Sigrid Schultz

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Sigrid Lillian Schultz (* 5. oder 15. Januar 1893 in Chicago, Illinois; † 14. Mai 1980) (Pseudonym John Dickson) war eine US-amerikanische Journalistin.

Leben und Arbeit[Bearbeiten]

Schultz Vater Hermann Schultz stammte aus Norwegen, die Mutter Hedwig Jaskewitz hatte russische, polnische, französische und deutsche Wurzeln. Ihre frühe Kindheit verbrachte Schultz in Chicago. 1901 siedelte ihre Familie, zunächst nur vorläufig, nach Europa über, nachdem Schultzs Vater Hermann Schultz vom Württembergischen Königshof engagiert worden war, um ein Porträt des Königspaares anzufertigen. Anschließend beschlossen Schultz Eltern bis auf weiteres in Paris zu bleiben, wo er ein Atelier einrichtete. Die Tochter wurde dort aufs Lyzeum geschickt und studierte ab 1912 Internationales Recht an der Sorbonne.

Später ging Schultz mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie aufgrund des kritischen Gesundheitszustandes ihrer Eltern auch während des Ersten Weltkriegs blieb, den sie so, obwohl amerikanische Staatsangehörige, aus der Warte der Mittelmächte miterlebte. Finanziell erhielt Schultz, die fließend Deutsch, Englisch, Norwegisch und Französisch sprach, sich über Wasser, indem sie Englisch- und Französischunterricht erteilte, bevor sie 1917 Übersetzerin für einen irakischen Diplomaten in Berlin wurde und so erstmals in direkte Berührung mit der hohen Politik kam. Mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten wurde sie in diesem Jahr zwar zur feindlichen Staatsangehörige deklariert, eine Internierung blieb ihr indessen erspart. Im selben Jahr starb ihr norwegischer Verlobter, als sein Schiff nach einem U-Boot-Angriff sank.

1919 wurde Schultz aufgrund ihrer deutschen Sprachkenntnisse von den Herausgebern des Chicago Tribune als Korrespondentin für Deutschland angeheuert. In der Folgezeit brachte sie dem amerikanischen Publikum mehr als zwanzig Jahre lang als ständige Berichterstatterin die wichtigen politischen und gesellschaftlichen Ereignisse im Deutschen Reich und vor allem der Hauptstadt Berlin nahe. Zu den bedeutenden Ereignissen von denen sie berichtete zählten unter anderem der Kapp-Putsch vom März 1920 und die Tiergartenaufstände desselben Jahres. 1926 wurde sie - als eine der ersten Frauen in einer journalistischen Position dieser Bedeutung - mit der Leitung und Koordination der Berichterstattung des Korrespondentennetzwerks für ganz Mitteleuropa betraut.

Während ihrer Zeit als Berichterstatterin in Deutschland interviewte Schultz, die als eine der am besten informierten ausländischen Berichterstatter in Berlin galt, zahlreiche führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens darunter Hermann Göring und Adolf Hitler. Nachdem sie während eines Fliegerangriffs auf Berlin 1940 verletzt wurde, kehrte sie Anfang 1941 in die Vereinigten Staaten zurück. Dort hielt ging sie auf eine ausgedehnte Vortragsreise, auf der sie vor der aggressiven Natur des deutschen Nationalsozialismus warnte. 1944 kehrte Schultz als Kriegsberichterstatterin nach Europa zurück. Sie berichtete von der Landung der Alliierten in der Normandie und gehörte zu den ersten Reportern, die das Lager Buchenwald nach seiner Befreiung besuchten.

Schultz starb 1980, während sie an einem umfassenden Werk über die Geschichte des Antisemitismus arbeitete. Ihr Nachlass wird heute von der State Historical Society of Wisconsin verwahrt.

Schriften[Bearbeiten]

  • Germany will Try Again, New York 1944.
  • Sigrid Schultz, 1970.

Literatur[Bearbeiten]

  • Susan Ware: Notable American Women, 2004, S. 577ff.