Sikorsky CH-148 Cyclone

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Sikorsky CH-148
CH-148 Cyclone auf der Pariser Airshow
CH-148 Cyclone auf der Pariser Airshow
Typ: Transporthubschrauber
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Sikorsky Aircraft Corporation
Erstflug: 15. November 2008
Indienststellung: Noch in der Erprobung
Stückzahl: 28 (Ausgeliefert: 0, Stand: Mitte 2012)

Der Sikorsky CH-148 Cyclone ist ein Militär-Hubschrauber für die kanadischen Streitkräfte, der von zwei Wellentriebwerken angetrieben wird. Der Hubschrauber basiert auf der zivilen Version der Sikorsky S-92 der Sikorsky Aircraft Corporation. Die militärische Ausführung ist für die Royal Canadian Navy ausgelegt. Die neuen Hubschrauber sollen die veralteten CH-124 Sea King ersetzen, die seit 1960 genutzt werden. Die Helikopter werden von der Royal Canadian Air Force für die kanadische Navy betrieben. Die Hubschrauber werden über Waffen für die U-Boot-Jagd verfügen sowie als Such- und Rettungshubschrauber eingesetzt. Die kanadischen Streitkräfte haben insgesamt 28 dieser Hubschrauber bestellt. Die volle Einsatzbereitschaft war für Dezember 2013 vorgesehen, doch aktuell noch nicht erreicht.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Canadian Forces Maritime Helicopter Project (MHP) wurde während der 1980er-Jahre ins Leben gerufen. Damals entschied man sich für den Kauf von 50 neuen Hubschraubern ab der Stange des Typs AW CH-149 Cormorant von welchen bereits eine erste Lieferung in der Variante als Such- und Rettungshubschrauber in Dienst gestellt wurden. Aufgrund eines Regierungswechsels 1993 wurden die weiteren Lieferungen jedoch wieder abbestellt.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde ein neues Auswahlverfahren zum Ersatz der CH-124 Sea King gestartet. Am 23. November 2004 wurde der CH-148 von der Sikorsky Aircraft Corporation zum Gewinner erklärt. Die Kosten für die 28 CH-148 waren mit insgesamt 1,8 Milliarden Dollar veranschlagt und die ersten CH-148 sollten bis Januar 2009 ausgeliefert werden. Sikorskys lokale Subunternehmer General Dynamics Canada und L-3 MAS sind zuständig für die Wartung. Dies beinhaltet auch den Betrieb des Maritime Helicopter Training Centre mit zwei Simulatoren. Hinzu kamen weitere Verträge für Ersatzteile und den Support.

Der erste Flug eines CH-148 (Seriennummer 801) fand am 15. November 2008 in Florida statt[2]. Im März 2010 begannen die ersten Flugübungen auf der HMCS Montréal mit Starts und Landungen sowie weiteren Übungen.

Design[Bearbeiten]

Der CH-148 basiert auf einer vergrößerten Flugzelle der S-70-Seahawk. Die Zelle besteht aus einem Metall- und Composite-Rahmen. Der Hauptrotor ist vierblättrig und breiter sowie länger als der des S-70 Blackhawk. Es wurden einige Sicherheitsverbesserungen eingefügt. So verfügt der Hubschrauber über einen Schutz gegen Vogelschlag und weist verbesserte Flugeigenschaften bei diversen Flugbewegungen auf. Ein aktives Vibrationssystem reduziert die Vibrationen im Fluggastraum, was für einen angenehmeren Flug sorgt.

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Besatzung: 4 (2 Piloten, 1 taktischer Koordinator, 1 Radarüberwacher)
  • Kapazität: 6 in Missionskonfiguration, bis zu 22 Personen in Transportkonfiguration
  • Länge: 20,9 m
  • Rotor Durchmesser: 17,7 m
  • Höhe: 4,7 m
  • Höchstabfluggewicht: 12.993 kg
  • Triebwerke: 2 × General Electric CT7-8A7 Turboshaft, (jeweils 2.238 kW)
  • Höchstgeschwindigkeit: 306 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 4.572 m
  • Bewaffnung:
    • 2 × MK-46-Torpedos an seitlich angebrachten Außenlaststationen (Integration lediglich angedacht)
    • 1 × seitenlaffetiertes 7,62-mm-Maschinengewehr C6 GPMG mit 100 Schuss Munition
  • Reichweite: 450 km ohne Tankstopp

Der CH-148 soll mit einem System zur Suche und Lokalisierung von U-Booten ausgestattet werden. Des Weiteren verfügt der Hubschrauber über Systeme zur Abwehr anfliegender Raketen. Das integrierte Missionssystem wurde von General Dynamics Canada entwickelt, wie auch das Sonobuoy Acoustic Processing System[3]. Der Hubschrauber verfügt über Radarsysteme des Typs Telephonics APS-143B[4], ein EO-System von Flir Systems SAFIRE III[5], ein Sonar des Typs des Models L-3 HELRAS[6] und ein ESM von Lockheed Martin AN/ALQ-210. CMC Electronics entwickelte das Flight Management System des Typs CMA-2082MH.

Entwicklung und Einführung[Bearbeiten]

Die ersten Auslieferungen waren für November 2008 vorgesehen. Aufgrund von US-Waffenexportbeschränkungen für Komponenten des CH-148 seitens der US-Regierung und anderer Probleme genehmigte die kanadische Regierung im April 2009 eine Verlängerung der Lieferfrist um zwei Jahre [7]. Im Mai 2011 wurde ein CH-148 vom Hersteller auf der kanadischen Militärbasis CFB Shearwater ausgeliefert, der aber nicht den vertraglichen Anforderungen entsprach; er wurde von den Kanadiern nicht abgenommen und blieb daher im Besitz von Sikorsky[8]. Als neuer Liefertermin der CH-148 wurde der Juni 2012 angegeben. Sikorsky hatte zu diesem Termin einen CH-148 geliefert, der aber wieder nicht von den Kanadiern abgenommen wurde. Daraufhin erklärte der kanadische Verteidigungsminister Peter MacKay den Kauf der CH-148 zur schlechtesten Beschaffung in der Geschichte Kanadas.[9] Über die Art der Probleme, die zur Nichtabnahme des CH-148 führten, machen beide Seiten keine Angaben. Aufgrund der Gewichtszunahme während der Entwicklungsphase mussten stärkere Triebwerke und stärkere Getriebe eingebaut werden. Beides soll noch zu starke Vibrationen erzeugen und noch nicht zertifiziert sein. Die Missions-Software soll zwar fertig, aber noch nicht in den CH-148 integriert worden sein. Es werden Strafzahlungen für die Verspätungen fällig, aber Sikorsky hat bisher noch kein Strafgeld gezahlt. Sikorsky will das weitere Vorgehen bezüglich des CH-148 mit der kanadischen Regierung besprechen [10]. Die bisherige Software für die Einsatzsysteme, welche Waffeneinsatz und Selbstverteidigung steuern sollte, funktioniert noch nicht[11]. Der Datenaustausch über den Datalink ist noch nicht funktionsfähig. Die Einsatzdauer beträgt 21 Minuten weniger als vertraglich minimal gefordert. Weiter erfüllen die Turbinen nicht die gewünschte Leistung bei Einturbinen-Notbetrieb oder in tropischen- und wüstenähnlichen Gebieten. Es sollen vorerst Interims-CH-148 zur Ausbildung der Besatzungen geliefert werden, die später auf den vertraglich vereinbarten Stand hochgerüstet werden sollen. Da die Seakings 2015 außer Dienst gestellt werden, sollten die 28 CH-148 bis 2018 geliefert und voll einsatztauglich sein. Da kein einziger Meilenstein in der Beschaffung und Indienststellung erreicht wurde, wurde im September 2013 über die Vertragskündigung und Beschaffung eines anderen Hubschraubers debattiert.

Potentielle Interessenten[Bearbeiten]

Die Deutsche Marine hatte 2011 ein unverbindliches Interesse am CH-148 bekundet, um ihre Sea Kings zu ersetzen.[12]

Vergleichbare Hubschrauber[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. National Defence Department – Project Schedule
  2. Flightglobal: First flight for Canada's Cyclone maritime helicopter. 18. November 2008, abgerufen am 25. August 2012.
  3. General Dynamics Canada – CH-148 Project, abgerufen am 6. Juli 2012
  4. Telephonics to supply the APS-143B(V)3 Multi-Mode Radar and IFF, abgerufen am 6. Juli 2012
  5. FLIR Systems Awarded Contract for Canadian Maritime Helicopter Project, abgerufen am 6. Juli 2012
  6. Helicopter Long Range active Sonar, abgerufen am 6. Juli 2012
  7. Aviation Today: Security Restrictions May Hamper Canadian Purchases. 27. März 2007, abgerufen am 25. August 2012.
  8. Flightglobal: Canada reveals new delay for interim CH-148 delivery. 26. Mai 2011, abgerufen am 25. August 2012.
  9. thespec: Defence minister says Cyclone helicopter deal ‘worst’ in Canada’s history. 10. Juli 2012, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Reuters: Sikorsky eyes foreign deals to offset U.S. drop. 8. Juli 2012, abgerufen am 25. August 2012.
  11. http://www.defenseindustrydaily.com/canadas-ch-148-cyclones-better-late-than-never-05223/
  12. dmkn: Wirbelsturm für die Deutsche Marine? 1. Januar 2011, abgerufen am 25. August 2012.