Silly (Band)

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Silly
Silly - 01.09.2007.jpg
Allgemeine Informationen
Genre(s) Rock
Gründung 1978
Website www.silly.de
Gründungsmitglieder
Gesang
Tamara Danz (1978–1996 †)
Gesang, Gitarre
Thomas Fritzsching (bis 1994)
Bass
Matthias Schramm (bis 1986)
Keyboard
Manfred Kusno (bis 1982)
Keyboard
Ulrich Mann (bis 1982)
Schlagzeug
Mike Schafmeier (bis 1984)
Aktuelle Besetzung
Gesang
Anna Loos (seit 2006)
Keyboard
Ritchie Barton (seit 1982)
Gitarre, Violine
Uwe Hassbecker (seit 1986)
Bass
Jäcki Reznicek (seit 1987)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug
Herbert Junck (1984–2005 †)
Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben[2]
Paradies
  DE 59 19.08.1996 (5 Wo.)
Best of Silly Vol. 1
  DE 31 04.11.1996 (10 Wo.)
Best of Silly Vol. 2
  DE 49 07.04.1997 (6 Wo.)
Alles rot
  DE 3 02.04.2010 (64 Wo.)
Kopf an Kopf
  DE 2 05.04.2013 (27 Wo.)
Singles[2]
Ich sag nicht ja
  DE 68 19.03.2010 (3 Wo.)
Alles rot
  DE 27 24.09.2010 (10 Wo.)
Deine Stärken
  DE 19 15.03.2013 (13 Wo.)
Vorlage:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/vorläufige Chartplatzierung
Sängerin seit 2006: Anna Loos

Silly, ursprünglich Familie Silly, ist eine deutsche Rock-Band, die 1978 in Ost-Berlin gegründet und mit der Sängerin Tamara Danz populär wurde.

Heute besteht die Band aus dem langjährigen Musikerstamm Rüdiger „Ritchie“ Barton (Keyboard, Gesang), Uwe Hassbecker (Gitarre, Geige), Hans-Jürgen „Jäcki“ Reznicek (E-Bass) sowie der Sängerin Anna Loos. Als „ständige Gastmusiker“ sind Reinhard Petereit alias Herr Petereit, Daniel Hassbecker und Ronny Dehn dabei.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

1978–1996: Von den Anfängen bis Tamara Danz’ Tod[Bearbeiten]

Thomas Fritzsching (Gitarre, Gesang) gründete die Band 1978 in Ost-Berlin. Zusammen mit Matthias Schramm (E-Bass) entdeckte er Tamara Danz als Sängerin, holte den Keyboarder Ulrich Mann von der Musikhochschule Weimar, Mike Schafmeier (Schlagzeug) aus Cottbus und Manfred Kusno (Keyboard).

Der Bandname Silly stand bereits fest, wurde aber von den DDR-Behörden wegen des Anglizismus nicht zugelassen; überdies wird silly übersetzt mit „albern“, „einfältig“. So nannte sich die Band Familie Silly und erklärte Silly kurzerhand zum Bandmaskottchen – eine Katze. Die damaligen Behörden akzeptierten schließlich, dass sich die Band seit 1982 nur noch Silly nennt. Die ersten Gastspiele fanden in Rumänien und in Norwegen statt. Besonders in Rumänien waren sie sehr erfolgreich. 1981 gewannen sie den Grand Prix der Bratislavska Lyra, einen der bedeutendsten Unterhaltungsmusikpreise der RGW-Staaten.

Ursprünglich wurde Silly als eine unbedarfte, lustige Combo inszeniert, vergleichbar mit dem Charakter der Neuen Deutschen Welle in Westdeutschland. Anfang der 1980er stieß der Texter Werner Karma zur Band. Er schaffte es, die Band mit ihren Texten in der Musiklandschaft der DDR unverwechselbar zu machen. Tamara Danz entwickelte sich zu einer authentisch-selbstbewusst auftretenden Sängerin. Damals beteiligte sich Silly noch an staatlichen Großveranstaltungen wie Rock für den Frieden im Palast der Republik, wo im Jahre 1983 gemeinsam mit Dieter Birr von den Puhdys Ein Lied für die Menschen aufgeführt wurde. Im Dokumentarfilm flüstern & SCHREIEN – Ein Rockreport von 1988 sagte Danz: „Wir haben ganz zu Anfang sehr viele Kompromisse gemacht, daraus haben wir gelernt, und seitdem machen wir keine mehr. […] Du kannst keine Musik machen mit Kompromissen.“ Die damaligen Songs von Silly sind meist sehr poetisch und haben versteckte Andeutungen, die sich – vorbei an der Zensur – mit den Lebensumständen in der DDR kritisch auseinandersetzen. Sängerin Tamara Danz erläuterte in der Nachwende-Zeit die Vorgehensweise beim Texten und beschrieb, dass man bewusst sogenannte Grüne Elefanten in die Songs einbaute, Textstücke also, die so übertrieben und kritisch waren, dass sie garantiert von der Zensur angegangen wurden. Neben diesen Übertreibungen konnten dann kleinere, verstecktere Andeutungen, die das bewusst hörende Publikum durchaus wahrnahm, im Text verbleiben.

1982 ersetzte Ritchie Barton, der seit zwei Jahren mit Tamara Danz zusammengelebt hatte, die beiden Gründungsmitglieder Manfred Kusno und Ulrich Mann am Keyboard. 1984 verließ auch der Schlagzeuger Mike Schafmeier die Band und wechselte zu MTS, sein Nachfolger wurde Herbert Junck. 1986 nach Fertigstellung der LP Bataillon d’Amour musste Bassist Matthias Schramm gehen. Jäcki Reznicek (E-Bass) von Pankow[4][5] und Uwe Hassbecker (Gitarre, Geige), der zuvor bei Stern Meißen gespielt hatte, kamen dazu. Hassbecker – zunächst heimlicher Geliebter – wurde Partner und später Ehemann von Tamara Danz. 1989 trennte man sich dann bis auf Weiteres von Werner Karma. Auf Februar sind nur noch zwei Texte von ihm. Die Songs wurden nun hauptsächlich von Tamara Danz, Ritchie Barton und Uwe Hassbecker geschrieben und von Tamara Danz mit Unterstützung von Gerhard Gundermann getextet. Das Album Februar enthält kritischere und direktere Texte als die Vorgängeralben. Es folgten viele Tourneen, unter anderem in Deutschland, Dänemark, Schweden, Österreich, USA und 1993 das Album Hurensöhne. 1994 musste Thomas Fritzsching die Band verlassen. Ebenfalls in diesem Jahr entstand das Live-Doppelalbum Silly + Gundermann & Seilschaft nach einem gemeinsamen Konzert beider Bands. Hassbecker und Barton betätigten sich in der Folge immer mehr als Musikproduzenten, unter anderem für Gerhard Gundermann, City, Karat und viele mehr.

Danz, Barton und Hassbecker bauten das Danzmusik Studio auf und machten sich damit produktionstechnisch unabhängig. Das Album Paradies, das als eines der besten Alben der Band gilt, entstand als erste Produktion im eigenen Studio. Während der Produktion wurde bei Tamara Danz Krebs diagnostiziert. Nach Erscheinen des Albums Paradies starb Tamara Danz am 22. Juli 1996 im Alter von 43 Jahren an Brustkrebs.

1996–2006: Werdegang hin zur neuen Sängerin[Bearbeiten]

Alle Musiker gingen zwischenzeitlich eigenen Projekten nach. Reznicek ist unter anderem Dozent an der Dresdner Musikhochschule, Hassbecker gefragter Studiomusiker und zusammen mit Barton Musikproduzent. Seit 2000 spielen und arbeiten sie unter anderem mit dem Sänger Joachim Witt und produzieren dessen Alben Bayreuth 3 und Auf Ewig.

Am 31. Mai 2005 starb Herbert Junck an Krebs. Somit war die Gruppe nur noch zu dritt. Nach dem Tod von Tamara Danz hatte Junck in Interviews vielfach bedauert, dass sich das Verhältnis zu seinen ehemaligen Bandkollegen sehr abgekühlt hatte. Im Herbst 2005 folgte ein erfolgreiches Comeback als Silly & Gäste, mit verschiedenen prominenten Gastsolisten wie Katy Karrenbauer, Anna Loos, Anja Krabbe und Toni Krahl.

Auf der Bühne stehen inzwischen neben Hassbecker, Barton, Reznicek und Gästen, Rezniceks Sohn Sebastian am Schlagzeug und Hassbeckers Sohn Daniel von der Band Mariannenplatz an den zweiten Keyboards und Cello, sowie Reinhard „Reini“ Petereit (Herr Petereit) von Rockhaus an der zweiten Gitarre.

Die Schauspielerin Anna Loos trat im Herbst 2006 im Rahmen der Silly & Anna Loos Elektroakustiktour 2006/2007 die Nachfolge von Tamara Danz als Frontfrau an.[6]

2007 bis heute[Bearbeiten]

Die Band komponierte die Musik zum Kinofilm Der Mond und andere Liebhaber von Bernd Böhlich mit Katharina Thalbach in der Hauptrolle. Der Soundtrack wurde gleichzeitig mit dem Kinostart des Films im Juli 2008 veröffentlicht. Außerdem veröffentlichte die Band im 30. Jahr ihres Bestehens eine 3-DVD-Box einschließlich einer Neuauflage des Buches Tamara Danz – Legenden von Alexander Osang und dem Soundtrack von Der Mond und andere Liebhaber.

Silly spielte auch 2008 auf vielen Freilichtkonzerten und nahm neben den Puhdys, Karat und vielen anderen zum zweiten Mal an der erfolgreichen Ostrock-in-Klassik-Tour mit dem Filmorchester Babelsberg teil. 2010 spielte Silly in der SOKO-Leipzig-Folge Silly – Tod im Konzert sich selbst: Bei einem Konzert wird die Band in einen Mordfall verwickelt. Im gleichen Jahr erschien mit Alles rot das erste Studioalbum mit komplett neuen Titeln seit dem Tod von Tamara Danz. Die Texte schrieb wiederum Werner Karma. Im Juli 2010 erhielt das Album eine Goldene Schallplatte und im Januar 2011 Platin.

Silly nahm am Bundesvision Song Contest 2010 für Sachsen-Anhalt teil und belegte dort den zweiten Platz.

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • 1980: Silly (Rocktopus/Hansa, Bundesrepublik Deutschland)
  • 1981: Tanzt keiner Boogie? (Amiga)
  • 1983: Mont Klamott (Amiga)
  • 1984: Zwischen unbefahrenen Gleisen (Amiga; wurde mit einem Veröffentlichungsverbot belegt)
  • 1985: Liebeswalzer (Amiga, abgeänderte und umbenannte Neuausgabe von Zwischen unbefahrenen Gleisen)
  • 1986: Bataillon d’Amour (Amiga)
  • 1989: Februar (Amiga)
  • 1993: Hurensöhne (DSB Berlin)
  • 1996: Paradies (SPV)
  • 2008: Der Mond und andere Liebhaber (Soundtrack zum Film)
  • 2010: Alles rot (Island)
  • 2013: Kopf an Kopf (Island/Universal)

Kompilationen[Bearbeiten]

  • 1996: Best of Silly Vol. 1
  • 1997: Best of Silly Vol. 2
  • 1999: Traumteufel
  • 2005: Silly Klassiker + Sounds
  • 2006: Silly – Die Original Amiga Alben (8-CD-Box)

Konzertalben[Bearbeiten]

  • 1999: Silly + Gundermann & Seilschaft Unplugged (live)
  • 2006: Silly & Gäste – Live in Berlin (Das Konzert im Berliner Tempodrom vom 16. Oktober 2005, Doppel-CD)
  • 2011: Alles rot erinnert euch an live (Live-CD)

VHS[Bearbeiten]

  • Best of Silly
  • Silly + Gundermann & Seilschaft Unplugged

DVD[Bearbeiten]

  • 2002: flüstern & SCHREIEN mit Feeling B, Chicoree, Silly und anderen
  • 2004: 25 Jahre Silly
  • 2006: Silly und Gäste Das Konzert im Berliner Tempodrom vom 16. Oktober 2005
  • 2008: Silly – Tamara (3 DVDs + CD + Buch)
  • 2013: Silly – Kopf an Kopf live

Singles[Bearbeiten]

  • 1980: Tanzt keiner Boogie? (Rocktopus/Hansa, Bundesrepublik Deutschland)
  • 1980: Pack’ deine Sachen (Amiga)
  • 1982: Dicke Luft (Amiga)
  • 1983: Mont Klamott (Pool/Teldec)
  • 1984: Die Ferne (Amiga)
  • 1986: Bataillon d’Amour (CBS)
  • 1987: Panther im Sprung (CBS)
  • 1988: Verlorne Kinder (BMG)
  • 1989: Paradiesvögel (BMG)
  • 1993: Hurensöhne (MCD, DSB)
  • 1993: Bye Bye (MCD, DSB)
  • 1996: Asyl im Paradies (MCD, SPV)
  • 2010: Ich sag nicht ja (MCD)
  • 2010: Alles rot (MCD)
  • 2011: Erinnert mit Jan Josef Liefers
  • 2013: Deine Stärken (Island/Universal)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Götz Hintze: Rocklexikon der DDR. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999, ISBN 3-89602-303-9
  2. a b Chartquellen: DE1 DE2
  3. „Silly.de Gastmusiker“
  4. Jäcki Reznicek (PDF; 16 kB) Jäcki Reznicek. 4. Oktober 2011. Abgerufen am 8. Dezember 2011.
  5. Bass Besser Reznicek. Interview mit Jäcki Reznicek. In: Melodie und Rhythmus, Nr. 2, 2008, ISSN 0025-9004,(2008), S. 52–55 (online; PDF; 3,2 MB).
  6. Kult-Band: Silly mit neuer Frontfrau auf Tour. In: Die Zeit, 25. Oktober 2006, abgerufen am 8. August 2012.