, 1930
  • Die einsame Tat. Ein Stück um den Studenten Sand in 10 Bildern, 1930
  • Wir fahren zum Weihnachtsmann. Ein lustiges Märchenspiel in 5 Bildern, 1930
  • Was wird aus Adalbert? Ein Stück aus dieser Zeit in 4 Aufzügen, 1931
  • Die vier Musketiere. Volksstück in 3 Aufzügen, 1932
  • Die Heimkehr des Matthias Bruck. Schauspiel in 3 Aufzügen, 1933
  • Hirschgraben und Kornmarkt. Komödie in 5 Aufzügen, 1933
  • Hier sind Gemsen zu sehen! Komödie in 5 Bildern, 1934
  • Begegnung mit Ulrike. Komödie in 7 Bildern, 1937
  • Die Primanerin. Nach einer Novelle von Alexander Turmayer zu einem Lustspiel in 5 Bildern gestaltet, 1937
  • Das Wespennest. Komödie in 4 Aufzügen, 1938
  • Die Prüfung des Meister Tilmann. Schauspiel in 14 Bildern, 1939
  • Geraldine verreist. Lustspiel in 3 Akten, 1940

Autobiografisches[Bearbeiten]

  • Wechselnd bewölktes Leben. Erinnerungen aus einer mißbrauchten Generation, 1956
  • Von S. M. zu N. S. Erinnerungen eines Bühnenautors (1900-1945), 1963
  • Vom Lausbuben zum Rekruten. Jugenderinnerungen eines Franken, 1979

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Unvergeßlicher Krieg. Ein Buch vom deutschen Schicksal, 1936
  • Westwall, Wall der Herzen. Tatsachenbericht vom Leben unserer Soldaten an der Westfront und Erlebnisberichte vom Spähtruppunternehmen im Westen, 1940
  • Über das Soldatische, 1943
  • Das Manuskript. Handbuch für Autoren. Formen der Wortkunst, Werkzeug und Handgriffe des Schriftstellers, hrsg. v. Otto Schumann, 1954
  • Wir reisen mit Peter Spang durch Deutschland, 1956
  • Die Technik der Diktatur - Eine nachgelassene und wiederentdeckte Schrift des griechischen Philosophen Aristoteles, Übersetzt und erläutert von Traugott Gründlich (d.i. Sigmund Graff), Grote 1960
  • Capri, Insel der Sehnsucht. Impressionen, Gedanken, Erinnerungen, 1970
  • Nach dem nächsten Mal. Erinnerungen an mögliche Dinge, Hans Pfeiffer Verlag 1970

Herausgebertätigkeit[Bearbeiten]

  • Gottfried Keller, Perlen, 1921
  • Schwere Brocken. 1000 Worte Front-Deutsch, 1925
  • Der namenlose Soldat, 1943
  • Das standhafte Herz. Claudius, Eichendorff, Mörike. Eine Auswahl, 1944

Weblinks[Bearbeiten]