Sikkation

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Abgetötete Kartoffelsträucher

Sikkation (übersetzt: Austrocknung) bezeichnet einen Vorgang in der Landwirtschaft, bei dem Kulturpflanzenbestände mit Sikkanten zum Zwecke der Abreifebeschleunigung abgetötet werden. Ein willkommener Nebeneffekt ist die gleichzeitige Abtötung von Unkräutern, deren noch grünen Pflanzenteile andernfalls mit dem Getreide abgeerntet und den Feuchtigkeitsgehalt des Ernteguts erhöhen würden. Dieser Vorgang wird aus betriebswirtschaftlichen Gründen im konventionellen Anbau als erforderlich erachtet, etwa um bei Winterraps bei nassen Erntebedingungen, erhöhter Verunkrautung und Zwiewuchs einen Gewinn bei der Ernte zu erwirtschaften.

Anwendung[Bearbeiten]

Zum Einsatz kommen vor allem Glyphosat-, Glufosinat- und Diquat-haltige Produkte, daneben auch Carfentrazon-ethyl und Pyraflufen-ethyl. Die Wasseraufwandmenge muss in Raps mindestens 400 Liter je Hektar betragen, um eine sichere Benetzung aller grünen Pflanzenteile sicherzustellen.[1]

Durch die Sikkation von Kartoffeln wird die Abreife gefördert und damit ein früherer Erntetermin möglich. Mit zunehmender Reife verbessert sich die Schalenfestigkeit, was unbeschädigte, besser lagerfähige Ernten begünstigt. Zudem wird bei schalenfesten Kartoffeln das Risiko einer Braunfäuleinfektion gemindert. Wird die Sikkation zu früh durchgeführt, kann dies zu Ertragseinbußen führen. Um den Stärkegehalt zu überwachen, wird vor der Maßnahme regelmäßig das Unterwassergewicht kontrolliert. Die Sikkation bei Kartoffeln dient auch der Verhinderung einer Virusabwanderung aus dem Kraut in die Pflanzkartoffeln.[2]

Das Julius-Kühn-Institut hat 2007 festgestellt, dass der Großteil der Pflanzenschutzmaßnahmen, und damit auch die Sikkation dem nötigen Maß entsprachen. Konkret war dies beim Ackerbau in 91 % und im Feldgemüsebau in 86 % der Fälle zutreffend.[3]

Kritik[Bearbeiten]

Bei der Anwendung einiger Glyphosat-Produkte wurde die Auflage erteilt, dass das Stroh nicht zur Verfütterung eingesetzt werden darf. Grund waren toxische Talgfettaminoxethylate, welche als Beistoffe nicht auf ihr Umweltverhalten geprüft worden waren.[4][5]

Nachteilig ist auch das verkleinerte Erntefenster im Rapsanbau. Wird ein Rapsbestand behandelt, so muss er rund zwei Wochen später geerntet werden, folgt genau in diesem Zeitpunkt eine Schlechtwetterphase können die Verluste die Vorteile der Sikkation übersteigen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Raps GbR (Version vom 13. April 2011 im Internet Archive)
  2. Gesunde Kartoffeln durch rechtzeitige Krautabtötung
  3. JKI: Netz Vergleichsbetriebe Pflanzenschutz Jahresbericht 2007
  4. Verwertungseinschränkungen bei Behandlung mit Glyphosat-Herbiziden
  5. Verwertungseinschränkungen bei Behandlung mit Glyphosat-Herbiziden Präsentation von K. Gehring, S. Thyssen – LfL Bayern, Tallowamin-Problematik