Silk Road

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die E-Commerce-Plattform; zum Online-Game „Silkroad“ siehe Silkroad Online.

Silk Road (auf dt. „Seidenstraße“ – analog zur historischen Seidenstraße) ist eine als Hidden Service im Tor-Netzwerk ausgeführte E-Commerce-Plattform, die weithin als Schwarzmarkt bekannt wurde. Nach nationalen Gesetzgebungen teils illegale Waren werden dort abseits von Kontroll- oder Sanktionsmöglichkeiten der entsprechenden Strafverfolgungsbehörden gehandelt.[1] Von der Presse wurde die Plattform plakativ als „Ebay für Drogen[2] oder als „Amazon für Dealer“[3][4] betitelt. Der mutmaßliche Betreiber der Plattform, Ross William Ulbricht, wurde am 2. Oktober 2013 verhaftet und die Plattform beschlagnahmt. Am 6. November wurde sie jedoch wiedereröffnet.[5]

Ursprung[Bearbeiten]

Das originale Silk Road wurde nach etwa sechsmonatiger Entwicklung im Februar 2011 öffentlich zugänglich. Als das populäre amerikanische Blog Gawker im darauffolgenden Juni darüber berichtete, kam es zu einem Medienhype. Nach Angaben des aktuellen Betreibers The Dread Pirate Roberts (nach einer Figur im Fantasyfilm Die Braut des Prinzen) kaufte dieser die Plattform, nachdem er eine Schwäche in der Software entdeckt hatte, bereits kurz nach der Eröffnung von einem anonymen Unternehmer. Statt diese zum Diebstahl von Zahlungen auszunutzen, arbeitete er mit dem Gründer zusammen, um die Software zu verbessern.[6]

Geschäftsabwicklung und Methodik[Bearbeiten]

Als Zahlungsmethode wird ausschließlich auf Bitcoin zurückgegriffen, und jede Transaktion wird durch ein Verschleierungsverfahren über mehrere Instanzen geleitet.[6] Die Kombination von Tor und Bitcoin soll dabei die größtmögliche Anonymität der Käufer und Verkäufer garantieren und sie insbesondere vor Strafverfolgung schützen.[7] Jede Kommunikation mittels Nachrichten hat verpflichtend unter Verwendung starker PGP-Verschlüsselung zu erfolgen. Um gegenseitigem Betrug der Teilnehmer vorzubeugen, setzt Silk Road Hedge-Methoden ein und verwaltet Beträge treuhänderisch.[8]

Produkte und Reichweite[Bearbeiten]

Im Juni 2014 waren durch Verkäufer rund 17.000 Artikel inseriert. Etwa 80 Prozent waren Drogen wie LSD und Cannabis, aber auch Kokain und Heroin. Nicht zugelassen sind Kinderpornografie und Kriegswaffen, gestohlene Kreditkarten oder Angebote zum Auftragsmord[9]. Allerdings existierte für Schusswaffen ein Schwesterprojekt namens The Armory, welches aber aufgrund geringer Nachfrage bereits vor dem ersten Geburtstag wieder geschlossen wurde.[10]

Im Zeitraum von Februar bis Juli 2012 wurde ein Umsatz von rund 15 Mio. Euro angenommen; währenddessen machte der Handel über Silk Road 4,5 bis 9 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen aus. Der Urheber der Studie hielt für den selben Zeitraum in 2013 eine Verdopplung oder Verdreifachung des Umsatzes für realistisch.[1]

Das Ende von Silk Road 1.0[Bearbeiten]

Strafverfolgung durch Behörden[Bearbeiten]

The Dread Pirate Roberts vertritt den libertären Standpunkt, die zu Unrecht vom Staat beanspruchte Macht über Individuen untergraben zu wollen:

„We’re talking about the potential for a monumental shift in the power structure of the world. The people now can control the flow and distribution of information and the flow of money. Sector by sector the State is being cut out of the equation and power is being returned to the individual.“

„Wir reden hier über die Möglichkeit einer monumentalen Verschiebung der weltweiten Machtstruktur. Die Menschen können nun den Fluss und die Verteilung von Informationen und den Fluss des Geldes kontrollieren. Teilbereich um Teilbereich wird der Staat aus der Gleichung gestrichen und die Macht wird dem Individuum zurückgegeben.“

Der erste Fall, bei dem ein Handel über Silk Road zu juristischen Konsequenzen führte, wurde im März 2013 bekannt.[11] Zwei von insgesamt elf Paketen aus Deutschland und den Niederlanden waren bei der Einfuhr vom australischen Zoll beschlagnahmt worden, woraufhin der entsprechende Empfänger überwacht und schließlich aufgrund einer Bilddatei mit seinem Benutzernamen auf seinem Computer identifiziert und überführt worden war. Im April 2013 wurden die Bitcoins eines US-Bürgers beschlagnahmt, da diese zum Handel über Silk Road bestimmt gewesen waren. Ein weiterer Vorfall ereignete sich im Juli desselben Jahres in Deutschland: In Bayern wurden mehrere Kilogramm Amphetamin sowie Bargeld sichergestellt und die Verantwortlichen angeklagt.

Wie die Ermittler in den letzten beiden Fällen auf die Täter kamen, ist unklar.[12]

Von Jeff Garzik, einem der Entwickler von Bitcoin, wurde eine spezifische Fahndungsmethode vorgeschlagen: Da die Transaktionen von Bitcoins zwar anonym, aber vollständig öffentlich protokolliert werden, könne man mittels einer Analyse des Blockchains auf Grundlage der Zeitstempel der Transaktionen auf die Beteiligten schließen. Dies ist ein bereits bekanntes Konzept bei der Überwachung des Tor-Netzwerkes.[13]

Beschlagnahmung und Verhaftung[Bearbeiten]

Beschlagnahmungshinweis beim Aufruf der originalen Silk Road-URL

Am 2. Oktober 2013 wurde Ross William Ulbricht, welcher als Dread Pirate Roberts die Plattform betrieben haben soll, festgenommen. Auch die Plattform selbst wurde beschlagnahmt.[14] Sichergestellt wurden außerdem 26.000 Bitcoins in Ulbrichts Besitz. Der Wert der Bitcoins entsprach ungefähr 3,6 Millionen US-Dollar.[15]

Ulbricht wurde Verschwörung zum Drogenhandel, Verschwörung zur Manipulation von Computern und Verschwörung zur Geldwäsche vorgeworfen.[16] Am 5. Februar 2014 wurde offiziell Anklage gegen ihn erhoben.[17]

Die Reinkarnation: Silk Road 2.0[Bearbeiten]

Anfang Oktober 2013 berichtete TechCrunch über eine Mitteilung im offiziellen Silk Road-Forum, in der ein Nutzer geschrieben hatte:

„We have SilkRoad v2.0 ready to launch and is now in its final testing stages. Our site has all the features of the original one and we have kept the same style of forum for your ease.“

„Wir haben SilkRoad 2.0 startbereit und [es] ist jetzt in der finalen Testphase. Unsere Website hat alle Funktionalitäten der originalen und wir haben einfachheitshalber den gleichen Forumsstil beibehalten.“

Die Autoren des zitierten Mediums „Atlantis“ fanden bei einer Websuche mehrere ähnliche Projekte. Alle nahmen für sich in Anspruch, das originale Silk Road ersetzen zu wollen.[18]

Bitcoin-Hack[Bearbeiten]

Silk Road 2.0 wurde am 15. Februar 2014 unter Ausnutzung einer Schwachstelle im Bitcoin-Protokoll kompromittiert[19], wodurch es dem Angreifer möglich war, sich durch wiederholte Abhebungen aller auf der Plattform zirkulierenden Bitcoins zu bemächtigen. In der Folge wurde die vorübergehende Sperrung der Seite zwecks Implementierung weiterer Sicherheits-Features angekündigt.

Bis Juni 2014 haben die meisten vom Hack betroffenen Nutzer ihre Bitcoins zurückerhalten.[20]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Nicolas Christin: Traveling the Silk Road: A measurement analysis of a large anonymous online marketplace., Working paper auf arXiv: arXiv:1207.7139v2 (Version vom 22. November 2012, abgerufen 4. März 2013).
  2. Bitcoin: Monetarists Anonymous, in: The Economist vom 29. September 2012, abgerufen am 4. März 2013.
  3. Moritz Koch: Internet-Portal Silk Road. Drogen per Mausklick. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Juli 2011, abgerufen am 4. März 2013.
  4. Silk Road: Das Amazon für Drogen. In: derStandard.at. 18. Januar 2012, abgerufen am 5. März 2013.
  5. The Silk Road ist wieder online. In: Futurezone. 7. November 2013, abgerufen am 16. Januar 2014.
  6. a b Andy Greenberg: Meet The Dread Pirate Roberts, The Man Behind Booming Black Market Drug Website Silk Road. Forbes, 2. September 2013 (englisch).
  7. Félix Brezo, Pablo G. Bringas: Issues and Risks Associated with Cryptocurrencies such as Bitcoin, Beitrag zu SOTICS 2012, The Second International Conference on Social Eco-Informatics, 21. Oktober 2012 (pdf), S. 23.
  8. Andy Greenberg: Founder Of Drug Site Silk Road Says Bitcoin Booms And Busts Won't Kill His Black Market. In: Forbes.com. 16. April 2013, abgerufen am 27. August 2013 (englisch).
  9. James Ball: Silk Road: the online drug marketplace that officials seem powerless to stop. In: TheGuardian.com. 22. März 2013, abgerufen am 27. August 2013 (englisch).
  10. Justin Porter: Silk Road’s “The Armory” Terminated. In: bitcoinmagazine.com. 6. August 2012, abgerufen am 27. August 2013 (englisch).
  11. Schwarzmarkt Silk Road: Online Drogen geordert, offline verhaftet. In: Spiegel online. 5. Februar 2013, abgerufen am 5. März 2013.
  12. Axel Kannenberg: Bayerische Polizei sprengt Darknet-Drogenring. In: Heise online. 10. Juli 2013, abgerufen am 27. August 2013.
  13. Adrian Chen: The Underground Website Where You Can Buy Any Drug Imaginable. In: Gawker.com. 1. Juni 2011, abgerufen am 5. März 2013 (englisch).
  14. Adrianne Jeffries: FBI seizes underground drug market Silk Road, owner indicted in New York. In: TheVerge.com. 2. Oktober 2013, abgerufen am 2. Oktober 2013 (englisch).
  15. James Ball und Charles Arthur:Alleged Silk Road website founder arrested by police in San Francisco, The Guardian, 2. Oktober 2013, abgerufen am 2. Oktober 2013 (englisch).
  16. FBI raids alleged online drug market Silk Road, arrests owner. Reuters, 2. Oktober 2013, abgerufen am 2. Oktober 2013 (englisch).
  17. http://www.ibtimes.co.uk/silk-road-indictment-operator-ross-ulbricht-faces-charges-leading-life-term-1435154
  18. John Biggs: Deep Web Users Are Ready To Launch Silk Road 2.0 (en) Archiviert vom Original am 7. Oktober 2013. Abgerufen am 7. Oktober 2013: „History will show it’s the will of the people that’ll win in the end and not that of the dictators in power and I thanks to the actions of DPR and others like him I believe I am now witnessing a full revolution in progress and I for one will be sticking around to document it.“
  19. IMPORTANT: Humbled and Furious – Ankündigung im Silk Road-Forum – nur über das Tor-Netzwerk erreichbar
  20. You Are Writing History: 82% Repaid – Stellungnahme im Silk Road-Forum – nur über das Tor-Netzwerk erreichbar