Siim Kallas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siim Kallas (2010)

Siim Kallas [ˈsiːm ˈkallas] (* 2. Oktober 1948 in Tallinn, Estland) ist ein estnischer Politiker. Er war 2002/03 Ministerpräsident der Republik Estland. Von 2010 bis 2014 war er Vizepräsident der Europäischen Kommission sowie Kommissar für Verkehr.

Ausbildung[Bearbeiten]

Kallas, studierter Volkswirtschaftler, graduierte 1967 an der „22. Schule“ (Gymnasium) in Tallinn und 1972 an der Universität Tartu im Fach „Finanzwesen und Kredit“ (cum laude, d.h. mit der in Estland höchsten Auszeichnung). Von 1972 bis 1975 war er im gleichen Fach Aspirant und schloss mit der Promotion ab.

Politische Karriere in Estland[Bearbeiten]

Kallas war im Finanzministerium der Estnischen Sowjetrepublik (1975–1979), als Direktor des Vorstands der Estnischen Sparkassen (1979–1986) und als stellvertretender Herausgeber der Parteizeitung Rahva Hääl („Stimme des Volkes“) (1986–1989) tätig. Von 1989 bis 1991 war er Vorsitzender der Zentralunion der Gewerkschaften. Während der estnischen Autonomiebestrebungen wurde Kallas bekannt als Protagonist der Wirtschaftsliberalisierung und besonders der monetären und wirtschaftlichen Unabhängigkeit Estlands von der Sowjetunion.

Von 1991 bis 1995 war Kallas, als ausgewiesener Wirtschafts- und Finanzfachmann, Präsident der estnischen Nationalbank Eesti Pank, deren Einfluss allerdings wegen der fixen Bindung der Estnischen Krone an die Deutsche Mark begrenzt war. Nebenher blieb Kallas weiterhin an der Universität Tartu tätig, erst als Dozent auf einer Viertelstelle und dann als Gastprofessor.

1994 gründete er die wirtschaftsliberale Estnische Reformpartei (estnisch: Reformierakond). Er führte diese Partei von ihrer Gründung 1994 bis zum November 2004. Sein Nachfolger ist Andrus Ansip. Durch die großen Erfolge der Reformierakond bei den Wahlen 1995 trat Kallas von seinem Amt als Vorsitzender der Nationalbank zurück und wurde Außenminister (1995–1996) sowie Finanzminister (1999–2002).

Durch eine erneute Regierungsumbildung wurde Kallas 2002 Ministerpräsident von Estland (bis zu den Wahlen 2003). Seitdem war er einfacher Abgeordneter im Estnischen Parlament.

Politische Karriere in der EU[Bearbeiten]

Siim Kallas beim Elektromobilitätsgipfel 2013 in Berlin

Am 1. Mai 2004 wurde er EU-Kommissar, zusammen mit Joaquín Almunia zuständig für Wirtschaft und Währungsangelegenheiten. In der neuen Kommission, vom 18. November 2004 bis 9. Februar 2010 im Amt, war er Kommissar für Verwaltung, Audit und Betrugsbekämpfung. 2005 lancierte er die Transparenz-Initiative, die 2008 in der Einführung eines freiwilligen Transparenz-Registers der EU mündete.[1] Für die Folgekommission wurde er im November 2009 wiederum als Vizepräsident und als Kommissar für Verkehr nominiert [2]. Dieses Amt trat er am 10. Februar 2010 an.

Sonstiges[Bearbeiten]

2012 wirkte er als Zeitzeuge in dem Dokumentarfilm „The Brussels Business - Wer steuert die Europäische Union?” mit. Seine Aussagen basierten auf seinen Erfahrungen als Vizepräsident der Europäischen Kommission.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eva Dombo: EU-Kommission will Transparenz für Lobby-Arbeit. tagesschau.de, 22. Juni 2008, abgerufen am 10. März 2013.
  2. Präsident Barroso stellt seine neue Mannschaft vor. 27. November 2009, S. 13, abgerufen am 10. März 2013 (pdf; 137 kB).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siim Kallas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien