Sigmundsherberg

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Sigmundsherberg
Wappen von Sigmundsherberg
Sigmundsherberg (Österreich)
Sigmundsherberg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Horn
Kfz-Kennzeichen: HO
Fläche: 47,96 km²
Koordinaten: 48° 41′ N, 15° 45′ O48.68611111111115.746388888889429Koordinaten: 48° 41′ 10″ N, 15° 44′ 47″ O
Höhe: 429 m ü. A.
Einwohner: 1.678 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 35 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3751
Vorwahl: 02983
Gemeindekennziffer: 3 11 24
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstrasse 50
3751 Sigmundsherberg
Website: www.sigmundsherberg.gv.at
Politik
Bürgermeister: Franz Göd (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(19 Mitglieder)
12
7
12 
Von 19 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Sigmundsherberg im Bezirk Horn
Altenburg Brunn an der Wild Burgschleinitz-Kühnring Drosendorf-Zissersdorf Eggenburg Gars am Kamp Geras Horn Irnfritz-Messern Japons Langau Meiseldorf Pernegg Röhrenbach Röschitz Rosenburg-Mold Sigmundsherberg St. Bernhard-Frauenhofen Straning-Grafenberg Weitersfeld NiederösterreichLage der Gemeinde Sigmundsherberg im Bezirk Horn (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Sigmundsherberg ist eine Marktgemeinde mit 1678 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Horn in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Sigmundsherberg liegt im Waldviertel in Niederösterreich am nordöstlichen Rand des Horner Beckens. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 47,95 Quadratkilometer. 28,51 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Geras Weitersfeld
Pernegg Nachbargemeinden Pulkau
Horn Meiseldorf

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Postleitzahlen[Bearbeiten]

In der Gemeinde Sigmundsherberg finden mehrere Postleitzahlen Verwendung. Der Hauptort Sigmundsherberg, Missingdorf und Rodingersdorf haben die Postleitzahl 3751, Brugg, Kainreith, Röhrawiesen und Walkenstein die Postleitzahl 3752 und Theras die Postleitzahl 3742.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Geschichte[Bearbeiten]

Anlässlich des Verkaufs zweier Lehen wurde Sigmundsherberg am 13. Juni 1302 erstmals schriftlich erwähnt. Das Stift Geras hatte die Grundherrschaft, aber sowohl das Geschlecht der Dachsberger als auch die Eyczinger hatten hier Grundbesitz. 1425 verwüsteten die Hussiten den Ort, aber die kaiserlichen Truppen, die 1619/1620 auf dem Weg nach Böhmen hier durchzogen, waren um nichts besser.

Dass Sigmundsherberg 1795 zum Werbebezirk des Regimentes Ferdinand Toskana gehörte, änderte nichts daran, dass es in Wirklichkeit bedeutungslos war. In den Jahren 1867 bis 1870 wurde die Franz-Josefs-Bahn durch den Ort geführt. 1872 wurde eine Verbindungsbahn nach Zellerndorf errichtet und 1889 die Kamptalbahn. Innerhalb von zwölf Jahren war aus Sigmundsherberg ein Bahnknotenpunkt geworden und hatte trotzdem im Jahre 1880 erst 28 Häuser und 251 Einwohner. 1900 gab es schon 49 Häuser und 538 Einwohner. In einem dieser Häuser war der am 20. Oktober 1892 errichtete Gendarmerieposten untergebracht.

1902 erhielt die Franz-Josefs-Bahn ihr zweites Gleis und 1911 Sigmundsherberg den elektrischen Strom. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, 1915 wurde hier mit dem Kriegsgefangenenlager Sigmundsherberg eines der größten Kriegsgefangenenlager (für 125.000 Gefangene) der österreichisch-ungarischen Monarchie errichtet (mit eigenem Gleisanschluss) und ursprünglich mit russischen, ab 1916 aber italienischen Gefangenen belegt. Das Lager bestand bis 1919, traurige Erinnerung daran ist der immer noch bestehende Lagerfriedhof.

Wegen der Inflation nach dem Krieg gab die Gemeinde Sigmundsherberg Notgeld aus, das in der Zeit vom 1. bis 31. Dezember 1920 in gesetzliches Geld rückgewechselt wurde. Gedruckt wurde dieses Geld von der Druckerei Berger in Horn. 1919 wurde ein Kino eröffnet und 1920 die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1923 gab es 102 Häuser und 906 Einwohner.

Am 15. September 1938 wurden im Zuge der Sudetenlandbesetzung Panzer- und Flakeinheiten in Sigmundsherberg einquartiert. Der 20. Oktober 1938 brachte die Zusammenlegung der Gemeinden Sigmundsherberg, Maigen, Rodingersdorf, Kainreith, Walkenstein, Brugg, Röhrawiesen, Stockern und Klein Meiseldorf zur Großgemeinde Sigmundsherberg mit einer Einwohnerzahl von 3.021 Einwohnern. 1946 wurde diese Großgemeinde wieder aufgelöst. 1959 wurde die Franz-Josefs-Bahn zwischen Sigmundsherberg und Gmünd wieder eingleisig geführt und von Dampf- auf Dieselbetrieb umgestellt.

Der Landtag von Niederösterreich beschloss 1961 die Markterhebung von Sigmundsherberg, die Markterhebungsfeiern fanden am 27. Mai 1962 statt. Ab 1967 wurde auf der Bahnstrecke zwischen Absdorf und Sigmundsherberg ebenfalls ein Gleis abgebaut.

Am 1. Jänner 1972 wuchs Sigmundsherberg: Die Gemeinden Sigmundsherberg, Rodingersdorf, Kainreith, Walkenstein, Brugg, Röhrawiesen und Missingdorf wurden zur Gemeinde Sigmundsherberg zusammengelegt.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde ist Franz Göd. Im Gemeinderat gibt es insgesamt 19 Sitze.
Seit der Gemeinderatswahl am 14. März 2010 gilt folgende Mandatsverteilung:

Partei Sitze
ÖVP 12
SPÖ 7

Die Bürgermeister seit der Selbstständigkeit der Gemeinde Sigmundsherberg waren:

  • 1920–1923: Josef Bachmaier
  • 1923–1934: Anton Huber
  • 1934–1938: Franz Stift
  • 1938–1945: Franz Siegert
  • 1945–1962: Josef Gassner
  • 1962–1986: Ernest Schmid
  • 1986–2005: Josef Waldher
  • seit 2005: Franz Göd

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sigmundsherberg
Dampflok BBÖ 378 im Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg
Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg
1987 wurde in Sigmundsherberg das Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg eröffnet, das detaillierte Informationen zur Kamptalbahn, zur Franz-Josefs-Bahn und zu den verschiedenen ehemaligen und aktuellen Lokomotiven der ÖBB, BBÖ usw. vermittelt. Dieseltriebwagen der Kamptalbahn können ebenfalls besichtigt werden.
Motorradmuseum Sigmundsherberg
Seit 2009 befindet sich das 1980 in Eggenburg gegründete "1. Österreichische Motorradmuseum - Sammlung Ehn" in Sigmundsherberg.[1]
Pfarrkirche Sigmundsherberg
Die Pfarrkirche Sankt Christophorus in Sigmundsherberg wurde von 1936 bis 1937 nach einem Entwurf des St. Pöltner Architekten Rudolf Wondracek erbaut.
Filialkirche Rodingersdorf
Die 1281 erstmals urkundlich erwähnte und geweihte Filialkirche Sankt Laurenz ist ein romanisches Bauwerk, das von 1724 bis 1727 barockisiert wurde.
Pfarrkirche Theras
Die erhöht gelegene Pfarrkirche zur Kreuzerhöhung vereint verschiedene Baustile, vom vermutlich romanischen Kern über gotische und barocke Elemente bis zur überwiegend neugotischen Einrichtung.
Pfarrkirche Walkenstein
Die Pfarrkirche Sankt Margaretha wurde 1804 als josephinische Saalkirche erbaut, wobei der mittelalterliche Grundriss beibehalten wurde.
Ruine Neudegg
Hauptartikel: Ruine Neudegg
Schloss Walkenstein
Hauptartikel: Schloss Walkenstein

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 50, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 120. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 777. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 44,28 Prozent.

In Österreich wurden nur in Sigmundsherberg bis 2010 Oblaten erzeugt. In Rodingersdorf sitzt mit dem Verlag Esterbauer der Herausgeber einer breit gefächerten Serie von Radtourenbüchern („bikeline“), Mountainbike-, Skate- und Wanderführern. Er entwickelte sich um 1985 in Wien aus der Radfahrinitiative ARGUS.

Regionale Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Die Marktgemeinde Sigmundsherberg ist Mitglied der Kleinregion Manhartsberg.

Verkehr[Bearbeiten]

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Sigmundsherberg ist ein Eisenbahnknoten an der Franz-Josefs-Bahn und an der Kamptalbahn. Die ÖBB betreiben den Bahnhof Sigmundsherberg. Der Bahnhof Kainreith-Walkenstein an der Franz-Josefs-Bahn wurde 1994 aufgelassen. Das Linienbusunternehmen PostBus fährt in Sigmundsherberg, Missingdorf und Rodingersdorf Haltestellen der Linie 1251 (Retz - Jetzelsdorf), in Sigmundsherberg, Brugg, Kainreith, Röhrawiesen, Theras und Walkenstein Haltestellen der Linie 1253 (Horn - Eggenburg) sowie in Sigmundsherberg, Missingdorf und Rodingersdorf Haltestellen der Linie 1351 (Horn - Weitersfeld) an. In den Nächten von Samstag auf Sonntag verkehrt der "N8BUZZ" (Schweinburg - Eggenburg - Horn), um Jugendliche von und zu Diskotheken in den beiden Bezirkszentren Horn und Eggenburg zu transportieren.

Straßen[Bearbeiten]

Die Pulkautal Straße (B45) führt durch Sigmundsherberg.

Bedeutende in Sigmundsherberg geborene oder hier wirkende Menschen[Bearbeiten]

  • Josef Gassner (1890–1969), niederösterreichischer Politiker, Landtagsabgeordneter und Bundesrat, von 1945 bis 1962 Bürgermeister von Sigmundsherberg, wurde in Sigmundsherberg geboren.
  • Karl Hrdlicka (1908–1989), niederösterreichischer Politiker und Landtagsabgeordneter, wurde in Sigmundsherberg geboren.
  • Ernst Magerl (1896–1988), niederösterreichischer Politiker, Bezirksrichter und Landtagsabgeordneter, wurde in Rodingersdorf geboren.
  • Kurt Ohnsorg (1927–1970), Bildhauer und Keramiker, wurde in Sigmundsherberg geboren.
  • Robert Krapfenbauer (1923–2005), österreichischer Statiker und Bauingenieur, wurde in Rodingersdorf geboren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio Niederösterreich – nördlich der Donau. Wien: Anton Schroll 1990, ISBN 3-7031-0652-2.
  • Erwin Frank: ... aus unserer Heimatgeschichte. Chronik des Ortes Sigmundsherberg. Sigmundsherberg 2006.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Motorradmuseums

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sigmundsherberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien