Sigmund Haffner der Jüngere

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Sigmund Haffner der Jüngere (* 30. September 1756 in Salzburg; † 24. Juni 1787 ebenda) war der Sohn einer Salzburgischen Großkaufmannsfamilie. Er lebte als Privatier und war Philanthrop und Mäzen.

Leben[Bearbeiten]

Sigmund Haffner d. J. war ein Sohn von Sigmund Haffner d. Ä. und dessen zweiter Ehefrau Maria Eleonora Apollonia Metzger und das letzte von gemeinsamen vier Kindern. Nach dem Tod seines Vaters 1772, im Alter von 15 Jahren, übernahm er das Geschäft seines Vaters nicht, da er unter Tuberkulose litt. An seiner Stelle trat gegen Gewinnbeteiligung am Handelshaus sein Schwager Anton Triendel die Leitung an, der mit seiner ältesten Schwester Marie Anna aus der ersten Ehe des Vaters verheiratet war, was auch im Testament Sigmund Haffners d. Ä. so festgelegt war. Am 29. Juli 1782 wurde er in den Reichsadelsstand erhoben mit dem Prädikat „Edler von Innbachhausen“, aufgrund seiner Verdienste und die seines Vaters um Österreich und das Bekannt werden des Handelshauses in ganz Deutschland. Bekannt ist, dass er große Gesellschaften mied und sich in einem kleineren Kreis von Freunden bewegte.

Philanthropische Tätigkeit[Bearbeiten]

Mit dem ererbten Vermögen, das sich auf etwa die 70.000 Gulden belaufen haben soll, unterstützte er finanziell Betroffene von Überschwemmungen und Bränden. So schickte er beispielsweise 1781 bei der Nachricht vom Brand Radstadts 2.000 Gulden dorthin. Zudem verteilte er Almosen an arme Bürger und ermöglichte Brautpaaren, die sich dies nicht leisten konnten, die Heirat. In seinem Testament finden sich großzügige Spenden u. a. für die von ihm errichteten Waisenhäuser, Wohlfahrtsanstalten wie das Bürgerspital und das Leprosenhaus, die Ursulinenschule, die Arme-Studenten-Kassa, für das St. Johanns Spital, ein zu gründendes Armeninstitut und verschiedene Klöster. Neben seiner Familie bedachte er auch seine Hausbediensteten. Insgesamt belief sich die Gesamtsumme des im Testament aufgelisteten Geldes auf 1.104.800 Gulden. Zum Universalerben setzte Sigmund Haffner seinen Neffen Sigmund Triendel ein, der das Haffnersche Handelshaus fortführte. Da er als letzter seines Geschlechts unverheiratet und kinderlos starb, erlosch mit ihm die Salzburger Familie Haffner.

Haffner und die Familie Mozart[Bearbeiten]

Bekannt war er mit der Mozart (Familie), was aus den Mozart-Briefen hervorgeht, in denen neben einigen Charakterzügen auch u. a. seine Heiratsabsichten kommentiert werden. Dort wird auch deutlich, dass er einen etwas unkonventionellen Lebensstil und ebensolche Ansichten für einen Mann seines Standes pflegte. Leopold Mozart schrieb am 3. Mai 1778 an seine Frau und seinen Sohn:

„Nun eine andere erstaunliche Narrheit; eine Frucht schlechter Erziehung und die Traurige Folge der zu vielen Freÿheit die man Sigmund Hafner seit seinem Hierseÿn überlassen hat. Man hat ihn immer in seinem Hause zu Loreto ganz allein mit seinem Stallbueben wohnen lassen, ohne sich um seine Aufführung zu bekümmern. Nun wird er das Schloss Seeburg, welches dem Graf Ernst Lodron gehört um 30000 f kauffen und dann Hayrathen. – wen aber? – die Köchin (Maria Anna Meindl aus Uttendorf im Innviertel) vom verstorbenen Graf ein abscheuliches schwarzes Mensch, mit einem mageren grosaugeten völligen Affengesicht. Sie ist nicht weit von Drum, die Wirtstochter aus Uttendorf in Bayern. So bald der Oberst gestorben, hat man sie, wegen übler Hauswirthschaft fortgejagt; dann NB NB, sie galt alles beÿm Obersten. der einfältige Hafner Sigerl wird sie also wegen ihrer Keuschheit haÿrathen. – ihr könnt euch leicht vorstellen dass die H: H: Schwäger und die ganze löbl: stolze Kaufmanschaft über diesen Handl sehr aufgebracht ist, um so mehr, als sie alle gar nicht wissen, ob er nicht etwa gar sich schon hat vermehlen lassen, dann den letzten Aprill ist er mit seiner Lucretia mit ganzer Equipagge Nachmittag in Hellbrunn gefahren, dann von da zum H: Schwager Spath in den ehemaligen Amand hof, /: den die Spathin gekauft :/ dort waren sie über Nacht,“ […] „ so hat man die vermuthung einer bereits vorgegangen Hochzeit, – welches ich doch nicht glaube“.“

Leopold Mozart: [1]

Aus einem Brief Leopolds erfährt man, dass Hochzeit und Burggkauf nicht stattfanden, da Sigmund noch unter Vormundschaft stand und später wohl kein Interesse mehr an dieser Frau zeigte. Verheiratet war Sigmund Haffner d. J. nie. In die Geschichte ging Sigmund Haffner als Auftrag- oder doch Namensgeber zweier Werke Wolfgang Amadeus Mozarts ein:

  • Der „Haffner-Serenade“ KV 250, geschrieben 1776 für den Polterabend der Hochzeit von Sigmunds Schwester Maria Elisabeth (1753–1781) mit dem Handelsfaktor Franz Xaver Späth (1750–1808), die im Gartenhaus von Loreto von diesem verfasst worden sein soll, und
  • Der „Haffner-Sinfonie“ (Sinfonie D-Dur KV 385), geschrieben und aufgeführt anlässlich der Adelsstandserhebung.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Constantin von Wurzbach: Hafner von Imbachhausen, Sigmund. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 7, Verlag L. C. Zamarski, Wien 1861, S. 191–193.
  • Robert Landauer: Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte: 10. Hafner von Innbachhausen, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Band 69 (1929) S. 77 f, in: Martin, Franz (Hg): Hundert Salzburger Familien, Salzburg 1946, S. 59 f.
  • Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg. Gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch (Hg): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, Kassel 1963.
  • Land Salzburg und Internationale Salzburg Association (Hg.): Salzburger Mozart Lexikon, Bad Honnef 2005, S. 150–153.
  • Rudolph Angermüller: „Ein seliger Menschenfreund“: Sigmund Hafner, Edler und Ritter zu Innbachhausen (1756–1787), in: Verein „Freunde der Salzburger Geschichte“ (Hg.): Salzburg Archiv 33, Salzburg 2008, S. 225–2260.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg. Gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch (Hg): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, Kassel 1963, 448/92–114.
  2. http://www.bregenzerfruehling.at/mk/download/6.Abend_09_10.pdf