Siirt

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt Siirt; für die gleichnamige türkische Provinz siehe Siirt (Provinz).

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Siirt
Wappen von Siirt
Siirt (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Siirt
Koordinaten: 37° 56′ N, 41° 57′ O37.92541.945833333333895Koordinaten: 37° 55′ 30″ N, 41° 56′ 45″ O
Höhe: 895 m
Einwohner: 135.350[1] (2012)
Telefonvorwahl: (+90) 484
Postleitzahl: 56 000
Kfz-Kennzeichen: 56
Struktur und Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Selim Sadak (BDP)
Webpräsenz:
Landkreis Siirt
Einwohner: 145.784[1] (2012)
Fläche: 284 km²
Bevölkerungsdichte: 513 Einwohner je km²

Siirt (aramäisch ܣܥܪܬ siʿreth, armenisch Սղերդ Sġerd) ist eine Stadt in der türkischen Region Ostanatolien und hat 135.350 Einwohner (Stand 2012). Sie ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Siirt. Die Kfz-Kennzeichen der Stadt und der Provinz beginnen mit den Ziffern 56. Der gleichnamige Landkreis Siirt hat insgesamt 145.784 Einwohner (Stand 2012).

Geschichte[Bearbeiten]

In frühen islamischen Quellen wird Siirt kaum erwähnt, was wohl an der geringen strategischen Bedeutung lag. Siirt wurde manchmal als Teil von Armenien oder al-Dschazira genannt und war ein wichtiges Zentrum des östlichen Christentums. So erwähnt der arabische Autor Schabuschti aus dem 9. Jh das Kloster Ahwischa mit seinerzeit bis zu 400 Mönchen. 1036 wurde hier von einem unbekannten nestorianischem Autor die Chronik von Seert verfasst. Im 11. Jh wurde Siirt Teil des Reiches der Merwaniden und danach der Ortoqiden. Der turkomanische Herrscher Zengi eroberte die Stadt 1143/1144. In Siirt regierte später eine Seitenlinie der Ayyubiden, bis diese von dem Aq Qoyunlu- Herrscher Uzun Hasan abgesetzt wurden.

Als die Osmanen die Safawiden 1514 besiegten, gelangte Siirt unter osmanische Herrschaft. Ein Nachfahre der Ayyubiden namens Malik Khalil wurde von den Osmanen als Verwalter von Siirt und Hasankeyf eingesetzt. Siirt war Teil des Beylerbeys von Diyarbakır. Im Jahr 1526 setzte sich die Bevölkerung der Stadt aus etwa gleichen Anteilen von Muslimen und Christen zusammen. Mit der Garnison und einer jüdischen Gemeinde betrug die Einwohnerzahl zwischen 4500 und 5000 Menschen.

Evliya Çelebi bezeichnete Siirt als ein osmanisches Sandschak und unterschied es so von den kurdisch-osmanischen Sandschaks in der Umgebung. Diese genossen seit dem Sieg der Osmanen gegen die Safawiden Vorzüge und wurden von kurdischen Dynastien regiert. Der preußische General Helmuth Karl Bernhard von Moltke berichtet während seines Aufenthaltes in Siirt, dass es 600 muslimische und 200 christliche Familien gab. Ende des 19. Jh wurde Siirt von Diyarbakır abgespaltet und Teil der Provinz Bitlis. In Siirt existierten damals 5 Moscheen. Neben den alten christlichen Konfessionen gab es nun auch protestantisch-armenische und katholisch-chaldäische Kirchen, dessen Schulen von amerikanischen Missionaren und französischen Dominikanern geleitet wurden. 1923 wurde Siirt als eigenständige Provinz Teil der Republik Türkei. Mit dem Bau der Eisenbahn 1932 bis Kurtalan, das etwa 30 km von Siirt entfernt ist, entwickelte sich Siirt zu einer wichtigen Stadt. 1927 noch mit etwas über 14.000 Einwohner hatte Siirt in den 1980er Jahren über 42.000 Einwohner.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die heutige Stadtbevölkerung besteht aus Kurden, Türken und Arabern. Die einheimischen Araber sprechen einen eigenen Dialekt. Dieser gehört zu den qeltu-Dialekten des irakischen Arabisch.

Von 1858 bis 1915 war die Stadt Siirt Bischofssitz der Chaldäisch-Katholischen Kirche. Die meisten Assyrer/Aramäer in der Stadt, darunter auch ihr Erzbischof Addai Scher, wurden während des Völkermordes an den Aramäern 1915 getötet.[2]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert war Siirt für seinen Weinanbau bekannt. Die in Siirt ansässige Jet-Pa Holding wurde im Dezember 1999 mit der Ankündigung des Jetpa-Chef Fadil Akgündüz bekannt, ein „türkisches Auto“ bauen zu wollen. Jet-Pa Holding sponsert den örtlichen Fußballverein.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hasan Özer (* 1974), türkischer Fußballspieler und -trainer
  • Mustafa Özer (* 1969), türkischer Fußballspieler und -trainer

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siirt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 1. Februar 2013
  2. David Gaunt, Jan Beṯ-Şawoce Massacres, resistance, protectors: Muslim-Christian relations in Eastern Anatolia during World War I. Gorgias Press LLC, 2006, ISBN 978-1593333010, S. 251–253.